Julius Bär verbessert Profitabilität dank aktiver Kunden und Kostensenkungen

Philipp Rickenbacher
Philipp Rickenbacher, CEO Julius Bär. (Foto: Julius Bär)

Zürich – Die Vermögensverwaltungsbank Julius Bär hat in den ersten neun Monaten 2020 die Profitabilität dank weiterhin lebhaften Kundenaktivitäten und Kostensenkungen verbessert. Zudem konnte das Institut von anziehenden Geldzuflüssen und günstigen Aktienmärkten im dritten Quartal profitieren. Dagegen muss es einen weiteren Abschreiber auf die italienische Tochter Kairos tätigen.

Die verwalteten Vermögen beliefen sich per Ende September auf 413 Milliarden Franken gegenüber 402 Milliarden per Mitte Jahr, wie das Institut am Montag mitteilte. Im dritten Quartal habe sich die im März 2020 begonnene Erholung der Aktienmärkte fortgesetzt. Allerdings blieben die Vermögen noch um rund 3 Prozent unter dem Stand von Ende 2019.

Die Netto-Neugeldzuflüsse beschleunigten sich im dritten Quartal deutlich: Die annualisierte Wachstumsrate der Neugeldzuflüsse betrug für die ersten neun Monate bereits „nahezu 4 Prozent“, nachdem im ersten Halbjahr die Wachstumsrate mit +2,3 Prozent noch klar langsamer war.

Bruttomarge etwas zurückgekommen
Die Bank verdiente auf den verwalteten Vermögen von Juli bis September allerdings wieder etwas weniger als noch im ersten Halbjahr 2020. Nach der ausserordentlichen Zunahme der Marktvolatilität und der Handelsvolumen in den ersten vier Monaten des Jahres sei die Bruttomarge wieder auf einen „nachhaltigeren Stand“ zurückgekommen, so die Bank.

Die Bruttomarge lag für die ersten neun Monate noch bei 89 Basispunkten (BP) nach 92 BP im Halbjahr. Damit fiel sie aber weiterhin deutlich höher aus als noch im Geschäftsjahr 2019 (82 BP).

Kosten-Massnahmen
Auf der Kostenseite konnte die Bank auch von den „ersten Auswirkungen“ der im ersten Halbjahr 2020 ergriffenen Massnahmen profitieren. Im Februar hatte die Julius Bär-Führung angekündigt, die Kostenbasis um rund 200 Millionen Franken zu reduzieren und dabei rund 300 Arbeitsstellen abzubauen.

Die Cost/Income-Ratio für die ersten neun Monate verbesserte sich in der Folge auf 66,1 Prozent nach einem Wert von 66,6 Prozent im Halbjahr. Die Bank vermeldete auch weitere Fortschritte bei ihren „strategischen Initiativen“. So hat Julius Bär den angekündigten Verkauf des Bahamas-Geschäfts abgeschlossen, zudem wurde ein neues Vergütungssystem für Kundenberater eingeleitet, das ab 2021 in den wichtigsten Märkten in Kraft treten wird.

Weiterer Abschreiber wegen Kairos
Bei der italienischen „Problemtochter“ Kairos hat Bär nun einen aktualisierten Businessplan und eine „neue unternehmerische Eigentümerstruktur“ entwickelt. Eine „ausgewählte Anzahl wichtiger Investment-Manager“ von Kairos wird nun zu Minderheitsaktionären am italienischen Unternehmen, Julius Bär behält aber einen Anteil von 70 Prozent.

Die Abflüsse bei Kairos hätten sich in den letzten Monaten abgeschwächt, die verwalteten Vermögen beliefen sich Ende September 2020 auf 5 Milliarden Franken, schrieb die Bank weiter. Julius Bär schreibt nun den Goodwill auf Kairos weiter ab. Im IFRS-Finanzergebnis 2020 wird dies laut den Angaben zu einer „nicht geldwirksamen Belastung“ von 177 Millionen Euro respektive rund 190 Millionen Franken führen.

Erwartungen übertroffen
Mit den am Montag vorgelegten Zahlen hat die Vermögensverwaltungsbank die Erwartungen am Markt deutlich übertroffen. So hatten die Analysten gemäss AWP-Konsens die verwalteten Vermögen bei 408,7 Milliarden Franken erwartet. Auch die Neugeldzuflüsse hatten die Experten annualisiert mit 2,3 Prozent tiefer geschätzt. Bruttomarge (Schätzung 86,2 Prozent) wie auch CI-Ratio (Schätzung 68,4%) fielen ebenfalls über den Erwartungen aus.

Julius Bär hat seinen Zwischenbericht ausnahmsweise für die ersten neun Monate des Jahres vorgelegt statt wie gewohnt für die ersten zehn Monate. Grund ist die für den 2. November angesetzte ausserordentliche Generalversammlung, an der die Aktionäre über die Ausschüttung der zweiten Dividendentranche von 0,75 Fr. entscheiden werden. (awp/mc/pg)

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