Lombard Odier: Die Digitalisierung schafft Mehrwert für Vermögensverwalter und ihre Kunden

Laurent Pellet
von Laurent Pellet, Global Head of External Asset Managers, Lombard Odier. (Foto: zvg)

Angesichts der regulatorischen Entwicklung ist die operative Effizienz zu einem Schlüsselfaktor geworden. Um die Kosten zu senken, braucht es massgeschneiderte digitale Lösungen, die auf die Bedürfnisse der externen Vermögensverwalter abgestimmt sind.

Dies wird zu einer stärkeren Personalisierung und Individualisierung führen, wie sie im Zentrum der Beziehung zwischen dem Vermögensverwalter und seinem Kunden steht.

Jahr für Jahr definiert die Regulierung die rechtliche Landschaft und damit auch die Vermögensverwaltung neu. Diese gesetzlichen Bestimmungen wirken vertrauensbildend und zwingen die Finanzinstitute zu einer langfristigen Ausrichtung. Damit verbunden sind entsprechende Investitionen der Depotbanken und externen Vermögensverwalter, um die daraus resultierende Arbeitsbelastung zu bewältigen.

Das Inkrafttreten der neuen Gesetze und Verordnungen zu den Finanzdienstleistungen (FIDLEG/FIDLEV) und Finanzinstituten (FINIG/FINIV) zum 1. Januar 2020 wird da keine Ausnahme bilden. Eine kürzlich von der Boston Consulting Group durchgeführte Studie über externe Vermögensverwalter hat die Auswirkungen dieser neuen Verordnung aufgezeigt und die Bedenken der externen Vermögensverwalter bestätigt: Fast 42% der befragten Finanzintermediäre erwarten einen deutlichen Anstieg der manuellen Eingriffe, 30% glauben, dass sie ihr Geschäftsmodell ändern müssen, und 18% halten technologische Anpassungen für notwendig.

Der Schereneffekt, eine grosse Herausforderung
Die Erträge und Kosten driften immer stärker auseinander. Die neuen Vorschriften werden diese Entwicklung nur noch verschärfen, was bei einigen Vermögensverwaltern eine rasche, ja sogar radikale Anpassung des Geschäftsmodells erfordert. Jeder arbeitet daran, die Kosten seiner Struktur durch die Steigerung der betrieblichen Effizienz zu senken. Gewinne werden über Anpassungen der technologischen Infrastruktur, aber auch über Investitionen in zunehmend integrierte Tools erzielt.
Während die Restrukturierung der Branche läuft, gibt es bereits innovative Lösungen, die auf die Besonderheiten der einzelnen Vermögensverwaltungsgesellschaften abgestimmt sind. Die Wahl der einzelnen Lösungen wird vom Geschäftsmodell, von der Grösse, der Komplexität und den personellen und finanziellen Ressourcen des Unternehmens abhängen. Die Unterstützung der Depotbank bei diesem Prozess ist unerlässlich, damit leistungsfähige Instrumente ausgewählt werden.

Massgeschneiderte digitale Lösungen für jedes Bedürfnis
Die von den Depotbanken zur Verfügung gestellten Portfoliomanagementsysteme (PMS) ermöglichen den Depotbanken bereits heute, alle Daten ihrer Kunden, die bei der jeweiligen Bank ein Konto eröffnet haben, zu visualisieren. Und zwar in einem einzigen Tool – bei den leistungsstärksten Systemen sogar unter Berücksichtigung der länderspezifischen Bestimmungen. In der Zukunft wird es darum gehen, ein leistungsfähiges und zentralisiertes PMS mit einem integrierten CRM einzuführen, über das die Vermögensverwalter die von ihren Depotbanken bereitgestellten Datenflüsse abrufen. Diese Integration wird den Vermögensverwaltern ermöglichen, sich auf ein einziges Instrument zu beschränken. Damit werden sie nicht mehr auf verschiedene Bankplattformen parallel zugreifen müssen.

Grössere Strukturen sind daran interessiert, die Auftragsvergabe zu industrialisieren und zu automatisieren, indem sie sich diesmal auf Daten stützen, die vom Vermögensverwalter zur Bank fliessen. Auch die als „gegenseitige PMS-Konnektivität“ bezeichnete oder dem „Fix-Protokoll“ (internationaler Standard für den elektronischen Handel) unterliegende Vernetzung ermöglicht eine bessere Konnektivität zwischen der externen Vermögensverwaltungsgesellschaft und den Depotbanken. Kurzfristig wird die Möglichkeit, Aufträge aus dem eigenen PMS an verschiedene Depotbanken zu erteilen, Realität sein und bei der Wahl der Bankpartner eine wichtige Rolle spielen.

Diese Digitalisierung der Prozesse geht weit über das Portfoliomanagement hinaus. Automatisierte Vermögensverwaltungskontrollen, die beispielsweise den von MiFID II für Europa und bald auch vom FIDLEG vorgeschriebenen „Suitability Test“ sicherstellen, aber auch die elektronische Archivierung, insbesondere zur Digitalisierung der Bankkorrespondenz, sind Funktionalitäten, die den Verwaltungsaufwand reduzieren. Die dadurch eingesparte wertvolle Zeit kann dem Kunden gewidmet werden.

Differenzierendes Kundenerlebnis
Der technologische Wandel wird auch zu einem besseren Kundenerlebnis führen. Morgen wird der Markt externen Vermögensverwaltern, auch über das Smartphone, ganze Paletten von eBanking-Lösungen anbieten, die sie ihren Endkunden unterbreiten können. Diese Dienstleistungen werden in ein digitales Erlebnis mit intuitiven, einfach zu bedienenden und personalisierten Anwendungen eingebettet sein. Und werden so dazu beitragen, das Kundenerlebnis auf eine ganz neue Stufe zu heben. Dies wird zu einer stärkeren Personalisierung und Individualisierung führen, wie sie im Zentrum der Beziehung zwischen dem Vermögensverwalter und seinem Kunden steht.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Fähigkeit, die neuen Technologien so einzubinden, dass sie den Kunden einen echten Mehrwert bringen. Die Digitalisierung ist als Wachstumstreiber für die Vermögensverwaltung anzusehen. In der Zukunft wird sie ein wichtiger Differenzierungsfaktor für Banken und externe Vermögensverwalter sein.

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