Italien nimmt sich Ratingagenturen vor

Giuseppe Vegas

Consob-Präsident Giuseppe Vegas.

Rom – Die italienische Börsenaufsicht Consob nimmt die Ratingagenturen Standard & Poor’s (S&P) und Moody’s unter die Lupe. Am Freitag müssen sich Spitzenvertreter von Moody’s zu ihrer Stellungnahme vom 23. Juni äussern, in der 16 italienische Banken mit einer Herabstufung ihres Ratings gedroht wird, wie italienische Medien am Dienstagabend berichteten.

Am Montag hatte die Consob bereits Vertreter der US-Ratingagentur S&P zur Rede gestellt. Der italienischen Finanzaufsicht sei es dabei um die schnelle Kritik von S&P an dem jüngsten Sparpaket der Regierung von Silvio Berlusconi gegangen. Das Kabinett in Rom hatte am vergangenen Donnerstagabend ein Sparpaket über rund 47 Milliarden Euro beschlossen. Bereits am Freitagnachmittag erklärte S&P das Vorhaben für unzureichend. Laut Medienberichten kritisiert die Consob den frühen Zeitpunkt der Kritik als auch deren «Oberflächlichkeit». So seien viele Details der Sparmassnahmen noch gar nicht bekanntgewesen – abgesehen von Indiskretionen der Medien.

Interessenkonflikte der Agenturen «eine grosse Gefahr»
«Ich halte die Ratingagenturen schon seit langem für eine grosse Gefahr wegen ihrer unzähligen Interessenkonflikte, wegen ihrer undurchsichtigen Arbeitsmethoden, wegen unzähliger von ihnen begangener Fehler und weil sie nicht unabhängig sind», erklärte Consob-Präsident Giuseppe Vegas gegenüber italienischen Medien. Die Consob habe gut daran getan, die Agenturen nach Rom zu bestellen wegen eines «absolut inakzeptablen Verhaltens», so Vegas. Mit dem Vorgehen der Consob macht Italien von den erst im vergangenen Jahr in Kraft getretenen Möglichkeiten zur schärferen Überwachung von Ratingagenturen Gebrauch. Am Montag soll der Fall auf dem Tisch der europäischen Aufsichtsbehörde Esma in Paris landen. Sie war von der EU nach der Finanzkrise zusammen mit der Banken-Aufsicht EBA und der Versicherungsaufsicht Eiopa gegründet worden. (awp/mc/ss)

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