IWF greift der Ukraine mit 17 Milliarden Dollar unter die Arme

Christine Lagarde
Christine Lagarde, Direktorin IWF. (Bild: IWF / Flickr)

IWF-Direktorin Christine Lagarde. (Bild: IWF / Flickr)

Washington – Der Internationale Währungsfonds (IWF) greift der krisengeschüttelten Ukraine mit Kredithilfen in Höhe von 17 Milliarden Dollar für zwei Jahre unter die Arme. Der Beschluss sieht die sofortige Auszahlung von 3,2 Milliarden Dollar an die ukrainische Regierung vor.

Das Geld solle helfen, die finanzielle Stabilität des Landes wiederherzustellen und langfristiges Wirtschaftswachstum in Gang zu setzen, teilte der IWF nach einer Entscheidung des Exekutivrats am Mittwoch (Ortszeit) in Washington mit.

Zwölf Milliarden Dollar seien als neue Kredithilfen vorgesehen, fünf Milliarden sollten refinanziert werden. 3,2 Milliarden Dollar wurden sofort in Aussicht gestellt, darunter zwei Milliarden Dollar Haushaltshilfen.

Der IWF erwartet, dass nach der Freigabe weitere Hilfsgelder in Höhe von rund 15 Milliarden Dollar aus anderen internationalen Quellen in das wirtschaftlich und finanziell angeschlagene Land fliessen.

Wirtschaftsreformen gefordert
Der IWF fordert von der Ukraine im Gegenzug für die Kredithilfen weitreichende Wirtschaftsreformen. Die Übergangsregierung hatte bereits Massenentlassungen und schmerzhafte soziale Einschnitte angekündigt. Kiew beziffert den gesamten Bedarf an Finanzhilfen auf mehr als 27 Milliarden Dollar.

Die Freigabe der IWF-Unterstützung gilt für andere Länder als Voraussetzung, ihrerseits Geld bereitzustellen. Das Hilfspaket der EU soll sich auf elf Milliarden Euro belaufen. Der US-Kongress gab jüngst eine Milliarde Dollar frei.

Die Ex-Sowjetrepublik ist nach eigenen Angaben einem Staatsbankrott nahe. Bereits Ende 2013 war die Lage so bedrohlich, dass die Regierung praktisch handlungsunfähig war. Die Gesamtverschuldung kletterte laut Schätzungen auf 41 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. 2007 hatte der Wert noch bei 12,3 Prozent gelegen.

Russlands Strafe
Russland hatte vor der Krise Hilfe im Wert von 18 Milliarden Dollar zugesagt. Als die Regierung in Kiew auf Druck der Opposition zurücktrat, stoppte Moskau Ende Januar seine Hilfen. Ausserdem stellte der russische Energieriese Gazprom für seine Gaslieferungen Nachforderungen in Milliardenhöhe an die Ukraine. Die US-Ratingagentur Standard & Poor’s senkte danach die Kreditwürdigkeit der Ukraine auf «CCC».

Allerdings hatte der IWF in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit der Ukraine gemacht. Ein 15 Milliarden Dollar schweres Hilfsprogramm für die ehemalige Sowjetrepublik wurde nach nicht einmal einem Jahr und weniger als 3,5 ausgezahlten Milliarden 2011 wieder gestoppt. Das Land hielt sich damals nicht an seine Reformversprechen.

Lagardes Lob
IWF-Chefin Christine Lagarde lobte den Reformwillen der Übergangsregierung in der Ukraine. «Sie hat in den vergangenen paar Wochen gezeigt, dass sie umfassende Reformen durchführen kann», sagte sie anlässlich der Freigabe des neuesten IWF-Hilfspakets. Es sei dringend nötig gewesen, zu handeln: «Entscheidende Massnahmen sind von der Ukraine unternommen worden, entscheidende Massnahmen hat gerade auch der IWF unternommen.» (awp/mc/ps)

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