Ökonomen-Stimmen zu den geldpolitischen Beschlüssen der US-Notenbank

Fed
Fed-Chef Jerome Powell. (Foto: Fed/Flickr)

Washington / Frankfurt – Die US-Notenbank Federal Reserve will schneller aus ihrer extrem lockeren Geldpolitik aussteigen als bisher beabsichtigt. Zum einen sollen die milliardenschweren Käufe von Wertpapieren wie Staatsanleihen schneller zurückgefahren werden. Zum anderen werden angesichts der hohen Inflation raschere Zinsanhebungen in Aussicht gestellt. Wie die Fed am Mittwoch nach ihrer Zinssitzung in Washington mitteilte, sollen die immensen Wertpapierkäufe im Januar um 30 Milliarden US-Dollar verringert werden.

Ökonomen zu den geldpolitischen Entscheidungen:

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank
«Die Fed dürfte sich weniger vor den aktuell hohen Inflationsraten fürchten als vielmehr vor den etwaigen daraus abgeleiteten Erwartungen. Würden etwa Verbraucher zur Schlussfolgerung kommen, dass die Teuerungsraten über einen längeren Zeitraum hoch bleiben würden, könnte mehr Lohn eingefordert werden. Höhere Arbeitnehmerentgelte könnten dann wiederum Unternehmen auf ihre Produkte umwälzen. Damit wäre dann die vielgefürchtete Lohn-Preis-Spirale in Gang gesetzt. Genau dem möchte die Fed mit einem energischen Vorgehen entgegenwirken. Das aus Washington gesendet Signal soll auch in den entlegensten Winkel der USA dringen und lautet: Eine zu hohe Inflation wird nicht geduldet.»

Bernd Weidensteiner und Christoph Balz, Volkswirte Commerzbank
«Der überraschend massive Anstieg der Inflation hat die Fed zu einer Kehrtwende veranlasst. Die Ansicht, dass die Inflation vor allem auf vorübergehende Effekte zurückzuführen sei und sich daher im Jahr 2022 rasch abschwächen würde, war nicht mehr haltbar. Um die Kontrolle über die Preisentwicklung nicht zu verlieren, ist eine rasche Beendigung der lockeren Geldpolitik notwendig. Das beschleunigte Ende der Anleihekäufe macht den Weg frei für mehrere Zinserhöhungen im nächsten Jahr. Wir sehen unsere Prognose von drei Zinserhöhungen, die erste voraussichtlich im Frühjahr, bestätigt.»

Elmar Völker, Volkswirt Landesbank Baden-Württemberg
«Dies ist nur der Auftakt für verstärkte geldpolitische Abwehrmassnahmen gegen eine dauerhaft hohe Inflation. Die neuen Leitzinsprojektionen machen deutlich, dass es nach Ende des Taperings nicht mehr allzu lange dauern dürfte, bis auch die Leitzinsen wieder zu steigen beginnen. Wir rechnen derzeit mit einer ersten Zinsanhebung um die Jahresmitte 2022. Es könnte sogar noch zügiger gehen, falls die Inflationsängste bis zum Frühjahr weiterwachsen. Eine nennenswerte Verzögerung des geldpolitischen ‹Exits› der Fed wäre nur dann zu erwarten, falls die Omikron-Variante des Coronavirus den US-Konjunkturaufschwung massiv ausbremst – eine Hintertür bleibt insofern mit Blick auf den Pandemieverlauf stets offen.»

Christian Scherrmann, US-Volkswirt bei der Fondsgesellschaft DWS
«Es scheint, als sei die heutige Entscheidung eine erste Massnahme, um die Glaubwürdigkeit der Fed als Inflationsmanager wieder herzustellen. Gerechtfertigt wurde dies jedoch auch durch einen gestiegenen Optimismus in Bezug auf eine ’schnelle› Annäherung an die maximale Beschäftigung. Eine weitere Drosselung der Ankäufe bringt die US-Notenbank implizit in eine Situation, in der die Zinsen bereits im zweiten Quartal 2022 angehoben werden können – sollte die Inflation erneut überraschen. Das Ziel der maximalen Beschäftigung bleibt jedoch weiterhin etwas nebulös.»

Birgit Hensler, Anleiheexpertin DZ Bank
«Aufgrund der rasant steigenden Inflationsraten in den USA – im November lag die Teuerung bei 6,8 Prozent – drückt die US-Notenbank beim Tapering auf das Gaspedal. Die Anleihekäufe werden nun um 30 Milliarden US-Dollar pro Monat reduziert. Im Vergleich zum Vormonat ist das eine Verdoppelung. Die Krisenhilfen der US-Regierung werden damit im kommenden März beendet. Das macht den Weg für eine erste Leitzinserhöhung frei – laut den Notenbankern könnte es davon im kommenden Jahr sogar bis zu drei geben.»

Thomas Altmann, Analyst QC Partners
«Die Fed drückt ordentlich aufs Tempo. Auch die Omikron-Variante hält die Fed nicht von einer schnelleren Straffung ihrer Geldpolitik ab. Omikron wird im neuen Fed-Statement zwar erwähnt, spielt aber nur eine Nebenrolle. Die Hauptrolle spielt die Inflation. Das bisher so wichtige Wort ‹transitory› ist aus dem Statement verschwunden. Und damit sendet die Fed eine deutliche und wichtige Botschaft: Die Fed rechnet nicht mehr mit einem kurzfristigen Rückgang der Inflationsrate. Die Fed richtet sich darauf ein, dass die Inflationsrate länger über dem Ziel der Notenbank liegen wird.» (awp/mc/ps)

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