Deutsche Bank schöpft trotz Corona-Krise Hoffnung für 2020

Christian Sewing
Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender Deutscher Bank. (Foto: Deutsche Bank/Flickr)

Frankfurt – Die Deutsche Bank wird nach einem überraschend guten Abschneiden im zweiten Quartal in der Corona-Krise etwas zuversichtlicher für den Rest des Jahres. Man arbeite weiterhin auf das ursprüngliche Ziel hin, auch im Gesamtjahr vor Steuern schwarze Zahlen zu schreiben, sagte Finanzchef James von Moltke bei der Vorlage der Zwischenbilanz am Mittwoch in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Zwischenzeitlich hatte sich Deutschlands grösstes Geldhaus skeptischer geäussert. Angesichts der Unsicherheiten über die weitere Entwicklung der Pandemie sei man aber noch vorsichtig.

An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die Deutsche-Bank-Aktie legte am Morgen zeitweise um 3,5 Prozent zu und lag zuletzt noch mit 1,52 Prozent im Plus bei 8,122 Euro.

Dank sprudelnder Geschäfte der hauseigenen Investmentbank und überraschend stark gesenkter Kosten erwirtschaftete die Bank in den Monaten April bis Juni vor Steuern einen Gewinn von 158 Millionen Euro nach einem Verlust von 946 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Auch vor den Zinszahlungen an die Inhaber für Nachranganleihen (AT-1) hielt sich das Geldhaus knapp in den schwarzen Zahlen. Nach Abzug dieser Zinszahlungen stand unter dem Strich dennoch ein Verlust von 77 Millionen Euro, nachdem der teure Radikalumbau dem Institut ein Jahr zuvor noch einen Verlust von 3,3 Milliarden Euro eingebrockt hatte.

„Wir haben in einem schwierigen Umfeld unsere Erträge gesteigert und unsere Kosten weiter gesenkt und sind auf einem guten Weg, alle unsere Ziele zu erreichen“, sagte Vorstandschef Christian Sewing. So rechnet er jetzt damit, dass die gesamten Erträge der Bank in diesem Jahr in etwa stabil bleiben. Zuvor war er noch von einem leichten Rückgang ausgegangen.

Risikovorsorge verfünfacht
Während die Bank ihre Erträge im zweiten Quartal um ein Prozent auf knapp 6,3 Milliarden Euro steigern konnte, drückten die drohenden Kreditausfälle infolge der Coronavirus-Pandemie wie erwartet aufs Ergebnis. Das Institut legte dazu 761 Millionen Euro als Risikovorsorge zurück, fast fünfmal so viel wie ein Jahr zuvor.

Unterdessen konnte das Institut seine Kosten stärker senken als gedacht. Die bereinigten Kosten ohne die Belastungen durch den Konzernumbau gingen um acht Prozent auf 4,9 Milliarden Euro zurück und damit stärker als von Analysten im Schnitt erwartet.

„Als wir im Juli 2019 die Transformation unserer Bank ankündigten, gingen wir von einer besonders intensiven Umbauphase von sechs Quartalen bis Ende 2020 aus“, schrieb Sewing in einer Nachricht an die Mitarbeiter. Nun habe die Bank bereits nach vier Quartalen mehr als drei Viertel der erwarteten Transformationskosten verarbeitet. Die Früchte dieser Arbeit würden mehr und mehr sichtbar.

Den Aktionären stellte das Institut eine Ausschüttung für das Jahr 2021 in Aussicht. Zuletzt hatte die Deutsche Bank für das Jahr 2018 eine Mini-Dividende von 11 Cent je Anteilsschein gezahlt.

Weltweit jede fünfte Stelle soll gestrichen werden
Deutschlands grösstes Geldhaus hat sich aus einigen Geschäftsfeldern zurückgezogen und das Investmentbanking verkleinert. Zudem soll bis Ende 2022 die Zahl der Vollzeitstellen im Konzern um etwa 18’000 auf weltweit 74’000 verringert werden. Im Vergleich zu Mitte 2019 sank die Zahl der Vollzeitstellen bereits um 4042 auf nun 86 824.

Besonders kräftig sprudelten die Erträge in der Investmentbank. Im Jahresvergleich legten sie hier um 46 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro zu. In der Unternehmensbank wuchsen sie nur um 3 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro, während die Privatkundenbank einen Rückgang um 5 Prozent auf 2,0 Milliarden Euro verbuchen musste.

Die Fondstochter DWS sammelte in den drei Monaten bis Ende Juni netto 8,7 Milliarden Euro frisches Geld von Anlegern ein, wie das im SDax gelistete Unternehmen mitteilte. Experten hatten im Schnitt lediglich mit 3,5 Milliarden gerechnet. Dabei konnte die DWS ihren um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Steuern dank deutlich reduzierter Kosten um zwei Prozent auf 189 Millionen Euro steigern.

Der Kapitalpuffer der Deutschen Bank konnte sich seit dem Corona-Crash an der Börse im März wieder ein Stück weit erholen. Die harte Kernkapitalquote (CET1) verbesserte sich von Ende März bis Ende Juni um einen halben Prozentpunkt auf 13,3 Prozent. (awp/mc/ps)

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