IHAG Quartalsrückblick: Notenbankpolitiken weiterhin im Zentrum des Börsenglücks…

Symbolbild IHAG Privatbank

Zürich – Gleichsam, wie sich das sonst so launische Aprilwetter dieses Jahr von seiner sonnigsten Seite zeigte und früh Hoffnungen auf einen schönen Sommer weckte, startete auch das zweite Quartal an den Börsen zunächst verheissungsvoll. Leider korrigierten die Märkte nach wenigen Tagen aufgrund der politischen Lage in der Ukraine und des Ausverkaufs bei den vormals gehypten Biotech- und Social-Media-Aktien. Noch in der zweiten April-Hälfte setzte die erhoffte Kurserholung ein, die sich bis gegen Quartalsende hin fortsetzte.

Für diese Kehrtwende waren diverse Faktoren massgeblich. Einerseits reagierten die Märkte positiv auf die ausbleibende Eskalation in der Ukraine. Andererseits gab es Lichtblicke bei den Makrodaten, insbesondere beim Arbeitsmarkt, zu vermelden. Darüber hinaus übertraf die Mehrheit der US-Firmen bei Gewinn und Umsatz die Analystenerwartungen. In Europa gelang dies den Firmen wegen des starken Euros und der schwachen Wirtschaft hingegen weniger gut. Der ausschlaggebende Faktor war letztlich aber das Bekenntnis der beiden mächtigsten Notenbanker der Welt zur Fortsetzung ihrer akkommodativen Geldpolitiken. Draghi liess seinen beschwichtigenden Worten im Juni Taten folgen, indem er den Leitzins senkte und für Einlagefazilitäten einen Negativzins einführte. Yellen wiederum bekräftige ihre Absicht, auch über das Ende des «QE Program» hinaus für längere Zeit an der Tiefzinspolitik festhalten zu wollen.

Angeführt von der zuvor arg gebeutelten Technologiebörse Nasdaq (+5%) generierten die meisten Aktienmärkte folglich positive Renditen (Hang Seng +4.7%, S&P 500 +4.7%, DAX +2.9%, Nikkei +2.3%, SMI +1.2%). Zu den Gewinnern zählten defensive Werte aus dem Bereich Energie (+12.1%), Nahrung (+6.3%) und Versorgung (+5.4%). Schwächere Detailhandelsumsätze belasteten hingegen den Retailsektor (-0.1%), rekordhohe Bussen (Androhungen) wiederum den Bankensektor (+0.1%). Tiefzinspolitik, geringe Inflation und revidierte Wachstumsprognosen bewirkten bei den langfristigen Anleihen sinkende Zinsen (CH von 1.0% auf 0.7%, Eurozone von 1.6% auf 1.2%, USA von 2.7% auf 2.5%). Im Währungsgefüge waren die Bewegungen marginal, lediglich der EUR (-0.6% vs. USD) gab im Vorfeld der Juni-Sitzung der EZB etwas nach. Gold (+3.4%) profitierte von der Ukraine-Posse, während der Ölpreis (+4.3%) aufgrund des Vormarsches der ISIS im Irak zulegen konnte.

Trotz nicht mehr ganz so günstigen Bewertungen glauben wir weiter an das Potenzial von Aktien. Wir haben deshalb jüngst sogar unser Engagement in Südeuropa (Spanien) etwas ausgebaut. Warum bleiben wir zuversichtlich? Obwohl wir die Deflationsängste in Europa für etwas übertrieben halten, ist zum Beispiel ein europäisches «QE Program» nicht vom Tisch. In Japan ist nach Mehrwertsteuererhöhung und Konsolidierungsphase mit neuen Stimulierungsmassnahmen zu rechnen. Des Weiteren weisen die taubenhaften Aussagen Yellens darauf hin, dass der Beginn des Zinserhöhungszyklus in den USA noch nicht unmittelbar bevorsteht.

Diese Diskussion dürfte im Herbst neu lanciert werden. Die US-Wirtschaft wächst nach der winterbedingten Delle wieder, Europa erholt sich und die Verschuldung der Unternehmungen ist so gering wie seit Jahren nicht mehr. Dies könnte die eben erst wieder angerollte Fusionswelle zusätzlich beflügeln, zumal sich die Firmenbewertungen in «vernünftigen» Gefilden befinden. Obwohl sich der Kredit- und Immobilienmarkt in China in einem eher desolaten Zustand befindet, ist momentan auch nicht von einem zusätzlichen Druck von dieser Region auszugehen. Insgesamt bleiben die Vorzeichen also gut. Die recht ambitiösen Erwartungen bei den Firmengewinnen dürften allerdings zu Beginn der «Earnings Season» im Juli für etwas Gegenwind sorgen, ebenso wie das bevorstehende schottische Unabhängigkeitsreferendum im Herbst. Die historisch tiefen Zinsen lassen Anleihen aus taktischen Überlegungen wenig attraktiv erscheinen. Die Tiefzinspolitik limitiert auch das Potenzial für spektakuläre Währungsbewegungen. Aufgrund des weiter fortgeschrittenen Wirtschaftszyklus der USA rechnen wir aber immer noch mit einer USD-Aufwertung vs. CHF, EUR und JPY. (IHAG/mc/pg)

IHAG Privatbank

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.