Munich Re hofft auf steigende Prämien

Ludger Arnoldussen

Munich-Re-Vorstandsmitglied Ludger Arnoldussen.

Baden-Banden – Der weltgrösste Rückversicherer Munich Re hofft angesichts von Niedrigzinsen und hohen Katastrophenschäden auf höhere Preise im Schaden- und Unfallgeschäft. Die niedrigeren Erträge aus Kapitalanlagen müssten bei der Festsetzung der Prämien «ausreichend berücksichtigt werden», sagte Vorstandsmitglied Ludger Arnoldussen am Montag beim Branchentreffen in Baden-Baden. Bei der Vertragserneuerung zum Jahreswechsel rechnet er in vielen Bereichen jedoch nur mit einer Stabilisierung der Prämien.

Einen scharfen Schuldenschnitt für Griechenland fürchtet die Munich Re unterdessen kaum: Der Rückversicherer hatte seinen Anleihenbestand bereits zur Jahresmitte auf die Hälfte abgeschrieben. Auch wenn die Staatsschuldenkrise die Banken erwischt, erwartet Arnoldussen keine ernsthaften Probleme für die Munich Re. Der Rückversicherer habe seine Kapitalanlagen von mehr als 200 Milliarden Euro breit gestreut. Dabei gälten Obergrenzen, um in keinem Land und keiner Branche zu stark engagiert zu sein.

Aktienrückkauf vorerst nicht fortgesetzt
Laut einem Bericht der «Financial Times Deutschland» (Montag) prüft derzeit die deutsche Finanzaufsicht Bafin, wie viel Geld Versicherer den Banken geliehen haben. Trotz ihrer optimistischen Einschätzung will die Munich Re ihr Geld weiterhin zusammenhalten. Der im Frühjahr gestoppte Aktienrückkauf werde vorerst nicht wieder aufgenommen, sagte Arnoldussen. Die Munich-Re-Aktie reagierte zunächst mit einem Kurssprung auf die Nachrichten. Am Mittag lag das Papier noch mit 0,83 Prozent im Plus bei 98,616 Euro.

Steigende Preise bei Vertragserneuerung erwartet

Bei der Lösung der Staatsschuldenkrise unterstützt die Munich Re das diskutierte Versicherungsmodell für den Euro-Rettungsfonds EFSF. Dabei steht der Rettungsfonds nur für die erwartete Ausfallquote der Schulden eines Staates gerade. Der Rest des Darlehens kommt von privaten Investoren. Dieses Modell könne nicht so leicht aus dem Ruder laufen wie der ebenfalls diskutierte Kredithebel, sagte Arnoldussen. Trotzdem könne die Wirkung der EFSF-Mittel auf diese Weise vervielfacht werden.

Katastrophenreiches Jahr
Bei der Vertragserneuerung in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung zum anstehenden Jahreswechsel erwartet die Munich steigende Preise vor allem in denjenigen Gebieten, die 2011 von Katastrophen heimgesucht wurden. Erdbeben und Tsunami in Japan, die Fluten in Australien und das Beben in Neuseeland hatten die Branche im ersten Halbjahr schwer getroffen. Noch zur Jahresmitte steckte die Munich Re in den roten Zahlen. Die Katastrophe in Japan deckte auf, wie stark Industriebetriebe in aller Welt miteinander vernetzt sind. Nachdem die Produktion in Japan einige Tage stillstand, drohten in europäischen Werken schon die Teile auszugehen.

Industrielle Abhängigkeit in Auto- und Chip-Branche hoch

Vor allem Autohersteller und die Chipindustrie hätten hier eine offene Flanke, schätzt die Munich Re. Erdbeben und Stürme in einer Region könnten diesen Industriezweigen Folgen in der ganzen Welt nach sich ziehen. Die Chipindustrie sei vor allem in Japan, dem Westen der USA und in Taiwan in Gefahr. In der Autobranche sieht die Munich Re eine grosse Abhängigkeit von Zulieferern an der US-Westküste und in Japan.

«Oft werde ein Teil nur noch von einem einzigen Zulieferbetrieb hergestellt», sagte Arnoldussen. Wenn dieser von einer Katastrophe getroffen werde, hätten dessen Kunden ein grosses Problem. Diese Unternehmen müssten sich künftig überlegen, ob sie ihre einseitige Abhängigkeit mit höheren Prämien gegen Betriebsausfall versichern oder lieber einen zweiten Zulieferer ins Boot holen wollten. (awp/mc/ps)

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