IHAG Kommentar: Sell in May and go away auch dieses Jahr wieder?

Symbolbild IHAG Privatbank

Zürich – Die meisten Aktienmärkte verzeichneten in der letzten Woche kräftige Kursgewinne. Die Gewinnsaison ist in vollem Gange und etliche Firmen meldeten gute Zahlen. In den USA gewann der S&P500 1.7%, der Dax kletterte unterstützt von einem Rebound bei den Autoaktien um fast 5% in die Höhe. Aber auch der SMI brachte es auf einen Wochengewinn von ansehnlichen 3.1%. Richemont (Kursgewinn: 9.8%), ABB (7.7%) und Swiss Re (7.4%) gehörten zu den Spitzenreitern im Wochenvergleich.

Der Euro bewegte sich gegenüber dem USD über die Woche seitwärts. Dagegen schwächte sich der Schweizer Franken wieder etwas ab und schloss gegenüber dem Euro bei 1.23. Entsprechend verteuerte sich der USD um 1.2% auf 0.94. In den Zinsmärkten fällt sicherlich der starke Rückgang des Renditeniveaus in den Südländern Spanien und Italien auf. Für die europäischen Zinsmärkte könnte die Geldschwemme in Japan Auswirkungen haben. Diese Woche beraten die vier grössten japanischen Lebensversicherungen über Möglichkeiten ihre Anlagen im Ausland zu diversifizieren.

Bei den Rohstoffen setzte der Goldpreis seine Erholung fort und konnte einen Kursgewinn von 5.3% verbuchen. Die Daten zeigen klar, dass die Chinesen und Inder die tiefen Preise genutzt haben und Gold am Kaufen sind. Auf der anderen Seite hält der Abfluss aus den ETP’s an und erreicht im April bereits ein Volumen von 150 Tonnen. Anhaltende Abflüsse sind sicherlich momentan das grösste Risiko für den Goldpreis. Zusammen mit vielen anderen Rohstoffen, zeigte auch der Ölpreis in der letzten Woche Erholungstendenzen und übersprang die Marke von USD 100/bbl. Viel höhere Preise erscheinen allerdings wenig wahrscheinlich, weil die Nachfrage zu schwach ist.

USA überrascht positiv
In den USA läuft die Earnings Season auf Hochtouren. 20% der S&P500-Unternehmen haben ihre Zahlen bereits veröffentlicht und 71% davon haben die Gewinnerwartungen übertroffen. Die durchschnittliche Umsatz- und Gewinnsteigerung (EPS) beläuft sich auf 4.3% bzw. 2.0%. Nicht zu überzeugen vermochte bis anhin das Gros der Technologieaktien. Weder die Zahlen vom Schwergewicht Apple, noch jene von IBM oder Qualcomm wurden den Erwartungen gerecht. Solange das Wirtschaftswachstum nicht stärker ist, dürfte sich daran nur wenig ändern.

In Europa sieht das Bild etwas anders aus. Von den Unternehmen aus dem Stoxx 600 haben bisher 30% mehr enttäuscht als positiv überrascht. Jedoch haben die meisten Gesellschaften ihren Ausblick für den Rest des Jahres nicht gesenkt, was bessere Zahlen vor allem für die zweite Jahreshälfte impliziert. Die Investoren scheinen dem Glauben zu schenken, denn die Aktienkurse reagierten positiv, wie die Wochenperformance vom Stoxx zeigt.

Makroökonomisch bleiben sicherlich die Aussichten für die USA am besten, obwohl einzelne Wirtschaftsdaten in letzter Zeit etwas schwächer ausgefallen sind. Der Sequester sollte das Wachstum nicht abwürgen. Eindrücklich ist die Stärke vom Privatkonsum. Wir erwarten eine Fortsetzung dieses Trends, auch weil über höhere Immobilienpreise positive Vermögenseffekte einsetzen.

Aufschwung in Europa verzögert
In Europa verzögert sich der Aufschwung immer mehr, selbst in Deutschland. So fiel die Erwartungskomponente beim Ifo-index bereits zum zweiten Mal in Folge, wobei der April-Rückgang jenen vom März sogar noch übertraf. Es zeigt sich, dass der rigorose Sparkurs vieler europäischer Staaten am Limit ist. Spanien hat deshalb am Freitag seine Defizitziele reduziert und dürfte mehr Fokus auf Wachstum richten. Dies könnte auch in Italien mit dem neuen Ministerpräsidenten Enrico Letta passieren. Ins selbe Bild passen die Spekulationen über eine Zinssenkung am nächsten Donnerstag durch die EZB. Zusätzlich könnte ein Programm angekündigt werden, welches die Unternehmen in den Südländern besser mit Krediten versorgt.

Es besteht somit die Chance auf eine dynamischere europäische Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte, was den Börsen grundsätzlich Rückenwind geben sollte. Aufgrund dessen sowie den massiven QE-Programmen hüben wie drüben, können wir uns vorstellen, dass Sell in May and Go away dieses Jahr keine lohnenswerte Strategie sein könnte. Dies würde im Gegensatz zu den Börsenentwicklungen der letzten drei Jahre stehen als die Börsen jeweils im April/Mai zu teils kräftigen Korrekturen ansetzten.

Bei den Einzeltiteln gefallen uns die Aktien von BASF. Die Firma konnte dank ihrer breiten Diversifikation gute Zahlen ausweisen, wobei diesmal der Pflanzenschutz geholfen hat. Weiter wurden die Ziele für 2013 bestätigt. Die Aktie ist mit einem P/E von etwa 12x nicht teuer und die Dividendenrendite ist mit 3.6% immer noch attraktiv. Der heutige Dividendenabgang bietet eine Zukaufsgelegenheit. (IHAG/frp/mc/ps)

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