US-Notenbank setzt expansive Geldpolitik fort

Ben Bernanke

Fed-Chef Ben Bernanke.

Washington – Nach den zuletzt eher enttäuschend ausgefallenen Konjunkturdaten setzt die US-Notenbank Fed ihre expansive Geldpolitik wie bisher fort. Um das US-Wachstum anzukurbeln, werden weiterhin pro Monat Anleihen im Volumen von 85 Milliarden US-Dollar aufgekauft, teilte der geldpolitische Ausschuss (FOMC) am Mittwoch im Anschluss an seine zweitägige Sitzung in Washington mit. Man sei jedoch bereit, die Anleihekäufe zu erhöhen oder zu vermindern, falls sich der Ausblick für den Arbeitsmarkt oder die Inflationsentwicklung verändere.

Seit der letzten Sitzung im März sei die Wirtschaft mit einem «moderatem» Tempo gewachsen, hiess es im Kommentar. Die Arbeitsmarktbedingungen hätten sich in den letzten Monaten etwas verbessert. Die Arbeitslosenquote bleibe aber hoch. Der Leitzins bleibt weiter in der Spanne von null bis 0,25 Prozent. Er soll solange «aussergewöhnlich niedrig» bleiben, bis die Arbeitslosenquote unter die Marke von 6,5 Prozent sinkt. Im März hatte sie bei 7,6 Prozent gelegen.

Enttäuschung über Arbeitsmarktbericht – Verbesserungen am Häusermarkt
Der Arbeitsmarktbericht im März war von den Märkten mit Enttäuschung aufgenommen worden. Das Fed orientiert ihre Geldpolitik stark am Arbeitsmarkt. Verbesserungen sieht die Notenbank am Häusermarkt. Die Ausgaben der privaten Haushalte und die Investitionen der Unternehmen hätten zugelegt. Belastet werde die Wirtschaft jedoch durch die Fiskalpolitik. Zu Jahresbeginn waren eine Reihe von Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen in Kraft getreten.

Ausgewogenere Diskussion um Anleihekaufprogramm
Die Aussage, dass man bei den Anleihekäufen für eine Reduzierung und eine Ausweitung offen ist, deutet laut Harm Bandholz von UniCredit darauf hin, dass die Diskussion im FOMC ausgewogener als noch beim letzten Mal gewesen sei. Zuletzt hatten sich laut Sitzungsprotokoll der Fed mehrere Mitglieder für eine Rückführung oder gar eine Beendigung des Programms im weiteren Jahresverlauf ausgesprochen.

Ausweithung der Anleihekäufe wahrscheinlicher als eine Reduktion
Die zuletzt veröffentlichten und eher enttäuschend ausgefallenen Konjunkturdaten hätten den geldpolitischen Tauben jedoch Munition geliefert, schreibt Bandholz. Die jüngsten Konjunkturdaten erlauben nach Einschätzung der Experten der Bank of America eine Verringerung der Anleihekäufe erst nach der Fed-Sitzung im März 2014. Daher sei künftig eine Ausweitung der Käufe für wahrscheinlicher als eine Reduktion. Auch die Inflationsrate war zuletzt merklich gesunken. So hatte die Kerninflationsrate im Februar mit 1,3 Prozent niedriger als noch vor einem Jahr gelegen, als sie 1,9 Prozent betragen hatte.

Erneut stimmet Esther George von der regionalen Notenbank von Kansas gegen die Entscheidungen. Sie sei besorgt, dass die expansive Geldpolitik zu künftigen wirtschaftlichen und finanziellen Ungleichgewichten führen könne. Sie befürchtet einen langfristigen Anstieg der Inflationserwartungen. Erst das am 22. Mai anstehende Sitzungsprotokoll wird Auskunft darüber geben, wie die anderen Mitglieder des geldpolitischen Ausschuss zum derzeitigen Expansionsgrad der Geldpolitik stehen. (awp/mc/pg)

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