Nicht genug Interesse an EZB-Geldspritzen

Mario Draghi
EZB-Präsident Mario Draghi. (Bild: EZB)

EZB-Präsident Mario Draghi. (Bild: EZB)

Frankfurt – Das Interesse der Banken an neuen Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Bekämpfung von Niedriginflation und Wachstumsschwäche bleibt verhalten. Wie die EZB am Donnerstag in Frankfurt mitteilte, wollen insgesamt 306 Geldhäuser auf Langfristkredite in Höhe von 129,8 Milliarden Euro zurückgreifen. Das ist zwar deutlich mehr, als die Banken in einer ersten Runde im September nachgefragt hatten. Allerdings hatten Bankvolkswirte mit einer Nachfrage von 150 Milliarden Euro gerechnet. Vom Erfolg der Geldspritzen hängt ab, ob die EZB zu noch schärferen Waffen wie massiven Anleihekäufen greift.

Im September hatten die Geldhäuser 82,6 Milliarden Euro nachgefragt. Damit beläuft sich das bislang ausgereichte Zentralbankgeld auf etwas mehr als 212 Milliarden Euro. Die maximal mögliche Summe von 400 Milliarden Euro, die sich an der bisherigen Kreditvergabe der Banken orientiert, wurde bei weitem nicht ausgeschöpft. Gründe dafür sehen Bankvolkswirte unter anderem in einer konjunkturbedingt schwachen Nachfrage nach Bankkrediten und in einer geringeren Kreditwürdigkeit von Darlehensnehmern in Euro-Krisenländern. Zudem hielten sich die Banken zurück, weil sie seit einigen Monaten Strafzinsen auf EZB-Guthaben zahlen müssen, kommentierten Volkswirte der Landesbank Hessen-Thüringen.

Langfristkredite sollen Kreditvergabe anschieben
Die neuen Langfristkredite (Targeted longer-term refinancing operations, TLTROs) sollen im Gegensatz zu früheren Geldspritzen zielgerichtet vergeben werden, um die schwache Kreditvergabe im Euroraum anzuschieben: Die abrufbaren Kredite bemessen sich nach der Kreditvergabe der Banken. Damit soll verhindert werden, dass die Geldhäuser das Zentralbankgeld nicht wieder für den Erwerb von Staatsanleihen verwenden, sondern als Kredite in die Wirtschaft leiten.

In sechs weiteren Runden, beginnend ab März 2015, können die Banken zusätzliches Geld nach Massgabe ihrer Neukreditvergabe abrufen. Die TLTROs haben eine Laufzeit von bis zu vier Jahren. Fliesst das Geld nicht in die Wirtschaft, müssen die Kredite zwei Jahre früher zurückgezahlt werden. Der Zinssatz beträgt 0,15 Prozent. Er ergibt sich aus dem Leitzins von 0,05 Prozent zuzüglich einem Aufschlag von 0,1 Prozentpunkten.

Bilanzeffekt zweifelhaft
Zusammen mit bereits begonnenen Käufen von gedeckten Bankanleihen (Covered Bonds) und Kreditverbriefungen (ABS) sollen die Langfristkredite helfen, die Bilanz der Notenbank um eine Billion Euro auszuweiten. Viele Beobachter bezweifeln, dass die bisher beschlossenen Massnahmen dafür ausreichen. Bis jetzt ist der gewünschte Effekt jedenfalls ausgeblieben: Die EZB-Bilanz stagniert bei zwei Billionen Euro. Analysten erwarten deswegen, dass die EZB im kommenden Jahr in den breitangelegten Kauf von Unternehmens- und Staatsanleihen (quantitative Lockerung) einsteigt. (awp/mc/ps)

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