HSBC will erneut bis zu 25’000 Stellen streichen

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London – Europas grösste Bank HSBC forciert ihren ohnehin schon harten Sparkurs und Radikalumbau. Der seit 2011 an der Spitze der Bank stehende Stuart Gulliver setzt noch einmal die Axt an und will bis zu 25 000 weitere Stellen streichen. Nach den jüngsten Sparrunden hatte die Bank, die noch in London beheimatet ist, aber mit einer Rückkehr zu ihren asiatischen Wurzeln liebäugelt, zuletzt noch rund 258 000 Arbeitsplätze.

Zudem zieht sich das in den vergangenen Jahren von vielen Skandalen gebeutelte Institut aus der Türkei und weitestgehend aus Brasilien zurück. Damit soll die Zahl der Stellen im Konzern um weitere 25 000 sinken. Der seit Jahren anhaltende Schrumpf- und Sparkurs wird mit diesen Schritten deutlich verschärft. Bis Ende 2017 will die Bank nur noch etwas mehr als 200 000 Stellen haben – das wäre rund ein Drittel weniger als noch zehn Jahre zuvor.

Gulliver hatte kurz nach seinem Amtsantritt einen umfangreichen Umbau der Bank angekündigt und Wort gehalten. In den vergangenen Jahren wurden 78 nicht rentable und zum Teil sehr kleine Sparten verkauft. Zudem reduzierte die Bank die Zahl der Länder, in denen sie aktiv ist, um 15 auf 73.

Umbaupläne überzeugen Börsianer nicht
Deutlich eingedampft werden soll jetzt vor allem das Investmentbanking. Das ohnehin bereits dominierende Geschäft in Asien will Gulliver hingegen weiter stärken. Am Ende des am Dienstag verkündeten Weges soll im Jahr 2017 eine deutlich kleinere Bank mit einer höheren Profitabilität stehen. Die Rendite auf das eingesetzt Eigenkapital soll wieder auf mehr als zehn Prozent steigen. Zuletzt betrug sie gerade mal 7,3 Prozent.

An der Börse wurden die Pläne mit Skepsis aufgenommen. Die Aktie, die sich zuletzt bereits schwach entwickelt hatte, gehörte in London zu den grössten Verlierern. Das Papier gab bis zum frühen Nachmittag rund ein Prozent nach und war damit einer der stärksten Verlierer im FTSE 100. Händler monierten vor allem das ihrer Einschätzung nach maue Renditeziel. Grundsätzlich gehe der Umbau aber in die richtige Richtung – es brauche allerdings Zeit, einen solch grossen Tanker umzusteuern.

Mehr Geld für „Front Office“, weniger für „Back Office“
Bis Ende 2017 will HSBC nun 4,5 bis 5 Milliarden Dollar einsparen, um die Aufwendungen trotz der zu erwartenden Preissteigerungen, der Finanzierung von Wachstum und der Kosten des Stellenabbaus bei 32 Milliarden Dollar stabil zu halten. Die Bank hatte die Kosten in den vergangenen Jahren bereits um knapp sechs Milliarden Dollar gedrückt. Künftig soll mehr Geld in den Vertrieb und Kundenbetreuung (Front Office) gehen, die Einsparungen treffen vor allem die Abwicklung, IT und Verwaltung (Back Office)

Zudem soll die Zahl der Filialen um mehr als zehn Prozent sinken, die bestehenden Zweigstellen sollen kleiner werden. Es gebe keine heiligen Kühe, sagte der 56-jährige Gulliver. „Wir haben erkannt, dass sich die Welt verändert hat und dass wir uns mit ihr verändern müssen. Die Welt ist zunehmend vernetzt, von Asien wird starkes Wachstum erwartet.“ Im Laufe des nächsten Jahrzehnts könne der Kontinent Zentrum des globalen Handels werden.

Entscheidung über Firmensitz bis Ende Jahr
Zu den Plänen passt, dass die HSBC bald auch formell nicht mehr europäisch sein könnte: Das derzeit in London beheimatete Institut will bis Ende des Jahres entscheiden, ob es aus Grossbritannien wegzieht und wieder in Asien heimisch wird. Die Bank wurde 1865 in Hongkong gegründet und musste 1992 nach der Übernahme der britischen Midland Bank nach London umziehen. Die britische Hauptstadt war zu dem Zeitpunkt und in den vergangenen Jahrzehnten für Banken aber auch wegen der sehr lockeren Vorschriften sehr beliebt.

Nach der Finanzkrise hat sich dies grundlegend geändert, so dass die HSBC wie etwa auch die Standard Chartered zuletzt immer der Regierung immer wieder mit einem Wegzug gedroht hat. Neben der Bankenabgabe liegt der für Grossbritannien so wichtigen Finanzbranche die künftige geplante Trennung der Investmentbank und Kundengeschäft im Magen. Verschärft wurde die Lage in jüngster Zeit durch den möglichen EU-Austritt Grossbritanniens.

Die HSBC machte keine Angaben über einen möglichen neuen Sitz. Es liegt aber auf der Hand, dass es Hongkong oder Shanghai oder vielleicht beide gemeinsam werden könnten. Asien ist bereits jetzt die wichtigste Region der Bank, deren Namen zudem eine Abkürzung der früheren Bezeichnung Hongkong and Shanghai Banking Corporation ist.

Schlussstrich unter die Vergangenheit ziehen
Gulliver will mit dem forcierten Umbau der Bank auch die Schatten der Vergangenheit loswerden. In den vergangenen Jahren hatte die HSBC zwar regelmässig hohe Gewinne erwirtschaftet, war aber auch in die meisten Skandale der Branche verwickelt. So hatte die Bank für die unzureichende Kontrolle bei der Geldwäsche von Terroristen und Drogenhändlern eine Strafe von 1,9 Milliarden Dollar bezahlt.

Zudem war die Bank an den beiden grössten Branchen-Sünden der jüngeren Vergangenheit – der Manipulation von Referenzzinsen und Devisenkursen – beteiligt und steht wegen der Beihilfe zur Steuerhinterziehung im Fokus. Dazu kamen in Grossbritannien Entschädigungszahlungen in Milliardenhöhe für den Verkauf von überflüssigen Restschuldversicherungen. (awp/mc/pg)

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