Fed signalisiert nach neuer «Operation Twist» weitere Lockerung

Ben Bernanke

Fed-Chairman Ben Bernanke.

Washington – Die US-Notenbank hat zur Stützung der schwächelnden Konjunktur ihre «Operation Twist» ausgeweitet und weitere Massnahmen signalisiert. Ein eigentlich bis Ende Juni befristeter Anleihen-Tausch werde bis zum Ende des Jahres fortgesetzt, teilte die Federal Reserve nach der Sitzung ihres Offenmarktausschusses (FOMC) am Mittwoch in Washington mit. Um die Wirtschaft zu unterstützen; werde man Anleihen mit einer verbleibenden Laufzeit von sechs bis dreissig Jahren kaufen und Anleihen mit einer Restlaufzeit von bis zu drei Jahren im gleichen Umfang verkaufen. Die Massnahme hat ein Volumen von 267 Milliarden US-Dollar. Das zum Monatsende auslaufende Programm hatte ein Volumen von 400 Milliarden Dollar.

US-Notenbankchef Ben Bernanke machte auf eine Pressekonferenz zudem klar, dass die Fed angesichts der eingetrübten US-Konjunkturaussichten in Europa zu einer erneuten quantitativen Lockerung (QE3) bereit sei. «Wir sind – falls notwendig – bereit zu handeln und denken auch über erneute Anleihenkäufe nach», sagte Bernanke nach der Sitzung des Offenmarktausschusses in Washington. «Wir haben noch weitere Munition.» Vor allem die zuletzt sich verschlechterte Lage in Europa belaste die Konjunkturaussichten in den USA. Die nun beschlossene Verlängerung des Anleihentauschprogramms «Operation Twist» sei bereits ein «substanzieller Schritt» gewesen, sagte Bernanke.

Langfristige Zinsen sollen gedrückt werden
Die Fed will mit dem Tauschprogramm Abwärtsdruck auf die langfristigen Zinsen ausüben und so für günstigere Finanzmarktbedingungen sorgen. Geld aus auslaufenden Anleihen werde sie wie bisher reinvestieren. Anders als bei der zweimaligen «Quantitativen Lockerung» (Quantitative Easing), die von 2008 bis Juli vergangenen Jahres lief, pumpt die Fed bei der «Operation Twist» kein neues Geld ins System. Mit Jeffrey M. Lacker lehnte ein Mitglied des FOMC die Ausweitung des Anleihentauschprogramms ab.

Mögliche neue geldpolitische Massnahmen der US-Notenbank sind laut Bernanke von der Entwicklung in Europa abhängig. Die Fed hatte am Mittwoch auch die Konjunkturprognosen zurückgenommen. «Einige Länder der Eurozone sind bereits in eine Rezession gerutscht. Dies belastet auch den Handel mit den USA», sagte Bernanke. Er sei aber hoffnungsvoll, dass Europa die richten Schritte zur Stabilisierung von Staaten und Banken ergreifen werde. Er habe intensiven Kontakt zu den Verantwortlichen in Europa.

Sind auf Verschlechterung in Europa vorbereitet
Auf eine erneute Verschlechterung der Lage in Europa sei man aber vorbereitet, sagte Bernanke. Die US-Notenbank habe noch genügend Raum, um die Wirtschaft weiter zu stützen. Man sei auch bei einem Leitzins nahe Null nicht ohne Instrumente und könne die Zinsen an den Märkten durchaus weiter drücken. Neben der schwierigen Lage in Europa belaste aber auch die schwächer wachsende Weltwirtschaft die US-Konjunktur.

Zur wirtschaftlichen Entwicklung äusserte sich die US-Notenbank skeptischer als noch im April. Zudem senkte sie ihre Wachstumsprognosen im Vergleich zum April merklich. Das Beschäftigungswachstum habe sich in den vergangenen Monaten abgeschwächt, und die Arbeitslosigkeit bleibe auf einen hohen Niveau. Im April hatte sie noch von verbesserten Bedingungen am Arbeitsmarkt gesprochen. Die Wirtschaft wachse derzeit «moderat». Das verhaltene Wachstum dürfte sich in den kommenden Monaten fortsetzen, um sich dann etwas zu beschleunigen. Die Spannungen an den Finanzmärkten seien ein «bedeutendes Abwärtsrisiko» für den wirtschaftlichen Ausblick. Die Inflation sei zuletzt vor allem wegen gesunkenen Öl und Benzinpreisen zurückgegangen. Die langfristigen Inflationsaussichten seien jedoch stabil.

Leitzins auf «aussergeöhnlich niedrigem Niveau»
Zudem bestätigte die US-Notenbank ihr Versprechen, ihren Leitzins bis Ende 2014 auf dem derzeit «aussergewöhnlich niedrigen Niveau» zu belassen. Der Zielsatz für Tagesgeld (Fed Funds Rate) verharrt daher in einer Spanne von null bis 0,25 Prozent. Volkswirte hatten einhellig mit dieser Entscheidung gerechnet. Damit liegt der Leitzins bereits seit dreieinhalb Jahren auf diesem Rekordtief.

Die Aktienmärkte reagierten zuerst mit Verlusten auf die Meldungen, erholten sich dann jedoch rasch wieder. Die Entscheidungen der Fed hatten somit keine nachhaltigen Auswirkungen auf die Aktienmärkte. Der Eurokurs fiel zwischenzeitlich deutlich unter die Marke von 1,27 US-Dollar. Zuletzt erholte er sich aber wieder. (awp/mc/pg/upd/ps)

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