Gefährliche Meinungsunterschiede der Zentralbanken

Paul Brain

Paul Brain, Manager des BNY Mellon Global Bond Fund und Leiter Fixed Income bei Newton, einer spezialisierten Boutique von BNY Mellon Asset Management

Zürich – Paul Brain, Manager des BNY Mellon Global Bond Fund, sieht eine Gefahr in diversen Meinungsdifferenzen, die sich zurzeit auf den Obligationenmärkten entwickeln. Kritisch sei vor allem, dass die Fed und die EZB für die nächsten sechs Monate eine unterschiedliche Zinspolitik verfolgen wollen.

Auf den Obligationenmärkten entwickeln sich zurzeit Meinungsdifferenzen. Nach dem signifikanten Rückgang der US-Obligationenrenditen im letzten Quartal 2010, gehen manche Investoren davon aus, dass diese nun wieder wesentlich ansteigen werden, während andere keine Änderungen erwarten. Momentan müssen bei der Bewertung der Obligationenmärkte zwei Schlüsselthemen berücksichtigt werden. Zum einen die Einmischung der Federal Reserve (Fed) in diese Märkte und zum anderen die Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Erholung, vor allem auch angesichts des höheren Ölpreises.

Fed und EZB verfolgen unterschiedliche Zinspolitik
Sorgen bereitet vor allem auch die Meinungsdifferenz zwischen der Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB). Die beiden Zentralbanken scheinen für die nächsten sechs Monate eine unterschiedliche Zinspolitik verfolgen zu wollen. Die Geschichte hat uns gelehrt, dass solche Meinungsverschiedenheiten für die Märkte und einzelne Währungen problematisch werden können. Die Schwäche des US-Dollars hält nun schon einige Zeit lang an und die Eurozone kämpft weiterhin mit den Problemen ihrer Peripherie-Länder. Sollten diese Probleme allerdings gelöst werden, dürfte sich der Euro gegenüber dem US-Dollar weiter erholen.

Yen als Hauptwährung für Devisenhandel – oder nicht?
Aufgrund der Katastrophe in Japan lässt sich ausserdem vermuten, dass die japanische Geld- und Fiskalpolitik in nächster Zukunft sehr locker bleiben wird. Manche Investoren glauben, dass der Yen die Hauptwährung für den Devisenhandel (durch den Verkauf von Yen und den anschliessenden Kauf anderer Währungen mit attraktiveren Zinsraten) werden könnte. Andere sind hingegen der Meinung, dass die Rückführung des japanischen Auslandsvermögens diesem Trend entgegenwirken wird. Wenn Meinungen so stark auseinander klaffen, kann das rasch in Volatilität enden und unangenehme Folgen nach sich ziehen. Wir glauben, dass die Repatriierung kurzfristig hilft, aber die tiefere Kreditqualität und die hohen Produktionsausfälle sind längerfristig negativ.

Defensive Position auf Obligationenmärkte ratsam
Eine defensive Position auf den Obligationenmärkten und die Reduktion der momentanen Untergewichtung auf Yen und Euro sind angemessen, solange in den Krisengebieten Nordafrika, dem Mittleren Osten und Japan weiterhin Unsicherheit herrscht. Sollte das Wirtschaftswachstum allerdings den Punkt erreichen, an dem die Geldpolitik der Industrienationen wieder angezogen wird, worauf Staatsobligationen unter Druck geraten würden, sollte eine andere Strategie gewählt werden. Dieses Szenario scheint jedoch bis auf weiteres aufgeschoben. (bny/at/ah)

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