IHAG-Kommentar: EZB konnte nur kurz beruhigen

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Zürich – Nach dem Kurseinbruch am Montag der Vorwoche und der schwachen Erholung bleiben die Börsen fragil. Zum Monatsbeginn kamen am Dienstag neue Ängste um die Wirschaftsentwicklung in China hoch. Der DAX fiel in der ersten Morgenstunde über 3% und unter die 10‘000er Marke. Danach kam es zu einer Beruhigung und am Donnsertag gar zu einem kurzen Rally, als Mario Draghi betonte, dass die EZB die Liquiditätsschleusen noch weiter öffnen könnte. Am Freitag wurden die Kursgewinne vom Vortag ohne grosse News errodiert. Der DAX verlor in der Woche 2.5%, konnte sich aber immerhin über 10‘000 Punkt halten. Der S&P 500 gab über die Woche 3.4% ab, der Euro Stoxx 50 3.1% und der SMI 1.5%.

Bei den Zinsen blieb es in den USA relativ ruhig. Die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen sanken leicht auf 2.13%. In Deutschland gab es mehr Bewegung. Nach einem kurzen Anstieg auf 0.80% am Montag, sanken die Renditen für den zehnjährigen Bund nach der Draghi Rede vom Donnerstag auf 0.67%. In der Schweiz schlossen die Zinsen über die Woche praktisch unverändert bei -0.14%.

Mit Mario Draghis Andeutungen, die Geldschleusen in der Eurozone weiter offen zu halten, hat sich der EUR/USD auf 1.11 abgeschwächt. Der EUR/CHF wird unverändert in engen Bandbreiten um 1.08 gehalten. Der USD/CHF etablierte sich ein paar Tage bei 96 Rappen, stieg dann über 97 Rappen, was einem Wochengewinn von 1.5% entspricht.

Nach einem Aufbäumen im August hat der Goldpreis wieder den Rückwärtsgang eingelegt und droht in Richtung USD 1080 pro Unze abzukippen. Das Fixing in London erfolgte aber noch bei USD 1121 die Unze. Der Ölpreis setzte anfangs Woche zu einem Rebound von fast 10% an, fiel dann aber wieder auf USD 50 pro Barrel Brent zurück.

Die Eurozone PMI Manufacturing Index blieb mit 52.3 weiterhin gut und auch das Beige Book zeichnete ein günstiges Bild von der US-Wirtschaft. Der US-Arbeitsmarkt war im August schwächer als erwartet, aber die Vormonate wurden hochrevidiert, weshalb sich daraus noch nicht viel herauslesen lässt. Die Motoren in diesen beiden wichtigen Regionen scheinen auf normalen Touren zu laufen.

China im Fokus
Alle Augen sind aber momentan auf China gerichtet, wo der PMI Manufacturing Index mit 47.3 Punkten zwar im Rahmen der Erwartungen kam, aber eine Kontraktion in der Industrie anzeigt. Die Futures-Notierungen diverser Aktienindices gaben im Anschluss deutlich nach. Allerdings präsentiert sich die Lage im chinesischen Dienstleistungssektor besser. Der offizielle Service PMI ermässigte sich im August zwar auch und sank von 53.9 auf 53.4 Punkte, er notiert damit aber immer noch klar in der Expansionszone. Der Dienstleistungssektor ist für rund 48% der chinesischen Wirtschaftsleistung verantwortlich und gewinnt mit dem Umbau hin zu einer moderneren Volkswirtschaft an Gewicht. Der von der privaten Firma Markit in Zusammenarbeit mit Caixan ermittelte Service PMI verzeichnete allerdings einen deutlicheren Rückgang im August als der offizielle Service PMI und ermässigte sich von 53.8 auf 51.5 Punkte.

Globales Wachstum moderat
IWF-Chefin Lagarde machte auch auf Vorsicht und erklärte am Dienstag in der indonesischen Hauptstadt Jakarta, dass das globale Wachstum moderat bleibe und voraussichtlich geringer ausfalle als im Juli prognostiziert. Grund für die jetzt vorsichtigere Einschätzung sei zum einen der langsamere Aufschwung in den Industriestaaten, zum anderen die Konjunkturabkühlung in vielen Schwellenländern. Zur Konjunkturabkühlung in China ergänzte sie, dass der Übergang zu einer marktbasierten Wirtschaft komplex sei und «holprig» verlaufen werde. Die chinesischen Behörden hätten aber die Werkzeuge und auch finanziellen Puffer, um diesen Übergang zu bewerkstelligen.

Börsen auf Richtungssuche
Im Rahmen der Feierlichkeiten zum Kriegsende vor 70 Jahren waren die Börsen in China am Donnerstag und Freitag geschlossen. Möglich, dass dies zur Beruhigung beitrug. Die Eröffnung am Montag bringt etwas Spannung, zumal dann die USA feiertagshalber geschlossen ist. Nach den panikartigen Verkäufen anfangs September und einem ersten Rebound scheint die Luft draussen zu sein. Auch sanken die Volumen in den letzten Handelstagen. Die Börsen suchen nach einer Richtung. Die einen Marktteilnehmer befürchten ein erneutes Abgleiten auf die Lows vor einer Woche, mit Risiko einer weiteren Verkaufswelle von Computerprogrammen, Futures und ETF-Funds. Die anderen sehen eine Beruhigung mit danach weiter laufenden Erholung. Bären und Bullen befinden sich in einer Pattsituation.

Zyklische und exportorientierte Titel kamen unter die Räder. Dies erachten wir zwar als übertrieben, aber für eine nachhaltige Erholung fehlt noch der Auslöser. Wir würden momentan an der Seitenlinie bleiben. Mit etwas längerem Zeithorizont können wir die Neuaufnahme ORPEA empfehlen (siehe Bericht vorangehende Seite). ORPEA ist der europäische Leader in der Seniorenbetreuung und bietet mit 64’000 Betten an 653 Standorten Dienstleistungen wie begleitetes Wohnen, Pflege, Betreuung und Rehabilitation an. Das bisherige Wachstum von über 20% p.a. ist eindrücklich. Wegen der zunehmenden Überalterung und der steigenden Nachfrage nach Betreuung für Senioren bleibt das Potential für ORPEA enorm. Der Titel wird an der Euronext gehandelt, tägliches Handelsvolumen ca. EUR 5 Mio. und ist Mitglied vom STOXX 600. (IHAG/mc)

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