Japans Notenbank stemmt sich gegen geldpolitische Normalisierung

Japan
Weiterhin schwache Preisentwicklung in Japan hält die Währungshüter von einer strafferen Geldpolitik ab. (Photo by Thomas Ribaud on Unsplash)

Tokio – Japans Zentralbank setzt unverändert auf eine ultralockere Geldpolitik und stemmt sich damit gegen den Trend der geldpolitischen Normalisierung in den USA und – in ersten Ansätzen – in Europa. Der Leitzins bleibe weiterhin bei minus 0,1 Prozent, teilte die Bank of Japan (BoJ) am frühen Freitagmorgen nach Abschluss zweitägiger Beratungen mit. Experten hatten damit gerechnet.

Die Begründung für die extrem lockere Geldpolitik mit einem negativen Leitzins ist die nach wie vor schwache Preisentwicklung. Zeitgleich zur Zinsentscheidung senkten die Währungshüter um Notenbankchef Haruhiko Kuroda ihre Einschätzung für die Preisentwicklung. Demnach bewegt sich die Kerninflation ohne schwankungsanfällige Preise für Energie und Nahrungsmittel in einer Spanne zwischen 0,5 Prozent und 1,0 Prozent. Im Januar hatte die Notenbank noch von «etwa einem Prozent» gesprochen.

Keine Normalisierungsschritte in der Geldpolitik
Während andere führende Notenbanken zumindest damit beginnen, ihre Geldpolitik wieder etwas zu normalisieren, zeichnet sich in Japan nach wie vor wenig Bewegung ab. «Diejenigen, die im Zuge der sich abzeichnenden globalen geldpolitischen Wende auf erste Normalisierungsschritte der BoJ gehofft hatten, wurden erneut bitter enttäuscht», kommentierte Expertin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank.

Die neue Einschätzung zur Preisentwicklung sei eigentlich ein Hinweis auf eine noch extremere Lockerung der Geldpolitik in Japan, sagte die Commerzbank-Expertin. «Das Problem der BoJ ist jedoch, dass sie in Bezug auf ihre präferierten Instrumente ihr Pulver verschossen hat», lautet ihre Einschätzung.

Fed erhöht Leitzinsen und in der Eurozone sind Fortschritte zu verzeichnen
In den USA zeigt sich eine mittlerweile ein ganz anderes Bild in der Geldpolitik. Am Mittwoch hatte die US-Notenbank Fed den Leitzins abermals erhöht. Es war die mittlerweile siebte Zinserhöhung seit Beginn der Zinswende Ende 2015. Ausserdem machte die Fed deutlich, dass sie ihre Geldpolitik in den kommenden Monaten weiter straffen will.

Auch in der Eurozone gibt es Fortschritte auf dem Weg hin zu einer geldpolitischen Wende. Am Donnerstag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) zwar beschlossen, den Leitzins im Euroraum weiter auf dem Rekordtief von null Prozent zu belassen. Sie peilt jedoch ein Ende ihrer Anleihenkäufe zum Jahresende an.

Die Zentralbankkollegen in Japan halten dagegen die geldpolitischen Zügel nach wie vor extrem locker. Seit Februar 2016 gilt in Japan ein negativer Zinssatz von minus 0,1 Prozent. Damit sollen Banken davon abgehalten werden, Geld bei der BoJ zu parken, statt es als Kredite für Investitionen zu vergeben. Ausserdem kauft die Zentralbank nach wie vor Wertpapiere, vornehmlich Staatsanleihen. Dennoch ist das von der BoJ angestrebte Inflationsziel von zwei Prozent nach wie vor weit entfernt. (awp/mc/pg)

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