Deutsche Bank: Neue Spitze mit schlechtestem Ergebnis seit 2008

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Anshu Jain (.) und Jürgen Fitschen, Co-Führungsduo Deutsche Bank. (Foto: Deutsche Bank)

Frankfurt am Main – Der Konzernumbau und milliardenschwere Prozessrisiken haben der Deutschen Bank 2012 die Bilanz verhagelt. Die seit Juni amtierende Doppelspitze mit Anshu Jain und Jürgen Fitschen legte am Donnerstag in Frankfurt das schlechteste Ergebnis seit dem Krisenjahr 2008 vor. Die Zahlen fielen noch negativer aus als erwartet: Es gab einen Milliardenverlust im vierten Quartal und einen Gewinneinbruch im Gesamtjahr.

Operative Fortschritte wurden im Grunde komplett aufgezehrt. Einen konkreten Ausblick wagte das Management nicht, das Jahr 2013 sei aber gut angelaufen. «Alles in allem erwarten wir für 2013 ein weniger turbulentes Umfeld als in den vergangenen beiden Jahren», meinte Jain.

Keine details zu Rechtsstreitigkeiten
«Das Ergebnis des vierten Quartals ist für uns alle unbefriedigend», räumte Fitschen ein. In den letzten drei Monaten 2012 fielen unter dem Strich knapp 2,2 Milliarden Euro Verlust an. Über das gesamte Jahr gesehen brach der Überschuss um 85 Prozent auf 611 Millionen Euro ein.

Allein für Rechtsstreitigkeiten wandte Deutschlands grösste Bank im vergangenen Jahr 1,6 Milliarden Euro auf. Der Puffer für mögliche Strafzahlungen erhöhte sich damit zum Jahresende auf 1,8 Milliarden Euro. Ob darin Rückstellungen für möglichen Schadenersatz an die Erben des Medien-Unternehmers Leo Kirch oder für ein Bussgeld im Skandal um Zinsmanipulationen – Stichwort Libor – enthalten sind, liess der Vorstand offen.

Solche Altlasten bremsen Deutschlands grösste Bank. Fitschen betonte: «Ein kultureller Wandel ist zwingend erforderlich.» Der Vorstand stellt sich auf eine ungewisse Zahl weiterer Klagen ein – etwa in den USA, wo sich Hausbesitzer von dem Konzern ungerecht behandelt und Investoren über den Tisch gezogen fühlen.

Kosten müssen runter
Mit schärferen internen Kontrollen will die Bank Regelverstösse eindämmen. «Unser Ziel ist es, die Risikokultur zu verändern und dafür zu sorgen, dass die Reputation der Bank stets im Zentrum aller unserer Entscheidungen steht», erklärte Fitschen. Wer da nicht mitziehe, passe nicht zur Bank. Die heftig kritisierte Entscheidung, an Termingeschäften mit Lebensmitteln festzuhalten, verteidigte Fitschen aber. «Wenn wir eine Indikation hätten, dass das nicht zu dem beiträgt, was wir alle erreichen wollen, nämlich den Hunger abzustellen, dann hätten wir es nicht gemacht.»

Im September hatten Jain und Fitschen das Ziel ausgegeben, die jährlichen Kosten bis 2015 um 4,5 Milliarden Euro zu drücken. Im Investmentbanking werden 2000 Stellen gestrichen. In welchem Umfang weitere Jobs wegfallen werden, bleibt offen. Fitschen verwies auf laufende Gespräche mit Betroffenen und dem Betriebsrat. Binnen Jahresfrist verringerte sich die Zahl der Vollzeitkräfte auf 98 219 (Vorjahr: 100 996), davon 46 308 (47 323) in Deutschland.

Bank will Abstand beim Kapital verringern
Auf der Bremse steht die Bank bei Boni und Gehältern: Die reservierte Summe für die bei grossen Banken üblichen Boni fiel mit 3,2 Milliarden Euro kleiner aus als ein Jahr zuvor (3,6 Mrd Euro). Langfristige Ansprüche auf Zusatzzahlungen werden zum Teil noch länger gestreckt. Bei den Festgehältern steht eine Nullrunde an, wie Personalchef Stephan Leithner bestätigte: «Im Kern haben wir keine Erhöhung von Grundgehältern durchgeführt.» Laut Betriebsrat müssen in Deutschland in diesem Jahr 12 000 bis 15 000 aussertarifliche Mitarbeiter auf ein Gehaltsplus verzichten.

Während sich der deutsche Branchenprimus müht, auf der Kapitalseite den Abstand zur internationalen Konkurrenz aus eigener Kraft zu verkleinern, warnte Jain vor Nachteilen, sollte Europa grosse Finanzkonzerne zerschlagen. «Wir sind weiterhin überzeugt, dass die deutsche Wirtschaft bei einer deutschen Bank mit einem wirklich integrierten und globalen Service bestens aufgehoben ist», sagte der oberste Investmentbanker des Konzerns. In Europa kursieren mehrere Vorschläge, riskante Kapitalmarktgeschäfte vom Privatkundengeschäft zu trennen. Die Bundesregierung plant dazu ein Gesetz.

Um die Aktionäre bei Laune zu halten, will die Bank für das vergangene Jahr eine unveränderte Dividende von 75 Cent je Aktie ausschütten. Zumindest am Donnerstag gelang dies: Die Aktie legte bis am frühen Nachmittag mehr als ein Prozent zu. (awp/mc/upd/ps)

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