IHAG-Kommentar: Börsen tauchen erneut – Risiken bleiben hoch

Symbolbild IHAG Privatbank

Zürich – Aktieninvestoren mussten in der letzten Woche erneut happige Verluste hinnehmen. Auslöser war ein Mix aus schlechten Konjunkturdaten und enttäuschenden Unternehmenszahlen. In den USA verfehlte der Einkaufsmanager-index des Dienst-leistungssektors die Erwartungen und liess Rezessionsängste aufkommen. Über die Woche korrigierte der S&P500 3.1%. Der technologielastige Nasdaq verlor mehr als 5%, gleichviel wie der Dax. In der Schweiz schockte die Credit Suisse mit einem happigen Verlust im 4. Quartal, was die Aktie 17% korrigieren liess. Der SMI beendete die Woche 4.3% tiefer.

Weil die US-Konjunkturzahlen mehrheitlich enttäuschten, erlebte der Euro ein Revival. Die Einheitswährung verteuerte sich gegenüber dem USD um 3%. Der EUR/CHF notierte leicht tiefer und ein Dollar kostet nun wieder weniger als einen Franken.

Staatsanleihen profitierten von der unsicheren Lage an den Börsen, womit die Renditen weiter zurückgingen. Inflation ist keine in Sicht. In den USA stehen die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen noch bei 1.85%, nach 2.27% Ende 2015.

Der Ölpreis und andere Rohstoffe konnten etwas vom schwächeren USD profitieren. So hielt sich der Ölpreis deutlich über der Marke von USD 30/bbl. Gold verteuerte sich in der letzten Woche um 3.3%. Sinkende Zinsen machen das Halten des gelben Edelmetalls wieder attraktiver.

Lage an Finanzmärkten weiterhin ungemütlich
Die Lage an den Finanzmärkten bleibt ungemütlich. Hüben wie drüben lauern Risiken und zwar sowohl von der Konjunktur als auch von den Unternehmen. Bei der Konjunktur weiss niemand wie stark China noch wächst. Darüberhinaus ist eine Kapitalflucht im Gange und die Regierung muss den Yuan stützen, was gemäss den neuesten Daten im Januar die Währungsreserven um weitere USD 100 Mrd. sinken liess. Seit dem Höchst im 2014 sind China’s Währungsreserven USD 770 Mrd. oder 20% tiefer. Klar ist, dass dies nicht nachhaltig ist. Die Lösung wird wohl ein schwächerer Yuan sein.

Aber auch in den USA gibt es Fragezeichen zur Konjunktur. Die Industrie ist schon längere Zeit am schwächeln. Nun kommt auch noch der Dienstleistungssektor unter Druck. Es stellt sich die Frage, wie weit sich der in den USA dominante Dienstleistungssektor von der Industrie entkoppeln kann. Positiv ist, dass die privaten Haushalte in einer guten Verfassung sind. Die Sparquote wurde erhöht, die Verschuldung reduziert und die Immobilienpreise sind gestiegen. Das Rezessionsrisiko erscheint nach unserem Dafürhalten immer noch klein.

Berichtsaison enttäuscht mehrheitlich
Bei den Unternehmenszahlen überwiegen die Enttäuschungen. Die Europäischen Banken sind nur ein Beispiel. Am Freitag reduzierte LinkedIn die Wachstumsprognose, worauf sich der Aktienkurs an einem Tag glatt halbierte und Papiere wie Google, Facebook und Amazon mit nach unten zog. Damit werfen die Anleger alle Technologieaktien in einen Topf. LinkedIn hatte indes schon öfters Probleme und hat sicherlich nicht die Stellung wie Google oder Facebook. Aber auch Aktien von Firmen, die gut ausweisen, steigen nicht. Ein Beispiel ist Daimler, die weiteres Wachstum in China sehen. Unsere Erwartung, dass die Unternehmenszahlen positiv überraschen könnten, hat sich damit zumindest bis jetzt nicht bestätigt.

Auf einen Nenner gebracht bedeutet das für die Börsen: Das Wachstumsmomentum nimmt praktisch auf der ganzen Welt ab. Nach sieben Jahren Hausse haben Aktien aber eine stattliche Wachstumsprämie aufgebaut, die nun wieder abgebaut werden muss. Wann dieser Prozess fertig ist, kann nicht gesagt werden. In der Regel enden solche Phasen in einem finalen Sell-Off unter hohen Volumen.

Wir empfehlen den Investoren vorsichtig zu agieren, und wenn nur in Unternehmen zu investieren, die bereits die Zahlen auf den Tisch gelegt haben. In der Erwartung eines noch bevorstehenden Sell-Offs empfiehlt es sich Cashreserven zu halten.

US-Ölförderer Hess im Fokus
Bei den Einzeltiteln gefallen uns die Aktien des amerikanischen Ölförderers Hess. Die Gesellschaft hat in der letzten Woche ein Placement von neuen Aktien durchgeführt, was den Kurs nochmals 12% drückte. Hess ist gut positioniert und die Aktie handelt 44% unter ihrem Buchwert. Der risikofähige Investor kann mit dem Aufbau von Positionen beginnen. (IHAG/wum/mc/ps)

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