IHAG Quartalsbericht: «Eurogeddon» noch einmal abgewendet

Euro-Schuldenkrise

Zürich – Nach der Euphorie zum Jahresanfang kippte die Börsenstimmung gegen Ende des ersten Quartals zusehends ins Betrübliche. Den März-Höchstständen folgte eine Phase abbröckelnder Märkte, bevor der Börseneinbruch im Mai Fahrt aufnahm.

Wieder stand die krisengeschüttelte Eurozone im Zentrum der Aufmerksamkeit. Für einmal musste Griechenland aber die Bühne des Trauerspiels nicht alleine betreten. Auf der gegenüberliegenden Seite des alten Kontinents sorgte Spaniens desolates Bankensystem für aufkeimende Ängste vor einem Bankensturm. Die bedrohliche Lage konnte dank Bereitstellung von Milliarden zur Stärkung der Kapitalbasis der spanischen Banken jedoch entschärft werden. Die Börsen tauchten zwar später noch einmal, unter anderem weil das FED weiterhin auf die Ankündigung eines «QE 3» verzichtete.

Salamitaktik vielleicht langfristig erfolgreich
Sie erholten sich aber bis zum EU-Krisengipfel Ende Juni wieder leicht. Per saldo resultierten für das Quartal Börsenverluste zwischen -2.5% (Dow Jones) und -10.7% (Nikkei). Die desolate Lage Europas unter- höhlte auch das Vertrauen in den Euro und (durch die Kursfixierung) indirekt auch in den Franken, der gegenüber dem Dollar an Wert einbüsste (-5%). Die Zinsen in Spanien und Italien stiegen wieder deutlich an, während Unsicherheit und Anlagenotstand die langfristigen Zinsen in den USA, der Schweiz und Deutschland in den Keller trieben. Gold (-4%) setzte seine nachfrageseitige Schwächephase erwartungsgemäss fort und das Öl erlebte einen veritablen Einbruch (-20%).

«Himmelhoch jauchzend, zu(m) Tode betrübt» – besser als mit Goethes Worten lässt sich das Wechselbad der Gefühle an den Börsen kaum umschreiben. Diese Berg-und-Tal-Fahrt dürfte sich in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen. Denn Europas Salamitaktik zur Bewältigung der hausgemachten Schulden- und Bankenkrise mag auf lange Sicht vielleicht aufgehen. Kurzfristig ist sie aber gewiss nicht dazu angetan, das Vertrauen der Investoren in die Zukunftsfähigkeit der Eurozone zu stärken. Unserer Einschätzung nach stehen die Chancen dennoch gut, dass wir vorerst wieder höhere Börsenkurse erleben werden, gerade auch in Europa. Zwar ist die Krise noch lange nicht ausgestanden und eine erneute Eskalation inkl. Währungskrise ist immer möglich, schliesslich sind am jüngsten  EU-Krisengipfel die Meinungsverschiedenheiten deutlich zum Vorschein gekommen.

Deutschland zu Konzessionen bereit
Aber es gibt auch Positives zu berichten. Deutschland ist inzwischen zu Konzessionen bereit. Und gleichzeitig machen die Krisenstaaten den Eindruck, die Reformanstrengungen ernsthaft fortsetzen zu wollen. Nachdem man sich innerhalb der EU auf einen Fiskalpakt verständigt und sich darauf geeinigt hat, Banken von krisengeplagten Ländern künftig direkt mit Geldern aus den Rettungsschirmen zu versorgen und eine gemeinsame Bankenaufsicht aufzubauen, nimmt die Entstehung einer «echten» Währungsunion Formen an. Zudem verfügt die EZB über Mittel, die über reine Zinssatzsenkungen hinausgehen, um den Erholungsprozess zu unterstützen. Wenn alle Stricke reissen, kann sie nach dem Vorbild des FED direkt Bonds der krisengeplagten Staaten aufkaufen. In den USA dürften die anstehenden Präsidentschaftswahlen für Rückenwind sorgen: Immerhin verlor der S&P-500-Index seit 1960 – mit Ausnahme von 2008 – nie mehr als 2% in den letzten vier Monaten vor einer Präsidentschaftswahl. Der tiefe Ölpreis und die Erholung des US-Immobilienmarkts wirken sich ebenso stabilisierend aus wie die Ankündigung des FED, «Operation Twist» bis Ende Jahr zu verlängern. Und aus dem Land der Mitte mehren sich nach den jüngsten Zinssatzsenkungen – den ersten überhaupt seit 2008 – die Anzeichen, dass das «Soft-Landing» auf gutem Weg ist.

Weil eine Aktien-Outperformance realistisch erscheint, haben wir kürzlich die taktische Untergewichtung der Aktienquote reduziert. Bei Bonds mahnen wir weiterhin zur Zurückhaltung, denn die Renditen sind wenig attraktiv. Wir glauben, dass sich die Euro-Spreads zwischen «guten» und schlechten Schuldnern verringern sollten. In Einklang mit dem Börsenausblick rechnen wir mit einem vorläufigen Marschhalt bei der Euro-Abwertung und sehen seitwärts tendierende Notierungen bei den Währungspaaren USD/CHF, EUR/CHF und EUR/USD. Nach der scharfen Korrektur könnte es beim «schwarzen Gold» zu einer Reaktion der OPEC in Form einer Angebotsverknappung kommen. Beim echten Gold rechnen wir hingegen vorerst mit keiner Erholung.

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