IHAG-Kommentar: Sinkende Kurse bei fehlenden Käufern

Symbolbild IHAG Privatbank

Zürich – Trotz eines kleinen Schocks bei den endgültigen GDP-Zahlen für das 1. Quartal in den USA, erwartet wurde -1.8%, gemeldet wurde -2.9%, konnte sich die Wall Street gut halten. Diverse Frühindikatoren deuten nach oben und die Börse schaut in die Zukunft. Der S&P 500 blieb trotz tiefen Volumen stark und holte die Rückschläge am Mittwoch und Donnerstag praktisch wieder auf, kaum waren die Börsen in Europa geschlossen. Die Performance über die Woche betrug -0.1%.

Anders die Europäer, wo der Vormarsch der Islamisten in Irak sowie später neue drohende Milliardenklagen aus den USA gegen Banken mit sogenannten Dark Pools belasteten. Der Euro Stoxx 50 verlor über die Woche 2.0%, allen voran die Bank Barclays 7.9%, Credit Suisse 4.9% und UBS 4.2%. Der SMI verlor 1.6%, weil auch Roche 2.1% nachgab.

Die taubenhaften Statements von Frau Yellen und die versprochene Liquidität von Herrn Draghi hallten nach und liessen die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen in den USA und Deutschland um 9 Basispunkte und in der Schweiz um 6 Basispunkte auf 12 Monatstiefstwerte sinken.

Ölpreis kommt von Höchstkurs zurück
Bei den Währungen blieb es ruhig mit wenig Ausschlägen. Der USD schwächte sich zum CHF und EUR etwas ab. Der EUR glitt zum CHF leicht auf 1.216 zurück. Nach einem heftigen Rebound am Freitag 19. Juni, verharrte der Goldpreis praktisch die ganze Woche bei USD 1320 in Abwarteposition. Der Ölpreis kam von seinen Höchstkursen am Dienstag rund 2 USD zurück auf USD 113 pro Barrel Brent. Es setzte sich die Meinung durch, dass ein allfälliger Ausfall von Lieferungen bei einer Eskalation im Irak innerhalb der OPEC ausgeglichen werden könnte.

Die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes (Flash PMI) für den Euroraum haben im Juni die Erwartungen allesamt verfehlt. Der PMI Composite für den Euroraum glitt den zweiten Monat in Folge auf 52.8 Punkte zurück, sank aber in Frankreich auf 48.0, was eine Schrumpfung der gallischen Wirtschaft erwarten lässt und die Erholung in Europa bremst. Auch der Ifo-Index in Deutschland erfuhr den zweiten Monat mit einem tieferen Wert. Die Beurteilung des aktuellen Geschäftsganges blieb gut, aber der Ausblick sank. Angesichts der Krise um die Ukraine und im Irak wohl nicht ganz unerwartet. Insgesamt lahmt die Erholung in Europa etwas, aber ein Rückschlag ist auch nicht zu erwarten. Eine Konjunkturerholung verläuft selten geradlinig.

Warten auf EZB
Am Wochenende kam es zu einem EU Gipfel, wo Russland weitere Sanktionen angedroht wurden, falls Moskau sich nicht aktiv bei den Separatisten in der Ukraine um Friedensverhandlungen einsetze. Der Waffenstillstand wurde nicht überall eingehalten und die weitere Entwicklung bleibt ungewiss. Am kommenden Donnerstag rückt die EZB mit Mario Draghi wieder ins Scheinwerferlicht, wo nach dem Zinsentscheid an einer Pressekonferenz mehr Infos zum weiteren TLTRO erwartet wird.

Nach 10 Wochen mit positiven Avancen im SMI war eine Top-Bildung mit einer leichten Korrektur eigentlich überfällig. Die Gewinnerwartungen kommen zwar zurück, aber teils auch wegen den Währungen. Im zweiten Semester sollte hier der Gegenwind nachlassen. Die Unternehmen können ihre Effizienz weiter erhöhen und auch bei stagnierendem Umsatz den Gewinn trotzdem steigern. Auch helfen Aktienrückkäufe aus den starken Bilanzen. Wir bleiben daher für das nächste Semester positiv gegenüber Aktien und erachten die Konsolidierung als gesund.

Aktien der Schweizer Grossbanken unter Druck
Auf Ebene der Indices ist noch nicht viel passiert, aber bei einigen Aktien kam es doch zu einer schmerzhaften Trendumkehr. Über das Quartal haben allen voran die beiden Schweizer Banken Credit Suisse und auch UBS fast 9% verloren. Die Anleger sind ob den immer wieder neuen Milliardenklagen aus den USA zermürbt und die Titel wurden abgestossen. Es ist nicht klar, ob neben Barclays auch andere Dark Pools ihre Kunden in falscher Sicherheit bezüglich Hochfrequenzhandels gewogen haben. Bei normalem Geschäftsgang wären die Bankentitel billig und auch charttechnisch sind sie in einem überverkauften Bereich, wo zumindest in den nächsten Tagen ein Rebound möglich scheint. Risikofähige Investoren können einen Trade ins Auge fassen.

Deutsche Post bewegt sich hat ähnlich wie der DAX, hat aber über das Quartal etwas mehr verloren und scheint sich nun aus einer überverkauften Situation hochzuarbeiten. Falls die europäischen Börsen sich nun fangen, könnte sich eine Aufstockung bei diesem Weltmarktleader der Logistik auszahlen. (IHAG/frp/mc/ps)

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