EZB: Geldmengen-Wachstum legt deutlich zu

Europäische Zentralbank EZB

Frankfurt am Main – Die riesigen Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) kommen immer noch nicht in der Realwirtschaft an. Im März sank die Kreditvergabe an den privaten Sektor um weitere sieben Milliarden Euro, wie die EZB am Montag in Frankfurt mitteilte. Es war bereits der zweite Rückgang in Folge. Im Februar war das Kreditvolumen um elf Milliarden Euro gesunken, nachdem sich zu Jahresbeginn eine Stabilisierung angedeutet hatte.

Experten werteten die neuen Zahlen als Beleg für ein anhaltend verhaltenes Kreditangebot, bei einer konjunkturell bedingt sehr schwachen Nachfrage.

Kreditklemme verhindern
«Der EZB können die Daten natürlich nicht gefallen, ist es doch ihr erklärtes Ziel, mit den Geldspritzen eine Kreditklemme zu verhindern», kommentierte Commerzbank-Experte Michael Schubert. Zugleich unterstrich der Experte, dass vor allem die sehr schwache Konjunktur im Süden Europas für den abermaligen Kreditrückgang verantwortlich sein dürfte. «Darüber hinaus sorgen die Vorgaben der europäischen Bankenaufsicht EBA dafür, dass sich die Institute beim Kreditangebot zurückhalten.» Experten verweisen seit längerem darauf, dass strengere Eigenkapitalvorschriften – so sinnvoll sie zur Vermeidung künftiger Krisen auch sein mögen – die Banken kurzfristig davon abhalten, ihre Kreditvergabe nennenswert auszuweiten.

Verbraucherkredite  steigen
Im Monatsvergleich fiel das Bild differenziert aus: Während etwa die Kreditvergabe an Unternehmen um weitere fünf Milliarden Euro zurückging, stützten die Verbraucherkredite die Entwicklung. Sie stiegen von Februar auf März um sechs Milliarden Euro. In der Jahresbetrachtung blieb die Entwicklung schwach. So wuchs das gesamte Kreditvolumen im März um 0,6 Prozent zum Vorjahr, nach einem bereits sehr moderaten Zuwachs von 0,8 Prozent im Februar. Die Geldmenge M3 legte unterdessen deutlich stärker zu als im Vormonat. Sie kletterte um 3,2 Prozent, nach 2,8 Prozent im Vormonat.

Deutlich weniger Hausbaukredite 
Dass vor allem die schwache Nachfrage nach Bankkrediten für den geringen Zuwachs des Kreditvolumens verantwortlich ist, zeigen auch jüngste Umfragewerte der EZB: Nach dem «Bank Lending Survey» von vergangener Woche ist die Kreditnachfrage im ersten Quartal stark zurückgegangen. Im Unternehmensbereich fiel sie demnach um 30 Prozent, bei Hausbaukrediten gar um 43 Prozent. Bei Verbraucherkrediten fiel das Minus mit 26 Prozent etwas moderater aus. Dennoch belegen die neuen Daten, dass die Liquiditätsflut der EZB noch nicht in der Wirtschaft ankommt. Seit Dezember hat die Notenbank die europäischen Geldhäuser mit Zentralbankgeld über insgesamt eine Billion Euro versorgt. Dies geschah aus Angst vor einer Kreditklemme. Trotz des seither schwachen Kreditwachstums unterstreicht die Notenbank regelmässig, mit den Geldspritzen eine schwere Kreditkrise im Währungsraum verhindert zu haben. (awp/mc/ps)

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