Internationale Vermögensverwaltung: Trotz geringerem Wachstum ist die Schweiz nach wie vor Nummer eins

Vermögen
(Adobe Stock)

Zürich – In dem im letzten Jahr über zehn Prozent gewachsenen Markt für internationale Vermögensverwaltung bleibt die Schweiz die Nummer eins: Laut einer neuen Studie von Deloitte zieht nach wie vor kein anderes Land mehr Geld von internationalen Privatkunden an. Auch bei der Wettbewerbsfähigkeit ist die Schweiz weiterhin führend. Dennoch liegt die Schweiz bei der Wachstumsrate für 2020 nur auf Platz sechs der führenden Vermögensverwaltungszentren – nur knapp vor Hongkong.

Politische Stabilität hat während der Pandemie stark an Bedeutung gewonnen. Der Abbruch der Verhandlungen über ein Rahmenabkommen zwischen der Schweiz und der EU schwächt allerdings tendenziell den Schweizer Finanzmarkt und macht Gespräche über den Marktzugang schwieriger denn je. Aus diesen Gründen sollten Schweizer Vermögensverwalter vordringlich neue Modelle für die digitale Interaktion mit den Kunden entwickeln und ihr Produktangebot weiterentwickeln.

Laut der vierten Ausgabe des Deloitte International Wealth Management Centre Ranking (IWMCR), einer Studie, die Vermögensverwaltungszentren weltweit in Bezug auf Grösse, Wettbewerbsfähigkeit und Performance vergleicht, schnitten die führenden internationalen Vermögensverwaltungszentren während der COVID-19-Pandemie überraschend gut ab. Mit 10,6% wies der Markt das stärkste Wachstum der letzten zehn Jahre auf und liegt deutlich über dem gewichteten Vierjahresdurchschnitt von 4,8%. Die Anleger tendierten zu einer Umschichtung ihrer Vermögenswerte in als «sichere Häfen» geltende Märkte, die sich durch eine grössere politische und finanzielle Stabilität sowie durch ein besseres Serviceangebot auszeichnen. Auch die zunehmende Konzentration der Vermögen weltweit wirkt sich positiv auf die internationalen Vermögensverwaltungs-Märkte aus, da vermögende Privatpersonen in der Regel einen erheblichen Teil ihres Vermögens ausserhalb ihres Wohnsitzlandes halten.

Neugeldwachstum in der Schweiz deutlich langsamer
Die Schweiz konnte netto keine nennenswerten Neugelder anziehen. Der absolute Anstieg des Marktvolumens ist hauptsächlich auf die Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem US-Dollar während der Pandemie zurückzuführen, was wiederum die Stabilität des politischen Systems und des Finanzsystems widerspiegelt. Der Bericht von Deloitte nennt klare Prioritäten, die gesetzt werden müssen, wenn die Schweiz nicht hinter die Konkurrenz zurückfallen will. «Für die internationale Vermögensverwaltung war es ein sehr erfolgreiches Jahr, doch die Schweiz konnte mit der allgemeinen Marktentwicklung nicht.

Schritt halten und der Abstand zu Grossbritannien und den USA schrumpft. Schweizer Vermögensverwalter sind in Sachen Wettbewerbsfähigkeit weltweit klar führend. Ihre Grösse stellt eine gute Basis für den dringend benötigten digitalen Schub in der Branche dar, und die hohe Zahl an Buchungszentren wird ihnen dabei helfen, ihre führende Position weiter auszubauen», erklärt Patrik Spiller, Wealth Management Industry Lead bei Deloitte Schweiz und in Europa.

«Der Wettbewerb wird durch den absehbaren Konsolidierungsprozess innerhalb der Schweizer Vermögensverwaltungsbranche weiter verschärft. Der Regulierungsdruck und die Notwendigkeit, in die Digitalisierung zu investieren, führen zu höheren Kosten, die für kleinere Privatbanken und unabhängige Vermögensverwalter zum Teil schwer zu tragen sind», erklärt Jean-François Lagassé, Global Wealth Management Leader und Financial Advisory Partner bei Deloitte Schweiz.

Schweiz am wettbewerbsfähigsten
Bei der Wettbewerbsfähigkeit bleibt die Schweiz gemäss der Deloitte-Auswertung an der Spitze, dicht gefolgt von Singapur und Hongkong. Dies ist bemerkenswert, da das Wachstum des Wohlstandes in Asien in den nächsten Jahren voraussichtlich alle anderen Regionen übertreffen wird. Die einzigen Wettbewerbsschwächen der Schweiz sind der kleinere Heimmarkt und die geringere relative Rentabilität der Vermögensverwaltungsanbieter. «Jetzt ist es an der Zeit, dass Schweizer Vermögensverwalter schnell neue Modelle für die digital unterstützte Interaktion mit Kunden sowie erweiterte Produktangebote einführen. Kunden sollen zum Beispiel einfach auf private Märkte, Kryptowährungen und tokenisierte Vermögenswerte zuzugreifen können», fügt Patrik Spiller an. «Weiter müssen Unternehmen in Daten und Analysetools investieren, die eine effiziente und differenzierte Steigerung der Vertriebsproduktivität ermöglichen. Zudem müssen Vermögensverwalter ihren ’Purpose’ schärfen und Wege jenseits von finanziellen Anreizen finden, um die immer anspruchsvoller werdenden jungen Talente anzuziehen.»

ESG, Datenschutz und Digitalisierung als zentrale Erfolgsfaktoren
Die COVID-19-Pandemie hat digitale Kompetenzen zum entscheidenden Faktor gemacht und Umwelt-, Sozial- und Governance-Investitionen der Unternehmen noch stärkeres Gewicht verliehen. «Für die Schweiz bietet auch die Modernisierung des Datenschutzes der finanziellen Privatsphäre eine klare Chance. Schweizer Vermögensverwalter müssen digitale Innovation vollumfänglich nutzen und gleichzeitig regelkonform bleiben. Ziel des Schweizer Finanzplatzes sollte es sein, in punkto Datensicherheit und Datenschutz die höchsten Standards bei der digitalen Vermögensverwaltung zu setzen», so Patrik Spiller. (Deloitte/mc/pg)

Deloitte Wealth Management Centre Ranking

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