Jim Leaviss: «2013 wird ein schwieriges Jahr, doch es gibt auch positive Signale»

Jim Leaviss
Jim Leaviss, Leiter Retail Fixed Interest bei M&G Investments. (Foto: M&G)

Leiter Anleihen M&G Investments. (Bild: M&G)

Zurich – Nach Einschätzung von Jim Leaviss, Leiter des Anleihenbereichs bei M&G Investments, zeichnen sich an den Bondmärkten wieder positivere Zukunftsaussichten ab. Bereits 2012 war für Anleiheninvestoren erneut ein gutes Jahr: „Inhaber von Euro-Staatsanleihen verzeichneten in diesem Jahr zweistellige Erträge. Gleiches galt für Anleger, die in Unternehmensanleihen mit Investmentstatus oder Hochzins-Unternehmensanleihen investiert waren.“

Die Kreditmärkte legten diese hohen Gewinne trotz eines schwierigen volkswirtschaftlichen Umfelds vor. Gleichzeitig halten die Besorgnisse um eine „Double Dip“-Rezession in Grossbritannien und Europa und die steigende Verschuldung in den Industriestaaten an. Auch das Risiko schwerer politischer Fehlentscheidungen weltweit ist ein Thema. In einigen Regionen der Welt waren aber auch erfreuliche Entwicklungen zu beobachten. „Wir gehen zwar nicht davon aus, dass sich die sehr guten Gewinne aus dem vergangenen Jahr im kommenden Jahr noch einmal wiederholen lassen. Trotzdem sind wir zuversichtlich. Denn in diversen Anleihensegmenten bieten sich nach wie vor attraktive Anlagechancen – je nachdem, wo und in welche Anlagevehikel man investiert“, so Leaviss.

Eurozone: Auf dem richtigen Weg?
Angesichts schwächelnder Volkswirtschaften, beträchtlicher Handelsungleichgewichte sowie zunehmender sozialer Spannungen in der Eurozone lässt sich kaum vorhersagen, ob sich die Lage in Europa im Jahr 2013 noch weiter verschlechtern oder wieder verbessern wird. 2013 sollten Anleger vor allem die Geldmarktpolitik im Auge behalten, empfiehlt der Fondsmanager. Erfreulicherweise sei die Europäische Zentralbank kürzlich zu einer aggressiveren Strategie übergegangen und könne die Probleme im kommenden Jahr mit erweitertem Rüstzeug in Angriff nehmen. So seien die Währungshüter mittlerweile eher bereit, unkonventionelle Rettungsmassnahmen zu ergreifen. Aus diesem Grund waren die Renditen von Staatsanleihen aus den Peripheriestaaten der Eurozone von ihrem kritischen Hoch wieder zurückgegangen. „Wir sind uns zwar nach wie vor unsicher, was wir von der Rallye, die infolge dieser Massnahmen zu beobachten war, halten sollen“, kommentiert Leaviss. „Doch in der Vergangenheit haben die politischen Entscheidungsträger Europas bereits mehrfach zugelassen, dass sich Probleme erst
einmal zu ausgewachsenen Krisen entwickeln, bevor sie dann letztlich doch eine Lösung dafür gefunden haben.“

Bei Engagements im Euroraum mahnt der Rentenexperte jedoch zu besonderer Vorsicht. Zwar werden deutsche Bundesanleihen für nervöse Investoren wohl auch 2013 als „sicherer Hafen“ dienen. Die Renditen kurz laufender Bundesanleihen liegen momentan bei fast 0 Prozent – und auch Papiere mit längeren Laufzeiten werden kaum besser verzinst. Daher beurteilt Leaviss die langfristigen Aussichten dieser Papiere mittlerweile zurückhaltender. Im Gegensatz dazu scheinen inflationsgebundene deutsche Papiere auf mittlere Sicht einen preiswerten Schutz vor einem unerwarteten Anstieg der Inflation zu bieten.

Derweil sollte man Staatsanleihen aus den Peripheriestaaten nach Einschätzung von Leaviss auch weiterhin eher mit Samthandschuhen anfassen. Seine Präferenz für Anleihen aus den Kernländern anstelle von Papieren aus den Peripheriestaaten spiegelt sich auch bei Unternehmensanleihen wider.

USA: Auftrag ausgeführt?
Die meisten positiven volkswirtschaftlichen Signale kommen nach Einschätzung von Leaviss derzeit aus den USA. Mit Blick auf das Jahr 2013 besonders ermutigend seien dabei die jüngsten Entwicklungen am Immobilienmarkt: „Die Zahl zum Verkauf stehender Häuser ist 2012 deutlich zurückgegangen und entspricht mittlerweile einer Bedarfsdeckung von weniger als vier Monaten“, erläutert der Fondsmanager. „Ein Niveau, auf das in der Vergangenheit bereits häufig ein kräftiges Wachstum folgte. Darüber hinaus sind die US-Immobilienpreise zuletzt schon wieder angestiegen, liegen aber nach wie vor deutlich unter ihren Höchstständen. Ausserdem ist die US-Notenbank bestrebt, diesen Markt noch zusätzlich zu stützen. Im Rahmen ihres quantitativen Lockerungsprogramms kauft sie anstelle von US-Staatsanleihen nun hypothekarisch besicherte Wertpapiere.“

Für den US-Dollar bleibt Leaviss ebenso zuversichtlich wie für US-Anleihen mit Investmentstatus und Hochzins-Unternehmensanleihen. Die Schulden der USA seien zwar hoch, dennoch würden die Staaten 2013 wohl nicht von der „fiskalischen Klippe“ – die automatische Ausgabenkürzungen und Steueranhebungen in Höhe von 4 Prozent des BIP vorsieht – stürzen. Keine der beiden großen politischen Parteien des Landes könne es sich leisten, die USA in eine Rezession abrutschen zu lassen. Eine solche Verschärfung der Fiskalpolitik hätte dies aber zwangsläufig zur Folge. Deshalb geht Leaviss davon aus, dass sich Demokraten und Republikaner letztlich auf einen kurzfristigen Kompromiss einigen. Damit könnten sie sich dann noch ein paar Jahre Zeit verschaffen, um eine wirklich nachhaltige Lösung für die US-Schuldenprobleme zu entwickeln.

Schwellenländermärkte: Immer noch nicht abgekühlt
Das Anleihenteam von M&G investiert nur sehr selektiv in Staats- und Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern. Denn die Korrelation der Renditen von in lokalen Währungen denominierten Schwellenländeranleihen gegenüber den Erträgen von Aktien ist zu hoch. Dies deutet nach Auffassung des M&G-Teams darauf hin, dass die Renditen eher durch das Kaufinteresse der Anleger an Risikopapieren als durch überdurchschnittlich gute Fundamentaldaten nach oben getrieben worden sind. Stimmungsumschwünge unter Investoren könnten daher weltweit dazu führen, dass sich die hohen Mittelzuflüsse der letzten Jahre in Mittelabflüsse umkehren. Das hätte für die Anleger schwerwiegende Folgen. Darüber hinaus machen die Bewertungen von Schwellenländeranleihen nach deren Rallye aus den letzten Jahren inzwischen einen überteuerten Eindruck. (M&G Investment/mc/ps)

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