Corona-Pandemie verschärft Risiken im Finanzsektor

Corona-Pandemie verschärft Risiken im Finanzsektor

Zürich – Die Corona-Pandemie verschärft bestehende Risiken im Finanzsektor zusätzlich. Insgesamt hätten die Finanzunternehmen dank ihren Liquiditäts- und Kapitalpolstern die Auswirkungen der Krise bisher gut abfedern können, schreibt die Finanzmarktaufsicht Finma in ihrem zum zweiten Mal publizierten „Risikomonitor“.

„Wir sehen die Corona-Situation als einen Treiber bestehender Risiken“, sagte Finma-Direktor Mark Branson am Mittwoch bei der Präsentation des Risikomonitors. Wie bereits im letztjährigen Bericht zählt die Behörde das anhaltende Niedrigzinsumfeld aber auch die Gefahr einer Korrektur am Immobilien- und Hypothekarmarkt zu den Hauptrisiken für den Schweizer Finanzsektor.

Insgesamt entwickle sich das Jahr 2020 für viele Finanzunternehmen vor allem dank der anhaltend starken Finanzmärkte insgesamt zu einen guten Jahr, sagte Branson. Das führe auch dazu, dass die Kapitalpuffer zum Beginn der zweiten Corona-Welle noch besser gefüllt seien. „Die Kapitalsituation der Finanzunternehmen sollte ausreichend sein“, betonte der Finma-Direktor.

Kreditrisiken im Ausland
Als neues „Hauptrisiko“ nennt die Finma allerdings die Gefahr von Ausfällen oder Korrekturen bei Unternehmenskrediten und -anleihen. Die weltweite Rezession und der Lockdown hätten zu teilweise massiven Umsatz- und Gewinneinbrüchen bei vielen Unternehmen geführt – allerdings stehen für die Finma dabei ausländische Unternehmen im Fokus.

In der Schweiz machten die Kredite an die von der Coronakrise besonders betroffenen Unternehmen – etwa der Tourismus- und Reisebranche oder der Gastronomie – insgesamt wohl einen kleinen Anteil der Kreditbücher aus, sagte Branson. Sicherlich werde es zu Kreditverlusten in diesen Branchen kommen: „Es ist aber schwierig sich vorzustellen, dass das die Finanzunternehmen destabilisieren könnte.“

Falscheinschätzung
Verschärft haben sich laut Finma auch die Risiken im Schweizer Immobilien- und Hypothekarmarkt. So sind die Leerstände bei Mietimmobilien noch gestiegen, dazu kommen Ertragsausfälle in der Geschäfts- und Büroflächenvermietung in der Folge der Pandemie. Ungeachtet der Leerstände nehmen die Investitionen in Renditeimmobilien laut Finma zu, wobei Investoren immer tiefere Renditen in Kauf nehmen würden.

Auch beim Wohneigentum haben die Immobilien- und Hypothekarmärkte trotz Corona weiter zugelegt. Diese Entwicklung habe man wohl zu Beginn der Krise falsch eingeschätzt, räumte Branson ein. So hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) den antizyklischen Puffer in der Erwartung aufgehoben, dass sich der Hypothekarmarkt stark abkühlen werde: „Wir lagen falsch.“

Aufsichtsfokus
In ihrem Aufsichtsfokus will die Finma nun mögliche Ausfälle oder Korrekturen von Unternehmensanleihen mit den beaufsichtigten Banken „periodisch erörtern“. Bei den Versicherern werde die Behörde erhöhte Kreditrisiken bei der Berechnung der Kapitalanforderungen berücksichtigen.

Derweil bleibe auch die Zinssituation Gegenstand des „Aufsichtsdialogs“ mit den beaufsichtigen Instituten ebenso wie der Immobilien- und Hypothekarmarkt. So beobachte die Finma aufgrund der Corona-Pandemie Wertberichtigungen, Abschreibungen und gefährdete Forderungen intensiv.

Big-Data-Risiken
Einen Fokus legt die Finma im diesjährigen Bericht auf langfristige Risiken im Zusammenhang mit der Verwendung grosser Datenmengen (Big Data) im Versicherungsbereich. Das berge zum einen zwar grosse Chancen und Hoffnungen. So könnten Versicherer etwa risikogerechtere Tarife oder besser auf die Kundenbedürfnisse zugeschnittene Produkte entwickeln.

Gleichzeitig bringe der Zugang zu grossen Datenmengen aber auch die Gefahr von „zunehmend gläsernen Versicherungskunden“ mit sich. Durch das erleichterte Trennen der guten von schlechten Risiken könne es zu Diskriminierungen bestimmter Gruppen von Versicherungsnehmern oder zu einer „Entsolidarisierung“ kommen. (awp/mc/pg)

Finma

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