Brexit treibt Goldpreis

Ole Hansen

Von Ole Hansen, Rohstoffexperte bei der Saxo Bank. (Foto: Saxo Bank)

Kopenhagen – Grossbritannien hat sich entschieden: Das Königreich wird die Europäische Union verlassen. Dieser Ausgang traf die Märkte völlig unvorbereitet. Insbesondere angesichts der Umfragen, die bis vergangenen Donnerstag einen Sieg der Verbleib-Kampagne voraussagten.

Der Sterling/Dollar-Kurs fiel von 1,50 auf 1,32 – von einem Jahreshoch zu einen Jahrestief innerhalb von sechs Stunden. Es war die grösste Kursbewegung innerhalb eines Tages seit Aufzeichnungsbeginn. Was folgte, war ein Absturz der FTSE-Futures um fast neun Prozent. Dieser Verlust ist äquivalent zu jener Summe, die Grossbritannien in 15 Jahren in die EU eingezahlt hat. Insgesamt musste der Bloomberg Rohstoffindex seine zweitschwächste Woche des Jahres hinnehmen. Bis auf Edelmetalle taumelten die meisten Rohstoffe inmitten einer globalen Flucht aus risikoreicheren Anlagen.

Gold zwischenzeitlich auf Zweijahreshoch
Gold hingegen stieg zwischenzeitlich sogar auf 1.358 US-Dollar pro Feinunze und erreichte ein Zwei-Jahres-Hoch, bevor Gewinnmitnahmen und sich erholende Aktienkurse die Rallye unterbrachen. Der Hauptgrund, weshalb Gold vom Ausgang des Referendums profitierte, ist die Risikoaversion der Anleger bezüglich anderer Assetklassen. Hinzu kommt die Annahme, dass sich eine Erhöhung der US-Leitzinsen aufgrund der Entscheidung weiter verzögern wird. Innerhalb des aktuellen Jahres gab es eine fünfundzwanzig- bzw. dreissigprozentigen Rallye bei Gold und Silber. Diese eindrucksvollen Preisentwicklungen können einige Investoren abschrecken. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es jedoch keine Anzeichen, dass eine grössere Korrektur bevorsteht.

Auch die Ölmärkte gerieten unter Druck. Die beiden Öl-Benchmarken Brent und WTI fielen um mehr als sechs Prozent, bevor sie sich wieder stabilisieren konnten. Der Ausverkauf stoppte jedoch kurz bevor die jüngsten Tiefstände unterschritten wurden. Insofern bleibt es bei der Einschätzung eines mittelfristigen Ölpreises zwischen 45 USD und einem niedrigen 50 USD-Bereich pro Barrel. Trotz einiger Bedenken hinsichtlich des globalen Wirtschaftswachstums und der globalen Öl-Nachfrage, befindet sich das schwarze Gold weiterhin im Gleichgewichtsprozess. Ein niedrigerer Kurs würde dies derzeit weiter beschleunigen, da kostenintensive Produzenten die Förderung weiter drosseln. Die grösste Gefahr für Öl besteht in Fonds Long-Positionen im Wert von beinahe 600 Millionen Barrel WTI und Brent. Eine anhaltende Unruhephase an den Märkten kann zusätzliche Verkäufe auslösen und die derzeitige Schwächeperiode noch vergrössern. (Saxo Bank/mc/ps)

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