EZB-Präsident Draghi dämpft Deflationssorgen

Mario Draghi
EZB-Präsident Mario Draghi. (Bild: EZB)

EZB-Präsident Mario Draghi. (Foto: EZB)

Frankfurt am Main – EZB-Präsident Mario Draghi hat Deflationssorgen im Euroraum gedämpft. Die Krise an den Finanzmärkten vieler Schwellenländer bereiten dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) hingegen Kopfzerbrechen. Die Turbulenzen könnten die Erholung der Wirtschaft in der Eurozone zurückwerfen, sagte Draghi am Donnerstag in Frankfurt.

Zuvor hatte die EZB ihren Leitzins wie von Ökonomen erwartet auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent bestätigt. Auch sonst wurden keinerlei geldpolitische Änderungen beschlossen. Draghi bekräftigte das Zinsversprechen der Notenbank (Forward Guidance). Demnach werden die Leitzinsen für längere Zeit auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau liegen. Nach wie vor sieht die EZB mehr Wachstumsrisiken als -chancen.

„Risiken der Preisentwicklung begrenzt“
Draghi erklärte vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um Deflationsgefahren, dass der Preisauftrieb im Währungsraum wohl auch in den kommenden Monaten auf dem niedrigen aktuellen Niveau verharren werde. Er betonte aber: „Sowohl nach oben als auch nach unten sind die Risiken der Preisentwicklung begrenzt.“

Im Januar war die Jahresteuerung im Euroraum auf 0,7 Prozent und damit deutlich unter den Zielwert der EZB von knapp unter 2,0 Prozent gefallen. Das hat neue Sorgen vor einer Deflation entfacht, also einer Spirale sinkender Preise, bei der Verbraucher und Unternehmen in Erwartung weiterer Rückgänge in einen Käufer- und Investitionsstreik treten. Diese Gefahr sieht Draghi derzeit nicht: „Gibt es eine Deflation? Die Antwort ist Nein.“

Anpassungen in Krisenländern dämpfen Preisauftrieb
Zum Teil sei die niedrige Inflation auch mit den Preisanpassungen in den Krisenländern verbunden, die wettbewerbsfähiger werden müssten. „Und das ist willkommen“, erklärte Draghi.

Zudem deuteten aktuelle Konjunkturdaten eher darauf hin, dass die Nachfrage anziehe statt nachzulassen.

Commerzbank erwartet weitere Lockerungen
Einige Beobachter rechnen dennoch im März mit dem nächsten Zinsschritt nach unten: Dann veröffentlichen die Währungshüter ihre neuesten Wachstums- und Inflationsprognosen. Bisher prognostiziert die EZB im laufenden Jahr eine Teuerung von 1,1 Prozent. Diese Erwartung befeuerte Draghi am Donnerstag allerdings nicht.

„Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, meint Commerzbank-Volkswirt Ralf Solveen. Angesichts des hinter den Erwartungen der EZB zurückbleibenden Preisauftriebs erwarte man im März weitere Massnahmen.

Experte: Kein akuter Handlungsdruck
„Draghi machte deutlich, dass weiterhin alle Optionen offen stehen, akuten Handlungsdruck scheint es aber nicht zu geben“, kommentierte Analyst Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen.

Der EZB-Chef habe zwar konstatiert, dass die Teuerungsrate derzeit auf niedrigem Niveau liege, der Ausblick für die Inflation sei aber ausgeglichen. „Mithin ist eine weitere Lockerung der Geldpolitik in den kommenden Monaten unseres Erachtens keine ausgemachte Sache.“

Draghi: Unterschätzen Risiken nicht
Draghi betonte, die EZB unterschätze die Risiken anhaltend niedriger Inflationsraten nicht: „Wir stehen bereit und sind gewillt zu handeln, falls nötig.“ Die Notenbank beobachte die Inflationsentwicklung sehr genau.

Der EZB-Chef bekräftigte zudem erneut die Einschätzung der Notenbank, dass die Niedrigzinsphase noch für einen längeren Zeitraum anhalten werde. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und Investitionen und kurbeln so die Wirtschaft an. Das stärkt normalerweise den Preisauftrieb.

Euro legt deutlich zu
Der Euro reagierte mit kräftigen Kursgewinnen auf die Aussagen Draghis. Die Gemeinschaftswährung kletterte um mehr als einen Cent über die Marke von 1,36 US-Dollar bis auf ein Tageshoch von 1,3619 Dollar.

Schwellenländerkrise als Gefahr für Eurozone
Die Turbulenzen an den Finanzmärkten vieler Schwellenländer bezeichnete Draghi als Risiko für die wirtschaftliche Erholung im Euroraum. Die Krise der aufstrebenden Volkswirtschaften sei jedoch ausserhalb des Einflussbereichs der EZB. Zudem habe sich die Eurozone gegenüber dem jüngsten Finanzmarktstress deutlich widerstandsfähiger gezeigt als dies noch vor einigen Monaten der Fall gewesen wäre.

Schwächere Exporte könnten die Euro-Wirtschaft nach den Worten Draghis ebenso gefährden wie mangelnde Binnennachfrage und verschleppte Strukturreformen in einigen Mitgliedsländern der Währungsunion. (awp/mc/upd/ps)

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