GRIMALDI & PARTNERS: Europa hinkt hintennach. Ist eine Renaissance europäischer Aktien in naher Zukunft zu erwarten?

GRIMALDI & PARTNERS: Europa hinkt hintennach. Ist eine Renaissance europäischer Aktien in naher Zukunft zu erwarten?

GRIMALDI & PARTNERS: Europa hinkt hintennach. Ist eine Renaissance europäischer Aktien in naher Zukunft zu erwarten?
Silvano Grimaldi, GRIMALDI & PARTNERS AG, Zürich.

Zürich – Während die US-Aktienmärkte bereits seit 2013 neue Rekordstände markiert hatten, haben die europäischen Aktienbarometer teils noch nicht die Allzeithöchststände übertroffen, wie der Eurostoxx 50 und der SMI. Auch der deutsche Aktienindex DAX hat bis 2017 gebraucht, um das bisherige Allzeithoch zu überbieten. Warum hinken die hiesigen Aktienmärkte den amerikanischen hintennach? Ist diese relative Schwäche zum US-Aktienmarkt chronisch oder kann sie bald vorbei sein? Silvano Grimaldi, CEO der unabhängigen und neutralen Schweizer Vermögensverwaltung GRIMALDI & PARTNERS AG, gibt Antwort zu diesem Thema.

Die Underperformance der europäischen Börsen hat verschiedene Ursachen:

Politische Probleme
Lange haben die europäischen Börsen unter den politischen Kapriolen, ja, Instabilitäten gelitten. Zuerst einmal wegen des griechischen Schuldenbergs, dann durch das Ausscheiden der sonst eher narzisstischen, selbstbezogenen Engländer aus der EU (Brexit), und vergangenes Jahr wurde mit den französischen Wahlen die Gefahr einer Machtübernahme durch die „extrême droite“ abgewendet. Die deutschen und italienischen Wahlen sind auch nicht glimpflich über die Bühne gegangen, wenn auch die Rechtsextreme keine reelle Chance zum Regieren bekommen hat. Die „Kraft des Guten“ hat Europa einmal mehr vor grossen politischen Umwälzungen verschont.

Eurostärke
Seit Mai 2018 hat sich der Euro gegenüber dem Dollar, wie auch gemessen an den Währungen der wichtigsten Handelspartner der Eurozone, um 15% bzw. 8% verteuert. Und weil die europäische Wirtschaft in hohem Mass exportorientiert ist, verschlechtert eine Aufwertung des Euro die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen, das heisst, die EU-Produkte verteuern sich währungsbedingt und damit werden sie im Ausland weniger nachgefragt.

Unbedeutender Technologie-Sektor in Europa
Der Technologie-Sektor ist seit mehreren Monaten weltweit der performancestärkste Sektor überhaupt und hat Zuwächse von über 50% seit 2017 erzielt. Allerdings ist die Technologie-Branche in Europa an der Gesamtmarktkapitalisierung mit um die 10% stark untervertreten. In Europa wiegen der traditionelle Industriesektor und die Finanzbranche viel stärker. Diese Sektoren haben jedoch nicht so brilliert wie die Technologie seit dem Ende der grossen Finanzkrise 2007-2009.

Zwischenfazit:
Alles in allem wurden die Unternehmensgewinne hiesiger Unternehmenskonzerne etwas gebremst von den oben genannten Faktoren. Allerdings könnte sich das Blatt zugunsten des europäischen Aktienmarktes bald wenden, denn einiges spricht dafür, dass sich die Aussichten demnächst verbessern werden.

Was könnte den europäischen Aktienmärkten zu einer relativen Stärke gegenüber den globalen Börsen verhelfen?

Politische Risiken haben deutlich nachgelassen
Mit der Wahl Emmanuel Macrons zum Staatsoberhaupt Frankreichs wie auch nach den Wahlresultaten der letzten zwei Jahre sind die politischen Risiken in Europa deutlich in den Hintergrund getreten.

Abschwächung des Euro
Der Höhenflug des Euro dürfte mal eine Pause einlegen. Zudem kann die positive Zinsdifferenz von US-Staatsanleihen den Dollar zulasten des Euro zu neuer Stärke verhelfen.

Gegenbewegung im IT-Sektor
Ebenfalls dürfte der lange Aufstieg des US-IT-Sektors in den kommenden Monaten pausieren, sodass die traditionellen Sektoren wie die Industrie in den kommenden Monaten besser abscheiden dürften.

Deutliche Verbesserung der europäischen Konjunktur sowie steigende Unternehmensgewinne
Europäische Aktien wurden von internationalen Anlegern lange gemieden. Doch im vergangenen und in diesem Jahr hat uns die europäische Konjunktur positiv überrascht. Trotzdem ist die Politik der EZB sehr grosszügig geblieben. Schliesslich, gemäss Schätzungen unabhängiger Analysten, werden die Gewinne in der Eurozone in den kommenden zwölf Monaten um etwa 8% steigen. Das ist mehr, als die Mehrheit der Analysten erwartet hatte, und sollte die Attraktivität europäischer Aktien erhöhen.

Fazit:
Flaut auch der Gegenwind in Europa ab, könnte das Leiden der europäischen Aktienmärkte bald ein Ende haben. (Grimaldi & Partners/mc)

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