JPMorgan verdient so viel wie noch nie

Jamie Dimon
JPMorgan-CEO Jamie Dimon.

JPMorgan-Konzernchef Jamie Dimon.

New York – Nicht einmal ein Spekulationsdesaster, Strafen für Sünden der Vergangenheit und die europäische Schuldenkrise können die grösste US-Bank unterkriegen: JPMorgan Chase hat im vergangenen Jahr den höchsten Gewinn der Firmengeschichte eingefahren mit 21,3 Milliarden Dollar. Auch die Investmentbank Goldman Sachs überzeugte

JPMorgan-Chef Jamie Dimon schien zufrieden mit dem Abschneiden: «Das ist das dritte Jahr in Folge, dass die Firma einen Rekordgewinn vermelden kann», erklärte er am Mittwoch in New York. Gegenüber 2011 stieg das Ergebnis um 12 Prozent. Ein Hauptgrund war die deutliche Erholung des US-Immobilienmarkts. Die Preise steigen, die Zahl der säumigen Schuldner nimmt ab und mehr Menschen leisten sich wieder ein Haus. Zudem verdient JPMorgan glänzend an Kreditkarten.

Spekulationsverlust von 6 Mrd Dollar
Für JPMorgan stellte sich das als Glücksfall heraus, denn die Bank musste gleichzeitig einen Spekulationsverlust von mehr als 6 Milliarden Dollar verdauen. Händler der Londoner Filiale hatten sich mit sogenannten Derivaten verzockt. Die Verantwortlichen mussten gehen, und auch Bankchef Dimon kommt nicht ungeschoren davon: Der Verwaltungsrat kürzte ihm den Bonus. Sein Gesamtgehalt für das vergangene Jahr halbierte sich damit auf 11,5 Millionen Dollar.

Weitergehende Konsequenzen muss Dimon aber offensichtlich nicht fürchten. In firmeneigenen Untersuchungsberichten, die ebenfalls am Mittwoch veröffentlicht wurden, kommt er glimpflich davon. Zwar hätte er im Vorfeld stärker nachhaken können, was seine Mitarbeiter treiben, hiess es darin. Nach Bekanntwerden des Spekulationsdesasters habe er aber konsequent durchgegriffen.

Geschäftspartner getäuscht, fehlerhafte Hauspfändungen, Libor-Skandal…
Dimon hatte JPMorgan Chase fast schadlos durch die Finanzkrise geführt und die Bank mit geschickten Zukäufen zur Nummer eins in den USA gemacht. Zuletzt war er aber nicht nur wegen des missratenen Spekulationen in die Kritik geraten, sondern auch wegen Hypotheken-Deals aus den Zeiten der Finanzkrise. US-Behörden werfen JPMorgan vor, damals Geschäftspartner getäuscht zu haben. Zudem geriet JPMorgan wegen fehlerhafter Hauspfändungen in den USA sowie wegen des Libor-Skandals um manipulierte Referenzzinssätze in die Schlagzeilen.

Dem Geschäft tat das zuletzt aber keinen Abbruch. Auch die Schuldenkrise in Europa war kein grosses Thema mehr. Die Erträge – die gesamten Einnahmen – lagen unverändert zum Vorjahr bei rund 100 Milliarden Dollar. Damit schnitt die Bank besser ab als Experten erwartet hatten. Am Aktienmarkt wurden die Zahlen dennoch mit Ernüchterung aufgenommen. Das Papier gab im frühen New Yorker Handel um 1 Prozent nach. Wie so oft bei Zahlen von US-Instituten hatten Händler mit einem noch besseren Abschneiden gerechnet.

Goldman Sachs auf dem Weg zurück zu alter Stärke
Hohe Gewinne bei Beteiligungen, eine Erholung im Investmentbanking und strikte Kostenkontrolle: Nach einem mageren Jahr 2011 verdiente auch die weltgrösste Investmentbank Goldman Sachs im vergangenen Jahr wieder prächtig – auch wenn die Bank vom Rekordgewinn aus dem Jahr 2009 noch ein gutes Stück entfernt ist. 2012 stieg der Überschuss um 191 Prozent auf 7,3 Milliarden Dollar, wie die Bank am Mittwoch in New York mitteilte. Die Erträge legten um 19 Prozent auf 34 Milliarden Dollar zu.

Anders als vor der Krise gab Goldman Sachs den Zuwachs nicht überwiegend an die Investmentbanker weiter. Die Löhne und Boni stiegen 2012 nur um sechs Prozent auf knapp 13 Milliarden Dollar. Goldman-Sachs-Chef Llyod C. Blankfein hatte der Bank 2011 nach einigen Quartalen mit Misserfolgen und teils roten Zahlen eine Rosskur aufgedrückt. Er will die Kosten insgesamt um knapp zwei Milliarden Dollar drücken. Mit den Zahlen übertraf die Bank die Erwartungen deutlich. Die Aktie legte vorbörslich zu. (awp/mc/pg)

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