Japans Zentralbank belässt Geldpolitik unverändert

Haruhiko Kuroda
Japans Notenbankgouverneur Haruhiko Kuroda.

Japans Notenbankgouverneur Haruhiko Kuroda.

Tokio – Die Bank von Japan (BoJ) hat trotz der Krise in den Schwellenländern zunächst auf eine zusätzliche geldpolitische Lockerung verzichtet. Die Wirtschaft soll wie bisher durch Aufkäufe von Wertpapieren im Wert von 80 Billionen Yen (587 Mrd. Euro) im Jahr gestützt werden. Das beschloss die Zentralbank am Dienstag nach Beendigung ihrer zweitägigen Beratungen. Der Leitzins in Japan liegt bereits seit Jahren bei null Prozent. Die Entscheidungen waren von Volkswirten so erwartet worden.

Die Notenbank änderte ihren wirtschaftlichen Ausblick für Japan nicht und erwartet weiterhin ein moderates Wirtschaftswachstum. Vorerst senkten die japanischen Notenbanker aber ihre Einschätzung der wirtschaftlichen Situation in der Weltwirtschaft angesichts der Probleme in China. Abgesehen vom Verweis auf die Lage in den Schwellenländern blieb der Kommentar aber weitgehend unverändert.

Yen steigt
Der japanische Yen legte zum Euro und zum US-Dollar nach der Entscheidung zu. «Offensichtlich haben doch schon einige Investoren auf eine Ausweitung der Geldpolitik gesetzt», kommentierte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt die Kursgewinne. «Oder sie haben einen deutlich pessimistischeren Ausblick erwartet.»

Notenbankchef Haruhiko Kuroda äusserte sich für die wirtschaftliche Entwicklung in Japan zuversichtlich und gab keine Hinweise für eine zusätzliche geldpolitische Lockerung. Nach dem Rückgang der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal sollte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal wieder steigen. Sich gegenseitig verstärkende Kräfte würden positiv in der japanischen Wirtschaft wirken, so Kuroda.

BoJ doch vor weiterer geldpolitischen Lockerung?
Das Inflationsziel von zwei Prozent dürfte laut Kuroda im ersten Halbjahr 2016 erreicht werden. Der Preistrend lege definitiv zu. Die in Japan sinkende Produktionslücke stütze die Inflation. Auch die chinesische Wirtschaft dürfte laut Kuroda weiter stabil wachsen. Zudem habe China genügend Spielraum, um gegenzusteuern. Auch in einer Leitzinsanhebung durch die US-Notenbank sieht Kuroda keine grosse Gefahr, da sie ein Zeichen für das Vertrauen in die US-Wirtschaft sei. Grundsätzlich sei die japanische Notenbank falls nötig handlungsbereit.

Angesichts des Verweises auf die Schwierigkeiten in den Schwellenländern hält Reichelt eine weitere geldpolitische Lockerung für möglich: «Zumindest eine weitere Aufwertung des Yen dürfte der BoJ ein Dorn im Auge sein.» Die Konjunkturdynamik in Japan scheine noch nicht stark genug zu sein, um ohne die Nachfrage aus dem Ausland auszukommen. «Spekulationen über eine weitere Lockerung der Geldpolitik dürften in den nächsten Wochen anziehen.» (awp/mc/upd/ps)

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