Fisch Asset Management: Einsteigen oder umschichten? Beides – mit Wandelanleihen

Ute Heyward
Ute Heyward, Senior Portfolio Managerin bei Fisch Asset Management. (Foto: zvg)

Von Ute Heyward, Senior Portfolio Manager bei Fisch Asset Management

„Das Jahr 2022 stellte die Nerven der Anleger bis jetzt auf eine harte Probe. Und wie immer nach einer deutlichen Korrektur beschäftigen sie die gleichen Fragen: Ist der Kursrutsch vorbei? Jetzt einsteigen, um von der Erholung zu profitieren? Diesmal sind jedoch Aktienanleger nicht allein mit diesen Fragen, denn die Anleihenmärkte haben ebenfalls auf breiter Front stark korrigiert. Im Vergleich zu den Korrekturen der letzten Jahre ist allerdings das konjunkturelle Umfeld nun deutlich unklarer. Es gibt einige negative Szenarien, darunter Rezession und Stagflation, deren Eintrittswahrscheinlichkeit zumindest nicht vernachlässigbar ist. Dies erschwert die Entscheidungsfindung hinsichtlich sowohl taktischer als auch strategischer Asset Allokation deutlich.

Mit Wandelanleihen gibt es ein Instrument, das prädestiniert ist für genau ein solches Umfeld, da sie über ein sogenanntes ‚automatisches Timing‘ verfügen. Investoren sind damit sowohl bei steigenden als auch fallenden Aktienmärkten automatisch richtig positioniert, ohne aktiv ihre Aktienallokation erhöhen oder reduzieren zu müssen. Denn Wandelanleihen partizipieren einerseits an der Kursteigerung der zugrundeliegenden Aktie. Andererseits reagieren sie nur relativ gedämpft auf Kursverluste. Wandelanleihen bieten damit ein asymmetrisches Renditeprofil, das im ‚Sweet Spot‘ der Aktiensensitivität besonders ausgeprägt ist, also bei einem sogenannten konvexen beziehungsweise ausgewogenen Profil.

Je nach Markteinschätzung kann der Anleger auch in besonders aktiensensitive oder andererseits in anleihenähnliche Papiere investieren, um so gezielt stärker von potenziellen Kursgewinnen zu profitieren oder sich eher defensiv zu positionieren. Dabei reagieren Wandelanleihen sehr dynamisch auf das Marktumfeld und bewegen sich hinsichtlich der Aktiensensitivität zügig von einem Bereich in den anderen. Beispielsweise konnten sie nach den starken Aktienmarktverlusten während der Covid-Krise wieder schnell vom Turnaround profitieren und ihre Verluste innerhalb sehr kurzer Zeit und bedeutend schneller als Aktien ausgleichen und anschliessend weiter zulegen. Nach den heftigen Marktverwerfungen bisher in diesem Jahr hat sich die durchschnittliche Aktiensensitivität des breiten Wandelanleihenuniversums von rund 55% vor zwölf Monaten auf mittlerweile etwa 34% stark reduziert. Damit bewegen sich sehr viele Titel wieder im genannten ausgewogenen Bereich und bieten in dieser Hinsicht ein besonders positives Chancen-Risiko-Profil.

Wandelanleihen bieten also sehr spezifische Vorteile – nun stellt sich die entscheidende Frage: Wie sieht es mit der Performance aus? Erfreulicherweise langfristig sehr gut, gemessen am Refinitiv Global Vanilla Wandelanleihenindex, der mit rund 560 Titeln ein liquides, globales Universum abdeckt. Seit dessen Verfügbarkeit ab 1994 liegen Aktien (gemessen am MSCI World) und Wandelanleihen mit 7,4% gegenüber 7,3% pro Jahr nahezu gleichauf. Dabei zeigten Wandelanleihen mit 10,0% p.a. allerdings eine deutlich niedrigere Volatilität als Aktien mit 14,9% (jeweils per 31. Mai 2022). Kurzfristig hingegen, also für 2022, konnten Wandelanleihen ihre Vorteile mit ähnlichen Verlusten wie die breiten Indizes auf den ersten Blick nicht ausspielen. Grund hierfür ist das Growth-Segment, das im Wandelanleihenuniversum stark vertreten ist, und im Zuge der Verkaufswelle deutlich stärkere Verluste als Blue-Chips anderer Branchen erlitt. Ein Vergleich mit dem US-Technologieindex Nasdaq (-31%) oder dem Russell 2000 Growth (-32,8%) bis Mitte Juni fällt hingegen vorteilhaft aus, da die oben genannten Charakteristika lehrbuchmässig funktioniert haben. Im Vergleich verlor der Refinitiv Global Vanilla 19% (MSCI World -22,6%).

Trotz deutlicher Sektorneigung in Richtung Growth hält der Wandelanleihenmarkt eine grosse Bandbreite an Unternehmen jeglicher Branchen bereit. Insbesondere seit der Pandemie haben viele Firmen die Vorteile dieser Finanzierungsmöglichkeit neu entdeckt, als andere Finanzierungskanäle versperrt oder zu teuer waren. Grundsätzlich bieten Wandelanleihen für Anleger mit Interesse an zukunftsträchtigen Segmenten wie Digitalisierung (darunter Cybersicherheit), Elektromobilität und alternativer Energieerzeugung viel Auswahl. Darunter sind Unternehmen, die keine anderweitigen Anleihen begeben haben. Hier sind Wandelanleihen die einzige Investitionsmöglichkeit, wenn Direktinvestitionen in Aktien keine Option sind.

Aufgrund des ausgesprochen unsicheren Markt- und Konjunkturumfelds legen wir bei der Portfoliokonstruktion den Fokus auf Qualität. Unternehmen mit soliden Geschäftsmodellen und Preissetzungsmacht sollten im Falle einer Verschlechterung des Umfelds oder hartnäckiger Inflation Stabilität bieten. Dazu zählen auch Firmen, die von der zunehmenden Digitalisierung profitieren, und deren Lieferketten nicht von den gegenwärtigen Problemen in China sowie den Auswirkungen des Ukrainekriegs betroffen sind. Dagegen meiden wir Firmen, die negativ auf steigende Zinsen reagieren, zum Beispiel aus dem Immobiliensektor sowie teuer bewertete und unrentable Wachstumsunternehmen.“

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