Italiens Zinskosten sinken weiter

Mario Monti

Mario Monti, italienischer Ministerpräsident Italien und Wirtschafts- und Finanzminister ad interim.

Frankfurt am Main – Der Trend sinkender Zinskosten im krisengeplagten Euroraum hat sich am Montag fortgesetzt. Während sich das hochverschuldete Italien abermals günstiger am freien Markt refinanzieren konnte, musste Deutschland den Anlegern wieder einmal kaum Zinsen für frisches Geld bieten. Auch Belgien, das eine hohe Staatsverschuldung nahe der Wirtschaftsleistung eines ganzen Jahres aufweist, konnte sich problemlos langfristiges Kapital besorgen.

Seit Herbst 2011, als die Schuldenkrise mit der Ansteckung bis dahin gesunder Länder in Kerneuropa vor der Eskalation stand, hat sich die Lage spürbar entspannt. Einen wesentlichen Anteil dürfte die sehr hohe Liquiditätsversorgung der Geschäftsbanken durch die Europäische Zentralbank (EZB) haben. Ende 2011 hatte sie den Geldhäusern, die traditionell stark in Staatsanleihen engagiert sind, die Rekordsumme von fast 490 Milliarden Euro für drei Jahre geliehen. Experten gehen davon aus, dass ein Teil hiervon in frische Staatstitel fliesst, was wiederum die Zinskosten der Staaten drückt. Darüber hinaus goutieren die Märkte aber auch Spar- und Reformbemühungen in vielen angeschlagenen Euro-Ländern.

Italien refinanziert sich so günstig wie letztmals 2010
Besonders spürbar war die Entspannung zuletzt bei den Euro-Schwergewichten Italien und Spanien. So konnte sich Italien zu Wochenbeginn so günstig wie seit fast eineinhalb Jahren nicht mehr refinanzieren. Bei einer Auktion von Geldmarktpapieren mit halbjähriger Laufzeit sank die zu zahlende Rendite auf 1,202 Prozent. Das ist der niedrigste Zins in dieser Laufzeit seit September 2010. Ende Januar musste Italien mit 1,969 Prozent noch fast doppelt so viel zahlen.

Deutschland mit Quasi-Nullzins

Deutschland – das aufgrund seiner hohen Kreditwürdigkeit bei Investoren als «sicherer Hafen» gilt – konnte sich unterdessen abermals fast zum Nulltarif refinanzieren. Bei einer Auktion einjähriger Schatzanweisungen lag die zu zahlende Rendite bei 0,0768 Prozent und damit nahe der Nulllinie. Mitte Januar hatte die Rendite bei einer ähnlichen Auktion mit 0,07 Prozent ähnlich tief gelegen. Anfang 2012 war der Zins bei einem sechsmonatigen Papier sogar negativ gewesen. Das heisst, die Anleger hatten dem deutschen Staat faktisch eine Art «Kontoführungsgebühr» gezahlt, damit er ihr Geld verwaltet.

Problemlose Kapitalaufnahme für Belgien
Belgien konnte sich zum Wochenstart problemlos langfristiges Kapital besorgen. Wegen politischer Probleme galt das Land lange als eines der Sorgenkinder des Euroraums. Mittlerweile verfügt Belgien aber über eine gewählte Regierung, die auch Reformen beschlossen hat. Entsprechend sind auch die Zinskosten für Belgien seither gesunken. Zu Wochenbeginn ging eine Auktion dreier Staatsanleihen mit Laufzeiten von fünf, zehn und dreissig Jahren problemlos über die Bühne. (awp/mc/upd/ps)

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