US-Notenbank steuert auf Ende der Anleihekäufe zu

Ben Bernanke

Fed-Chef Ben Bernanke.

Washington – Die US-Notenbank Fed stellt ein Ende ihrer milliardenschweren Anleihekäufe in Aussicht. Am Mittwoch äusserte sich Fed-Chef Ben Bernanke in Washington erstmals konkret zum Ausstieg aus der quantitativen Lockerung. Demnach könnte die Federal Reserve den Geldhahn Mitte 2014 komplett zudrehen, sollte sich die konjunkturelle Entwicklung wie von der Fed erhofft fortsetzen. Eine erste Reduzierung der Bondkäufe signalisierte Bernanke für den späteren Jahresverlauf 2013. In der Folgezeit könnten die Wertpapierkäufe schrittweise verringert werden. Der US-Dollar reagierte mit starken Kursgewinnen auf die Äusserungen, amerikanische Staatsanleihen und Aktien gerieten unter Druck.

Bernanke bekräftigte allerdings, dass die Geldpolitik der Fed auch nach dem Ausstieg aus den Anleihekäufen noch lange locker bleiben werde. Eine erste Erhöhung des Leitzinses, der seit mittlerweile viereinhalb Jahren knapp über null Prozent verharrt, liege in weiter Ferne, sagte der Fed-Chef. Selbst wenn die Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent falle, müsse dies nicht unbedingt mit Zinserhöhungen einhergehen. Diese Marke, an die die Fed ihre Zinspolitik seit Ende 2012 gekoppelt hat, sei lediglich ein Schwellenwert – und kein Auslöser für automatische Zinsanhebungen. Zumal die Fed den Schwellenwert auch jederzeit nach unten setzen könne, sagte Bernanke auf Rückfrage. Im Offenmarktausschuss FOMC rechnen die meisten Mitglieder mit einer ersten Erhöhung der Fed Funds Rate nach wie vor im Jahr 2015.

Fed setzt Käufe zunächst fort
Zunächst setzt die US-Notenbank Fed ihre Anleihekäufe jedoch unvermindert fort. Um die Erholung der Binnenkonjunktur zu stützen, wird sie langfristige Staatsanleihen und mit Hypotheken besicherte Wertpapiere im Wert von monatlich 85 Milliarden US-Dollar kaufen, beschloss der Offenmarktausschuss FOMC nach seiner zweitägigen Sitzung. Wie bereits Anfang Mai signalisierte die Fed, die Anleihekäufe flexibel handhaben zu wollen. Das Tempo der Käufe könne – abhängig von der Entwicklung am Arbeitsmarkt – erhöht oder auch reduziert werden. Dementsprechend beliess die Notenbank ihren Leitzins in einer Spanne zwischen null und 0,25 Prozent.

Die Fed hat seit der Finanzkrise 2008 in Umfang an den Märkten für amerikanische Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Wertpapiere (MBS) interveniert. Gegenwärtig hält die Fed derartige Anleihen im Wert von 3,1 Billionen Dollar. Die Bilanzsumme der Fed hat sich verglichen mit Vorkrisenzeiten infolgedessen mehr als verdreifacht. Bezogen auf die jährliche Wirtschaftsleistung der USA ergibt sich eine Quote von etwa 20 Prozent.

Arbeitsmarkt besser
In ihrem Statement gibt sich die Fed zuversichtlicher für den Arbeitsmarkt. Er habe sich in den vergangenen Monaten weiter verbessert. Die Gesamtwirtschaft habe ihr moderates Wachstum fortgesetzt. Nach wie vor sieht der Offenmarktausschuss Risiken für das Wachstum und den Arbeitsmarkt, die sich seit vergangenem Herbst aber verringert hätten. Dementsprechend hob die Fed ihren Ausblick für den Arbeitsmarkt an. So wird es nunmehr für möglich gehalten, dass die Schwelle von 6,5 Prozent schon im Jahr 2014 und nicht wie bislang im Jahr 2015 erreicht wird.

Zwei Abweichler
Die Entscheidungen im FOMC sind unterdessen nicht einstimmig gefällt worden. Dieses Mal gab es sogar zwei Abweichler: Neben Esther George von der regionalen Notenbank von Kansas sprach sich erstmals James Bullard von der Zentralbank von St. Louis gegen die Entscheidungen aus. Während George seit längerem als Gegnerin der extrem expansiven Geldpolitik gilt, tritt Bullard für eine lockere Geldpolitik ein.

Auswirkungen des Ausstiegs
Im FOMC tobt seit Monaten eine breite Diskussion darüber, wann und in welchem Umfang die Anleihekäufe reduziert werden sollten. Die Meinungen darüber gehen zwischen den Fed-Mitgliedern weit auseinander. Notenbankchef Bernanke hatte diese Ungewissheit Ende Mai mit wenigen Äusserung angeheizt. Daraufhin setzten an den Finanzmärkten massive Umschichtungen ein. Unter Druck stehen seither nicht nur amerikanische Staatsanleihen. Stärker noch gerieten die Börsen und Währungen zahlreicher Schwellenländer unter Druck, weil die Investoren aufgrund des drohenden Liquiditätsentzugs ihre dortigen Engagements reduzierten. (awp/mc/cs/upd/ps)

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