Nationalbank prüft Systemrelevanz von Postfinance

Hansruedi Köng
Postfinance-CEO Hansruedi Köng. (Foto: Postfinance)

Hansruedi Köng, CEO Postfinance. (Foto: Postfinance)

Zürich – Die Schweizerische Nationalbank (SNB) prüft offenbar, ob auch die Postfinance unter den heimischen Banken als «too big to fail» einzustufen ist. Der Chef des Finanzdienstleisters der Schweizerischen Post, Hansruedi Köng, sagte gegenüber der «Neuen Zürcher Zeitung», dass die SNB der Postfinance in der vergangenen Woche mitgeteilt habe, eine allfällige Systemrelevanz prüfen zu wollen.

Unternehmenssprecher Johannes Möri bestätigte AWP die gegenüber der Zeitung gemachten Angaben. «Zur voraussichtlichen Dauer oder einem möglichen Ergebnis der Prüfung können wir keine Angaben machen,» sagte er weiter. Dem NZZ-Artikel zufolge betonte Köng, dass die Postfinance vorausschauend bereits Massnahmen im Hinblick auf eine mögliche Systemrelevanz getroffen habe. Dabei nennt er unter anderem den Aufbau eines zweiten Rechenzentrums in Zofingen. Zudem betrage die regulatorische Kapitalquote bei einem anrechenbaren Eigenkapital von 5,1 Mrd CHF 22,2%, was über den Anforderungen von Basel III und der Finma liege.

Strengere Vorschriften
Erst Mitte August war die Raiffeisen-Gruppe von der Notenbank als systemrelevant für die Schweizer Volkswirtschaft eingestuft worden. Die Finanzinstitute, die in dieser «too big to fail»-Kategorie geführt werden, müssen strengere Vorschriften etwa in Bezug auf Eigenmittel erfüllen oder Notfallpläne zur Sicherstellung der systemrelevanten Funktionen erarbeiten. Neben Raiffeisen gelten bisher auch die ZKB sowie die Grossbanken UBS und CS als systemrelevant.

Nummer 1 im Schweizer Zahlungsverkehr
Aufgrund ihrer Position im Schweizer Finanzmarkt galt die Postfinance bereits zuvor als Kandidat für eine solche Prüfung. Die Bank hat laut den am Dienstag veröffentlichten Semesterzahlen 486 Mio Transaktionen im In- und Ausland abgewickelt und ist die Nummer eins im Schweizer Zahlungsverkehr. Sie verwaltet zudem Kundenvermögen in Höhe von 115 Mrd CHF, was einem Plus gegenüber dem Vorjahr von 4% entspricht.

Der Geschäftsertrag der Postfinance ging im ersten Halbjahr um 6% auf 786 Mio CHF zurück, das Betriebsergebnis wurde durch höhere Aufwendungen um 29% auf 296 Mio geschmälert. Der Neugeldzufluss sank deutlich um 63% auf 923 Mio CHF. Dies wurde von dem Unternehmen damit erklärt, dass seit der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft konkurrenzierende Banken weniger bei der Postfinance anlegen würden. (awp/mc/pg)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.