Rechtsrisiken reissen Deutsche Bank wieder in Verlustzone

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Anshu Jain (r.) und Jürgen Fitschen, das Co-Führungsduo der Deutschen Bank. (Foto: Deutsche Bank)

Frankfurt am Main – Ihre zahlreichen Rechtsstreitigkeiten belasten die Deutsche Bank weiter schwer. Im dritten Quartal zehrten neue Rückstellungen für juristische Baustellen die operativen Fortschritte auf. Unter dem Strich rutschte das Institut mit einem Fehlbetrag von 92 Millionen Euro in die roten Zahlen, wie es am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Vor einem Jahr standen noch 51 Millionen Euro Überschuss. Es ist der dritte Quartalsverlust in der seit zweieinhalb Jahren dauernden Amtszeit der Doppelspitze Jürgen Fitschen und Anshu Jain.

An der Börse fielen die Reaktionen unterschiedlich aus. Die Aktie schwankte vorbörslich und lag zuletzt leicht im Minus. Ein Händler bezeichnete die Resultate als durchwachsen. Allerdings habe es zumindest «keine neue Katastrophe» gegeben. Die Erleichterung darüber könne sich beim zweiten Blick auf die Resultate durchaus positiv auswirken.

Doppelspitze rechnet weiter mit Gegenwind
Die Deutsche Bank hatte bereits am Freitag im Zusammenhang mit den Ergebnissen der europäischen Bankenchecks mitgeteilt, die Rückstellungen für Rechtsrisiken im dritten Quartal um 894 Millionen auf rund drei Milliarden Euro erhöht zu haben. Ein Grossteil davon ist steuerlich nicht abzugsfähig. Deshalb fiel nun eine Steuerbelastung von 358 Millionen Euro an, während es ein Jahr zuvor noch einen Steuerertrag von 33 Millionen Euro gab. Dagegen legte das Vorsteuerergebnis von 18 Millionen Euro vor einem Jahr auf 266 Millionen Euro zu. Dabei profitierte die Bank auch von einem wieder stärkeren Investmentbanking.

Was die Aufarbeitung der juristischen Baustellen angeht, so ist ein Ende noch nicht in Sicht. «Beim Blick voraus ist kurzfristig weiterhin mit Gegenwind zu rechnen», so Jain und Fitschen. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, beschloss der Aufsichtsrat am Dienstagabend einen Umbau im Vorstand. Der frühere Eon -Finanzchef und derzeitige Goldman-Sachs-Manager Marcus Schenck übernimmt im kommenden Jahr das Finanzressort von Stefan Krause. Dieser wird künftig für die Konzernstrategie verantwortlich sein und übernimmt ein neu geschaffenes Vorstandsamt. Zudem bekommt die Bank mit Christian Sewing einen neuen Rechtsvorstand.

Verhandlungen über Libor-Einigung in den USA
Die Liste der Rechtsstreitigkeiten ist lang und einer der grössten Unsicherheitsfaktoren für das Institut. Der Vorstand hatte immer wieder erklärt, dass die Rückstellungen im Laufe des Jahres zunehmen dürften. Beispielsweise manipulierten Mitarbeiter mehrerer Grossbanken über Jahre die wichtigen Referenzzinsen für das Geldgeschäft der Banken untereinander (Libor/Euribor). Die Deutsche Bank akzeptierte Ende 2013 eine EU-Strafe. In den USA und Grossbritannien steht eine Einigung noch aus. Die könnte nun kommen – die Bank bestätigte im Quartalsbericht direkte Verhandlungen mit den Behörden.

Weitere Belastungen durch Rechtsstreitigkeiten, für die die Bank noch keine Vorsorge getroffen hat, könnten hinzukommen. Die Bank gab diese im Quartalsbericht mit 1,7 Milliarden Euro an, drei Monate zuvor bezifferte sie diese noch auf 3,2 Milliarden Euro.

Investmentbanking läuft wieder an
Vor einem Jahr war die Deutsche Bank bereits tief abgestürzt. Damals hatte sie für juristische Auseinandersetzungen 1,2 Milliarden Euro zurückgelegt. Zudem musste das Investmentbanking deutlich Federn lassen. Gerade das für die Deutsche Bank wichtige Anleihengeschäft lag wegen der Ankündigung der US-Notenbank zum Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik am Boden.

Angesichts neuer Unsicherheiten an den Finanzmärkten belebte sich dieses Geschäft seit September wieder. Das gab der Deutschen Bank einen Schub – Analysten hatten sich aber mehr erhofft. Einen leichten Gewinnzuwachs gab es auch im Privatkundengeschäft, das vor allem von einer niedrigeren Risikovorsorge profitierte – aber angesichts der Niedrigzinsen weiter keine grossen Sprünge macht.

Vermögensverwaltung im Aufschwung
Zu einer Erfolgsgeschichte für Jain und Fitschen scheint sich hingegen die Vermögensverwaltung zu entwickeln. Die lange unter Abflüssen leidende Sparte verzeichnete das dritte Quartal in Folge Zuflüsse – diesmal 17 Milliarden Euro.

Den intensiven Gesundheitschecks der Europäischen Zentralbank (EZB) hatte die Deutsche Bank am Sonntag auch ohne die im zweiten Quartal vollzogene 8,5 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung locker bestanden. Die Bank musste kaum Abstriche bei ihren Kapitalquoten machen und steht damit nach aussen hin sehr robust da. Allerdings blieben die Rechtsrisiken in den Test weitgehend aussen vor. (awp/mc/pg)

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