Marco Heyer, Executive Director, Standard Chartered Bank

Standard Chartered

Marco Heyer, Executive Director bei Standard Chartered Bank.

Von Martin Raab, Derivative Partners Media AG, www.payoff.ch.

payoff im Gespräch mit Marco Heyer, Executive Director bei Standard Chartered Bank, über den Wachstumsmarkt Afrika, gesunkene Risiken auf dem schwarzen Kontinent, hochrentierliche Investments und künftige Produktpläne.

payoff: Herr Heyer, ganz generell, was spricht derzeit für Afrika als Anlageziel?

Marco Heyer: Der Kontinent ist dank einer ganzen Reihe von Reformen auf einem ungeahnten Wachstumspfad. Das Research von Standard Chartered hat das Konzept des «7% Clubs» lanciert. Zu diesem Club zählen wir Länder, die es mittelfristig schaffen pro Jahr um 7% zu wachsen. Wenig überraschend ist in diesem Zusammenhang, dass die Mehrheit dieser wachstumsstarken Länder in Afrika ist. Nimmt man sich darüber hinaus die Prognosen des IWF zur Hand, wird dieser Trend bestätigt. Sieben afrikanische Staaten zählen zu den zehn am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt – unter anderem die Cote d’Ivoire, Sambia und Nigeria.

Reformen tönt sehr allgemein. Was wurde denn konkret angestossen?

Zunächst haben viele Staaten ihre chronischen Infrastrukturprobleme zunehmend in den Griff bekommen, die Professionalität im Staatsapparat verbessert und dank westlichem Know-How ganze Wirtschaftszweige modernisiert. Befeuert wurden die Staatsbudgets durch den wachsenden Handel zwischen Afrika und anderen Emerging Markets sowie natürlich China. Zusätzlich sind die Rohstoff-Förderung und der Export in einigen Staaten sprunghaft angestiegen. Das führte letztlich zum Erwachen einer afrikanischen Mittelschicht, die verstärkt in urbanen Regionen lebt.

Der afrikanische Kontinent ist riesig. Welche konkreten Länder bieten in den nächsten 12 Monaten das grösste Potenzial?

«Die Professionalisierung des Finanzmarkts schreitet schneller voran als gedacht.»
Marco Heyer, Executive Director, Standard Chartered Bank

Wir sind sehr zuversichtlich für die Cote d’Ivoire. Die Wirtschaft dort löst sich zunehmend vom Trauma des jahrzehntelangen Bürgerkriegs. Die Wachstumsaussichten sind sehr gut, die Bewertungsniveaus sehr tief. Parallel helfen die breite internationale Unterstützung und die steigenden Direktinvestitionen. Das Land ist ein regionales Schwergewicht, dank bedeutendem Landwirtschaftssektor und Ölproduktion. Des Weiteren ist Kenia nach den Wahlen mit grösserer politischer Stabilität gesegnet und auf dem Weg seinen Status als regionaler Champion in Ostafrika wiederzuerlangen. Auch dort steigen die Direktinvestitionen wieder an. Die Ostküste Afrikas ist zunehmend Investorenmagnet – dank grosser Gasvorkommen in Tansania und Mosambik.

Die lokalen Börsen in Afrika werden oft belächelt…

Zu Unrecht, die Professionalisierung schreitet schneller voran als gedacht. Auch Ausländische Investoren sind inzwischen für rund die Hälfte der Börsenumsätze in Nigeria, Kenia oder Ghana verantwortlich, in Märkten wie Sambia sogar für 80% der Umsätze. Die stärksten Zuwächse haben die Sektoren Telecom, Energie und Finanz. Diese profitieren vom Aufschwung einer kaufkraftstärkeren Mittelklasse.

Was sind die grössten Börsenplätze Afrikas hinsichtlich Marktkapitalisierung?

Ganz klar Südafrika, immer noch gefolgt von Ägypten und auf Platz drei rangiert Nigeria. Auf den weiteren Plätzen rangieren Namibia, Zimbabwe und Marokko.

Wo liegen die Risiken für Investments in afrikanische Anlagen?

Man sollte sich klar sein: Viele Staaten Afrikas stehen an der Schwelle zu Emerging Markets. Das bringt mangelnde Liquidität und eingeschränkte Handelbarkeit mit sich. Darüber hinaus ist das Marktrisiko in einigen Regionen nur schwer einschätzbar. Andererseits gibt es aber auch sehr erfreuliche Verbesserungen an den jeweiligen Finanzplätzen. Der Anlegerschutz wird Schritt für Schritt verbessert und die Regulierung vereinheitlicht. Ein Grossteil von Offshore-Anlagequellen wird jedoch bis dato weniger über die lokalen Börsen investiert, sondern via Private Equity.

Wie können sich Anleger über Investment-Themen in Afrika informiert halten?

Wir haben als führende Bankengruppe mit Fokus auf die Emerging Marktes natürlich ein spezielles Afrika-Research-Team. Dort werden regelmässig und auch ad-hoc aktuelle Makro-Themen analysiert. Ebenso up-to-date ist unser Fixed-Income-Research, das ad-hoc Analysen über grosse afrikanische Unternehmen erstellt und veröffentlicht. Standard Chartered ist in den meissten afrikanischen Staaten mit einer lokalen Niederlassung vor Ort.

Welche Investmentprodukte mit Bezug zu Afrika bieten Sie an?

Afrika ist für uns seit 100 Jahren ein bekanntes Terrain. Wir haben eine entsprechend grosse Palette an Investmentlösungen mit direktem Bezug zum afrikanischen Markt. So umfasst unser Angebot auch einige ausgezeichnete Strukturierte Produkte auf afrikanische Währungen – sogar Kapitalschutzprodukte mit Bezug zu Afrika. Auf der Couponseite gibt es weiterhin durch unsere Finanzierungs- und Origination-Aktivitäten attraktive Offerten. So sind wir einer der wenigen Anbieter, die beispielsweise Exposure über Credit Linked Notes zu afrikanischen Konzernen offerieren können. Diese sind in Lokalwährung oder Hard Currencies wie CHF, EUR oder USD verfügbar.

Wie hoch muss man sich die CLN-Renditen afrikanischer Credits vorstellen?

Je nach Ausgestaltung sind bis zu 20% p.a. sind keine Seltenheit. Die Laufzeiten sind allerdings eher im kurzfristigen Bereich.

Gibt es ein Investment oder eine Anlagestrategie, die Sie derzeit empfehlen können?

Die Bonds von Ghana oder Nigeria, hier die 10-jährige Staatsanleihe, erscheinen uns attraktiv. Auch die angekündigte Emission der Republik Kenia könnte, je nach individuellem Risikoprofil des Investors, eine gute Anlage sein.

«Wir arbeiten derzeit an einigen Flagschiffprodukten zum Anlagethema Afrika.»

Welche Pläne haben Sie im Bereich Strukturierte Produkte zu Afrika?

Wir arbeiten derzeit an einigen Flagschiffprodukten zum Anlagethema Afrika, wie zum Beispiel an «Participation-Notes» mit Bezug auf Nigeria. Das ist eine der wichtigsten Volkswirtschaften Afrikas aber fast kein ausländischer Investor hat Marktzugang und kann vom Aufschwung profitieren. Wir bieten hier mit Hilfe von Strukturierten Produkten die Möglichkeit lokal zu partizipieren.

Abschliessend gefragt: Welche Afrika-Aktien sind am vielversprechendsten?

Wir geben aktuell keine direkten Kauf- oder Verkaufsempfehlungen zu afrikanischen Aktien, doch decken wir 650 asiatische Aktien mit Researchempfehlungen ab. Da scheint zum Beispiel die Aktie von Bharti Telecom, eigentlich in Indien gelistet, mit lokalen Mobilfunkangeboten in ganz Afrika als vielversprechend.

Herzlichen Dank für das Interview!

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