Robeco veröffentlicht Ausblick für 2023: „Kurzfristiger Schmerz, langfristiger Gewinn“

Rachel Whittaker
Rachel Whittaker, Head of SI-Research Robeco. (Bild: Robeco)

Rotterdam / Zürich – In seinem Jahresausblick erwartet Robeco eine deutliche Verbesserung der Renditeaussichten für die wichtigsten Anlageklassen im Jahr 2023, allerdings erst, nachdem die Inflation, die Zinsen und der US-Dollar einen Höchststand erreicht haben. Diese Spitzenwerte sind zwar in Sicht, müssen aber erst noch erreicht werden. Die Zentralbanken kämpfen weiter gegen die hohe Inflation, wobei in diesem Straffungszyklus noch zwei Zinsschritte zu erwarten sind. Die Renditen kurzfristiger Staatsanleihen liegen nach wie vor über den Leitzinsen, während die Dollarstärke anhält. Die letzte Etappe eines steilen Aufstiegs bringt kurzfristige Schmerzen. Die Perspektiven sind kurzfristig düster, und im gesamten Spektrum von Multi Asset-Anlagen haben sich unter den Anlegern Erschöpfung und Kapitulation breitgemacht.

Für das Jahr 2023 rechnet Robeco mit einem Gewinnrückgang je Aktie um 20 bis 30 %. Vor diesem Hintergrund scheinen Hochzinsanleihen attraktiver bewertet als Aktien. Da die Realzinsen voraussichtlich sinken werden und der Rückgang der Unternehmensgewinne im Jahr 2023 vollständig in den Kursen eingepreist ist, ist zum Jahr 2024 mit einem wichtigen Wendepunkt bei den Bewertungen riskanter Vermögenswerte zu rechnen. Robeco rechnet damit, dass sich Mitte 2023, wenn die Arbeitslosigkeit auf 5 % ansteigt und sich die Desinflation beschleunigt, wahrscheinlich gute Einstiegspunkte für LongDuration-Anlagen in festverzinslichen Wertpapieren geschaffen werden, gefolgt von einem ordentlichen Tiefpunkt an den Märkten für riskante festverzinsliche Wertpapiere und Aktien folgen wird. Besonders gut könnte das nächste Jahr für Aktien der Schwellenländer (ohne China) werden. Nicht nur, dass sie in einer Dollar-Baisse in der Regel besser abschneiden als ihre Pendants in den Industrieländern, der Abschwung im Ertragszyklus in den Schwellenländern ist auch reifer, weil ihre Zentralbanken den Zentralbanken der Industrieländer bei der Inflationsbekämpfung zuvorgekommen sind.

Mit Blick auf die Energiekrise wird Europa im Jahr 2023 eine Balance zwischen mehr Energieeffizienz und Absicherung seiner Wirtschaft finden müssen. Eine höhere Energieeffizienz wird nicht ausreichen, um die Region vom russischen Gas abzukoppeln. Preisdeckel zur Sicherung der Energieversorgung von einkommensschwachen Haushalten könnten die Nachfrage ebenfalls erhöhen und damit die Energiekrise verschärfen. Andererseits entstehen aus Notlagen oft neue Ideen. So rechnen wir damit, dass die Ziele der Energiewende mit verbesserter Energiesicherheit und verringerten CO2-Fussabdrücken einhergehen werden.

Robeco geht davon aus, dass der Anteil nachhaltiger Anlagestrategien an den verwalteten Vermögenswerten im Jahr 2023 erneut steigen wird, da die Anleger weiterhin nach Lösungen für die zahlreichen Herausforderungen suchen, mit denen die Menschheit konfrontiert ist. Dazu gehörten der Klimawandel, die höheren Lebenshaltungskosten und die Einkommensungleichheit.

Colin Graham, Head of Multi-Asset Solutions: „Unseres Erachtens ist der Glaube, dass die Zentralbanken in der Lage sind, einen Konjunkturabschwung zu verhindern und eine sanfte Landung im Jahr 2023 herbeizuführen, ein Irrglaube. Stattdessen rechnen wir mit einer harten Landung. Da Rezessionen tendenziell stark inflationsdämpfend wirken, sollte die Teuerungsproblematik dadurch deutlich entschärft werden. Wenn die Inflation, die Zinsen und der US-Dollar ihren Höhepunkt erreichen, wird dies im Jahr 2023 zu einer deutlichen Erholung der Renditen in allen wichtigen Anlageklassen beitragen.“

Rachel Whittaker, Head of SI-Research: „Wir sehen mehrere Gründe dafür, dass nachhaltige Investitionen schneller wachsen werden als die gesamte Branche. Einer davon ist, dass es Hinweise gibt, dass die Einbeziehung von ESG-Aspekten neben den Ergebnissen der Finanzanalyse auf längere Sicht den finanziellen Erfolg begünstigen kann – beispielsweise durch Verringerung unvorhergesehener ökologischer oder sozialer Risiken sowie durch Identifikation neuer Wachstumschancen. Darüber hinaus führt ein grösseres gesellschaftliches Bewusstsein für die Herausforderungen in punkto Nachhaltigkeit dazu, dass mehr Anleger ihre Portfolios an ihren Werten ausrichten. Unterdessen ermöglicht das zunehmende Angebot an nachhaltigen Strategien mehr Investoren, sowohl nachhaltigkeitsbezogene als auch finanzielle Ziele zu verfolgen.“ (Robeco/mc/ps)

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