Julius-Bär-GV lehnt Vergütungsbericht ab

Boris Collardi
Boris Collardi, zurückgetretener CEO der Julius Bär Gruppe. (Bild: Julius Bär)

Boris Collardi, CEO Julius Bär Gruppe. (Bild: Julius Bär)

Zürich – Als Schweizer Premiere hat die Generalversammlung der Privatbank Julius Bär am Mittwoch den Vergütungsbericht mit fast zwei Dritteln der Stimmen abgelehnt. Das Votum ist zwar nicht verbindlich. Der Paukenschlag dürfte aber nicht folgenlos bleiben. Der Schuss vor den Bug bei den Vergütungen erfolgte überaus deutlich mit 63,9% der abgegebenen Aktienstimmen. Wie die Bank in einem Communiqué mitteilte, will der Verwaltungsrat Massnahmen treffen, damit das an einer künftigen Generalversammlung nicht mehr geschieht.

Den gesamten Jahresbericht winkten die Anteilseignerinnen und -eigner mit 99,98% der Stimmen durch. Insgesamt wurden 61,5% der Stimmrechte ausgeübt. Die Versammlung verfolgten 317 Personen im Saal mit.

6,7 Millionen für Konzernchef Collardi
Die Löhne und Boni für die Geschäftsleitung beziffert der Vergütungsbericht auf insgesamt 15,2 Mio CHF. Darin enthalten sind Prämien von 1,95 Mio für die Integration des Vermögensverwaltungsgeschäft von Merrill Lynch ausserhalb den USA. Julius-Bär-Chef Boris Collardi erhielt 0,8 Mio CHF Integrationsprämie und kommt damit auf einen Gesamtlohn von 6,7 Mio. Dieser setzt sich aus dem Grundsalär von 927’200 CHF, einem bar ausbezahlten Bonus von rund 2,4 Mio und dem Rest in Aktien beziehungsweise später fälligen Aktien zusammen.

2011 hatte die Vergütung für den Konzernchef noch 5,9 Mio CHF betragen. Mit seinem Salär wird Collardi zur Nummer Elf auf der Liste der bestbezahlten Schweizer Chefs.

1 Million für VRP Daniel Sauter
Die Tätigkeit im Verwaltungsrat liess sich der im Frühling 2012 gewählte Präsident Daniel Sauter mit rund 1 Mio CHF entgelten. Der bis Ende April amtierende Raymond J. Bär erhielt 419’000 CHF. Insgesamt bezogen die neun Verwaltungsräte des Finanzkonzerns 2,9 Mio und damit bedeutend weniger als 2011, als noch 4,6 Mio ausbezahlt wurden.

Integrationsprämie war zu viel
Gregor Greber, Chef des Vermögensverwalters und Aktionärsdienstleisters zCapital, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur sda, ein derartiges Verdikt könne kein Verwaltungsrat und kein Management ignorieren. Das Votum zeige deutlich, dass das Aktionariat die Bezüge im Verhältnis zur Ertragskraft ablehne. Der einflussreiche US-Aktionärsberater ISS hatte ebenso wie zCapital zur Ablehnung des Vergütungsberichts geraten. ISS kritisierte, dass die Boni nicht begrenzt seien und die Aktienvergütungen weniger als drei Jahre lang gesperrt würden.

Auch die Integrationsprämie für Merrill Lynch dürfte nach Einschätzung von Greber den Vergütungsbericht zu Fall gebracht haben. Eine derartige Prämie noch vor dem Erfolg der Transaktion auszuschütten, sende ein falsches Signal an alle Mitarbeitenden. Zudem gehörten Übernahmen eigentlich zum Standardrepertoire eines Managers und müssten darum nicht besonders belohnt werden.

Greber erwartet, dass sich der Verwaltungsrat der Bank ernsthaft mit den Folgen der Generalversammlung auseinandersetzt und auf seine Entscheide zurückkommt. Vielleicht werde die kritisierte Prämie zurückgezogen oder nächstes Jahr verrechnet. Auf jeden Fall könne jetzt niemand zur Tagesordnung zurückkehren.

0,60 Franken Dividende pro Namenaktie
Die Versammlung genehmigte alle weiteren Anträge auf der Traktandenliste. So soll die Bank eine steuerfreie Dividende von 0,6o CHF je Namenaktie ausschütten. Zudem bestätigten die Aktionäre Daniel Sauter, Claire Giraut, Gilbert Achermann, Andreas Amschwand, Leonhard Fischer und Gareth Penny für ein weiteres Jahr im Verwaltungsrat.

Die Bank Julius Bär schloss 2012 mit einem um 15% auf 298 Mio CHF gestiegenen Gewinn ab. Einen Sondereffekt im Zusammenhang mit der Beilegung eines Justizverfahrens in Deutschland sowie Integrations- und Restrukturierungskosten ausgeklammert, sank der adjustierte Gewinn indessen um 4%.

Grösster Aktionär bei Julius Bär ist mit 10,02% die MFS Investment Management gefolgt von Davis Selected Advisers mit 8,46%. Mit einem Anteil von zusammen 40% sind sieben US-Finanzinstitute die grössten Aktionäre. (awp/mc/pg)

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