Leitzinsen: US-Notenbank hält sich alle Optionen offen

Janet Yellen
Janet Yellen, scheidende Fed-Chefin. (Foto: © United States Government Work)

Janet Yellen, Chefin US-Notenbank Federal Reserve. (© US Government Work)

Washington – Die amerikanische Notenbank Fed hält den Zeitpunkt der lang erwarteten Zinswende offen. Konkrete Hinweise, wann die Zinsen in den USA wieder steigen werden, gab die Federal Reserve am Mittwochabend nicht. Nach ihrer zweitägigen Sitzung beschloss der geldpolitische Ausschuss FOMC, den Leitzins zunächst an der Nulllinie zu belassen. Seit Ende 2008 liegt die Fed Funds Rate in einer Spanne zwischen null und 0,25 Prozent.

In ihrer Erklärung zum Zinsentscheid gab sich die Notenbank etwas weniger zuversichtlich als nach ihrer jüngsten Zinssitzung vor einem Monat. In den Wintermonaten habe sich das Wachstum abgeschwächt, was allerdings auch auf temporäre Effekte zurückzuführen sei. Auch die Stellenzuwächse am Arbeitsmarkt hätten sich abgeschwächt. Die Konsumausgaben seien nicht mehr so stark gestiegen, und die Investitionen der Unternehmen seien schwächer ausgefallen. Die Inflation bewege sich nach wie vor unterhalb des Fed-Zielwerts von zwei Prozent.

Schwächere Konjunktur
Die Federal Reserve steuert seit längerem auf ihre erste Zinsstraffung seit Mitte 2006 zu. Dabei sieht sie sich jedoch entgegengesetzten Kräften ausgesetzt: Einerseits hat sich die Lage am Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren klar gebessert, der jüngste Jobbericht vom März hat aber enttäuscht. Dennoch ist die Arbeitslosigkeit in den vergangenen Monaten stark gefallen.

Gesamtwirtschaftlich sieht es prinzipiell gut aus. Allerdings haben Wirtschaftsdaten in den vergangenen Wochen mehrheitlich enttäuscht. Am Mittwoch wurde zudem bekannt, dass das Wachstum im ersten Quartal kaum über eine Stagnation hinaus kam. Ökonomen sehen den Rücksetzer wie die Fed als zeitweilig an, weil er durch das extreme Winterwetter und Streiks an wichtigen Häfen mit verursacht wurde.

Starker Dollar belastet
Auf der anderen Seite ist unklar, ob sich die Wirtschaft im Jahresverlauf tatsächlich wieder fängt. Risiken sehen Analysten vor allem in dem starken Dollar, der die Ausfuhren für ausländische Abnehmer verteuert und den Aussenhandel belastet. Zudem drückt er über günstige Importe die ohnehin schwache Inflation. Auch der Preisauftrieb durch steigende Löhne und Gehälter ist bis zuletzt allenfalls moderat gewesen.

Notenbankchefin Janet Yellen wird deshalb nicht müde zu betonen, dass der geldpolitische Kurs in erster Linie von der konjunkturellen Entwicklung abhängt. Auch das zeigt, dass sich die Zentralbank nicht festlegt und alle Optionen offen hält. An den Finanzmärkten wird die Zinswende erst für Ende 2015 erwartet, Analysten halten dagegen einen früheren Zeitpunkt für möglich. Zahlreiche Notenbanker aus den Reihen der Fed weisen zudem darauf hin, dass das Straffungstempo wohl deutlich langsamer ausfallen wird als in früheren Phasen.

Verhaltene Marktreaktionen
An den Märkten hielten sich die Reaktionen auf die Notenbankerklärung in Grenzen. Mit am stärksten reagierte der Dollar, der seine im Tagesverlauf erlittenen Verluste etwas eindämmen konnte. Der Euro fiel im Gegenzug auf gut 1,11 Dollar zurück, nachdem er vor den Fed-Entscheidungen stark zugelegt und in Richtung 1,12 Dollar gestiegen war. (awp/mc/upd/pg)

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