EY: Bezahlen mit Smartphone in der Schweiz mässig beliebt

Bernhard Schneider
Bernhard Schneider, Senior Manager und FinTech-Experte bei EY Schweiz. (Foto: EY)

Zürich – Die neuen digitalen Technologien für Finanz- und Versicherungsdienstleistungen sind in der Schweiz bei den Privatkunden unterdurchschnittlich verbreitet. 30 Prozent aller Internetnutzer hierzulande verwenden regelmässig FinTech-Produkte wie Bezahl-Apps, bankenunabhängige Online-Bezahldienste, Online-Kreditplattformen oder Prämienvergleichsdienste. Die Schweiz liegt damit unter dem weltweiten Durchschnitt von 33 Prozent, wie eine Befragung von rund 22’000 Konsumentinnen und Konsumenten aus 20 Ländern durch das Beratungsunternehmen EY ergeben hat (Details zur Methodik am Ende der Mitteilung). Der Anteil der aktiven FinTech-Nutzenden an der Onlinebevölkerung weltweit hat sich innerhalb von 18 Monaten verdoppelt.

Die Studie hat fünf Arten von FinTech-Anwendungen untersucht. Der Sammelbegriff «FinTech» steht dabei für moderne, zumeist digitale Technologien im Finanzdienstleistungsbereich (Banken und Versicherungen). Am offensten stehen Schweizer Nutzende Geldtransfers und dem Bezahlen mithilfe von FinTech-Produkten gegenüber. 52 Prozent der befragten Personen, die auch regelmässig das Internet nutzen, haben entsprechende Dienste bereits heruntergeladen und wenden diese auch an. 28 Prozent der Befragten haben bereits Versicherungsdienstleistungen wie Online-Prämienvergleiche in Anspruch genommen oder geben mit dem Smartphone ermittelte Gesundheitsdaten an ihre Krankenkasse weiter. In diesen beiden Kategorien liegt die Schweiz jeweils wenige Prozentpunkte über dem Durchschnitt aller Länder.

Zurückhaltender sind die Befragten aus der Schweiz dagegen bei Onlinediensten zur Budgetplanung (CH: 4 Prozent, Gesamt: 10 Prozent), beim Einsatz von Tools zum Sparen und Investieren wie Crowdfunding oder Apps zum einfachen Aktienkauf (CH: 10 Prozent, Gesamt: 20 Prozent). Beinahe nie genutzt werden in der Schweiz Onlineangebote für das Leihen von Geld zwischen Privatpersonen (Peer-to-Peer-Lending – CH: 2 Prozent, Gesamt: 10 Prozent).

Dauernde Verfügbarkeit zentral
Personen aus der Schweiz geben als Hauptgrund für die Verwendung der FinTech-Dienste an, dass diese rund um die Uhr verfügbar sind. Gesamthaft gesehen ist dieser Verwendungsgrund nur auf dem dritten Rang. Für Benutzende in anderen Ländern ist es wichtiger, dass die Anwendung einfach ist und sie online andere oder zusätzliche Angebote erhalten.

Für Bernhard Schneider, Senior Manager und FinTech-Experte bei EY Schweiz, ist die deutlich gestiegene Nutzung von FinTech-Anwendungen durch Endkunden ein Zeichen dafür, dass FinTech-Anbieter mehr und mehr an Akzeptanz gewinnen und im Markt angekommen sind: «Die Ergebnisse zeigen ein stark gewachsenes Interesse der Nutzer an neuen und innovativen Finanzprodukten. Dank neuer technologischer Lösungen und stark auf die Kunden ausgerichteter Angebote hat die Nutzungsrate deutlich zugelegt. Verschiedenen FinTech-Produkten wird der Durchbruch zum Massenmarkt gelingen. FinTechs sind zudem ein starker Treiber für kundenzentrierte Innovationen und Vereinfachungen und setzen etablierte Institute vermehrt unter Druck. Letztere müssen Kooperationen suchen oder ähnliche innovative Strukturen schaffen, um mit dem Tempo mithalten zu können.»

Es bestehen aber nach wie vor auch Hinderungsgründe. So wissen 12 Prozent der Schweizer Onlinenutzer nichts von entsprechenden Angeboten und 13 Prozent geben an, sie hätten bislang nicht das Bedürfnis gehabt, sie zu verwenden. Allerdings ist inzwischen auch der Anteil der prinzipiell interessierten und informierten Nutzer deutlich gestiegen.

Nutzung in Schwellenländern sehr hoch
Die von EY Befragten in China haben gegenüber FinTechs mit Abstand am wenigsten Berührungsängste. Mit 69 Prozent nutzen sieben von zehn Befragten bereits FinTech-Produkte. Auf China folgen Indien (52 Prozent), Grossbritannien (42 Prozent) und Brasilien (40 Prozent). Am unteren Ende der Skala finden sich hoch entwickelte Volkswirtschaften wie Belgien/Luxemburg (13 Prozent), Japan (14 Prozent) und Kanada (18 Prozent).

Die überdurchschnittlich hohe Akzeptanz von FinTechs in den aufstrebenden Schwellen­ländern erklärt sich Bernhard Schneider mit dem raschen Heranwachsen einer Mittelschicht mit steigenden Einkommen: «In diesen Ländern kommen neueste Technologien zum Einsatz, ohne dass dabei auf eine bestehende Infrastruktur aufgebaut werden muss. Dies erleichtert die Entwicklung von innovativen und kundenzentrierten Angeboten von Grund auf. Zudem ist der Zugang zu Finanz- und anderen Dienstleistungen traditionell weniger gut ausgebaut als in den hoch entwickelten Industrienationen. Dazu ist die Bevölkerung jung und internetaffin und kann durch Onlineangebote nun einfach als Kundengruppe erschlossen werden. Immer günstiger werdende Smartphones und Internetzugänge fördern die Nutzung von Internetservices weiter. Das macht diese Märkte zu idealen Zielen für FinTech-Anbieter, auch aus der Schweiz.»

Jüngere und Gutverdiener haben grosses Interesse an FinTech-Produkten
Global gesehen sind die Nutzer von FinTech-Angeboten in der Regel jung, gut ausgebildet und gut verdienend. Sie arbeiten in urbanen Zentren und sind neuen Trends gegenüber sehr aufgeschlossen. Für die Finanzdienstleistungsbranche sind die FinTech-Kunden deshalb eine besonders interessante Zielgruppe. In der Schweiz werden FinTech-Anwendungen quer durch die Bevölkerungsschichten genutzt, während ihr Einsatz einzig bei den über 75-Jährigen und bei Einkommen von über 150’000 Schweizer Franken klar geringer ausfällt.

Olaf Toepfer, Managing Partner Banking & Capital Markets bei EY Schweiz, sieht mit der Studie seine bestehenden Beobachtungen bestätigt: «Die etablierten Finanzinstitute in der Schweiz müssen künftig noch mehr Anstrengungen darauf verwenden, ihre Kunden mit einfach zugänglichen, kostengünstigen und zeitsparenden FinTech-Lösungen an sich zu binden. Die Konkurrenz wird zunehmen, je mehr sich FinTech-Angebote im täglichen Leben der Menschen etablieren. Die Unternehmen, die bereits mit entsprechenden Angeboten auf dem Markt sind und ihre Geschäftsmodelle kontinuierlich infrage stellen, haben klare Wettbewerbsvorteile. Zugleich zeigt unsere Erfahrung, dass der persönliche Kontakt zwischen Kunde und Bank oder Versicherung auch weiterhin als ein wesentliches Element der Vertrauensbildung verankert bleiben muss. Die Verknüpfung personalisierter digitaler Zugänge mit persönlichen Kontaktpunkten wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.» (EY/mc)

Über die Studie
Die 2015 für sieben Länder durchgeführte Studie ist 2017 auf 20 Märkte mit insgesamt 22’000 Teilnehmenden ausgeweitet worden. Vergleiche zwischen den beiden Studien sind wegen methodologischen Fortschritten nur beschränkt möglich. In der Schweiz nahmen gut 1’000 repräsentativ ausgewählte Personen an der länderspezifischen Onlinebefragung teil. Den Befragten wurden die einzelnen Kategorien von FinTech-Dienstleistungen beschrieben und Namen von Firmen und Diensten genannt. Als aktive Nutzer bezeichnet die Studie Menschen, die in den vergangenen sechs Monaten mindestens zwei verschiedene FinTech-Dienste genutzt haben. Die 20 Länder (bzw. Märkte) sind Australien, Belgien/Luxemburg, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Hongkong, Indien, Irland, Japan, Kanada, Mexiko, Niederlande, Singapur, Südafrika, Südkorea, Spanien, die Schweiz und die USA.

Über die globale EY-Organisation
Die globale EY-Organisation ist eine Marktführerin in der Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Transaktionsberatung und Rechtsberatung sowie in den Advisory Services. Wir fördern mit unserer Erfahrung, unserem Wissen und unseren Dienstleistungen weltweit die Zuversicht und die Vertrauensbildung in die Finanzmärkte und die Volkswirtschaften. Für diese Herausforderung sind wir dank gut ausgebildeter Mitarbeitender, starker Teams sowie ausgezeichneter Dienstleistungen und Kundenbeziehungen bestens gerüstet. Building a better working world: Unser globales Versprechen ist es, gewinnbringend den Fortschritt voranzutreiben – für unsere Mitarbeitenden, unsere Kunden und die Gesellschaft.

Die globale EY-Organisation besteht aus den Mitgliedsunternehmen von Ernst & Young Global Limited (EYG). Jedes EYG-Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen. Ernst & Young Global Limited ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht und erbringt keine Leistungen für Kunden.

Die EY-Organisation ist in der Schweiz durch die Ernst & Young AG, Basel, an zehn Standorten sowie in Liechtenstein durch die Ernst & Young AG, Vaduz, vertreten. «EY» und «wir» beziehen sich in dieser Publikation auf die Ernst & Young AG, Basel, ein Mitgliedsunternehmen von Ernst & Young Global Limited.

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