Hypotheken-Selbstregulierung: Zwist zwischen Banken und Aufsicht

Patrick Odier

SBVg-Präsident Patrick Odier.

Zürich – Zwischen den Schweizer Banken und der Aufsicht herrscht dicke Luft: Die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) fühlt sich von der Finma und der Nationalbank ungebührlich unter Druck gesetzt, die Selbstregulierung im Hypothekengeschäft zu verschärfen.

Die Banken seien bereit, über die Selbstregulierung zu diskutieren, um den Gefahren am Immobilienmarkt entgegenzuwirken, sagte SBVg-Direktor Claude-Alain Margelisch am Donnerstag im Gespräch mit Journalisten in Zürich. Die Regulatoren verlangten aber eine Änderung der Selbstregulierung und übten dabei auch Druck aus.

„Damit sind wir aber nicht mehr einverstanden“, sagte Margelisch. Nachdem sich die Situation so entwickelt habe, habe die SBVg die Arbeiten gestoppt. Dies sei schon vor einiger Zeit geschehen. Man sei nicht mehr bereit, die Selbstregulierung einfach so und unter Druck zu verschärfen.

Gespräche auf Eis
Nach Angaben der Finma dreht sich der Konflikt um die Forderung der Regulatoren an die Banken, bezüglich der Tragbarkeit von Hypotheken zusätzliche Massnahmen zu ergreifen. Die Gespräche diesbezüglich lägen derzeit auf Eis. Mit der Nationalbank und dem Eidg. Finanzdepartement spreche man das weitere Vorgehen ab.

Die Regulatoren warnen wegen der stark wachsenden Hypothekenvergaben der Banken vor einer Immobilienblase. Mittels des antizyklischen Kapitalpuffers verlangt der Bundesrat von den Banken zusätzliche Mittel, um Krisen am Wohnfinanzierungsmarkt vorzubeugen. Finma-Präsidentin Anne Héritier Lachat am vergangenen Wochenende in einem Interview zusätzliche Massnahmen gefordert.

Die Banken verweisen ihrerseits darauf, dass sie sich Selbstregulierungsmechanismen auferlegt hätten. Vorschläge zur Selbstregulierung zu präsentieren sei Sache der Banken, nicht der Aufsicht, sagte Claude-Alain Margelisch.

„Perverse Züge“
Vom Kantonalbankenverband (VSKB) kam an einem anderen Anlass am Donnerstag in Zürich ebenfalls Kritik an den Regulatoren. Die 24 Kantonalbanken in der Schweiz klagen allgemein über einen zu hohen Regulierungsdruck.

Die heutigen Regulierungen, die sich zum Teil einseitig am Ausland orientierten, seinen „unverhältnismässig“ und trügen geradezu „perverse“ Züge, sagte VSKB-Präsident Urs Müller. Die Auflagen bürdeten den Banken hohe Kosten auf, die sich auf auf die Kunden, namentlich kleine und mittlere Firmen, übertrügen.

Die Kantonalbanken fühlen sich seit längerem durch die strengeren Auflagen im Bankgeschäft, die sich aus ihrer Sicht zu sehr an den Grossbanken und deren internationalen Operationen ausrichten, ungerecht behandelt. Die Kantonalbanken fordern eine Regulierung, die ihren Status als vor allem im Inland tätige Banken respektiert.

SBVg-Präsident Patrick Odier dementierte daraufhin, dass es bei den Banken Differenzen zur Regulierung gebe. Dass einzelne Bankengruppen spezielle Interessen verträten, sei normal. An die Adresse der Kantonalbanken sagte er allerdings auch, dass eine strikte Trennung zwischen In- und Auslandsgeschäft nicht möglich sei. Auch viele Kantonalbanken seien in grösserem Masse international tätig. (awp/mc/ps)

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