SGKB Investment views: Aktien im Spannungsfeld zwischen Trump und Wirtschaft

Thomas Stucki
Von Thomas Stucki, Chief Investment Officer bei der St.Galler Kantonalbank. (Foto: SGKB)

St. Gallen – Der SMI hat im ersten Halbjahr 8.2% verloren. Was auf den ersten Blick wie ein schlechtes Aktienjahr aussieht, muss relativiert werden. Der SMI berücksichtigt keine Dividendenzahlungen. Diese fallen grösstenteils im Frühjahr an. Wenn sie eingerechnet werden, reduziert sich der Verlust auf 5.2%, was immer noch unerfreulich ist. Gelitten hat der SMI vor allem durch das schlechte Abschneiden der Grossbanken und der Indexschwergewichte Roche, Novartis und Nestlé. Knapp die Hälfte der SMI-Titel weist per Ende Juni dagegen eine positive Kursentwicklung auf. Ähnlich sieht es aus, wenn die kleineren und mittleren Titel an der Schweizer Börse betrachtet werden, welche im Durchschnitt mit einem kleinen Plus zu Buche stehen. Der SMI zeigt somit nicht die ganze Wahrheit über das Schweizer Börsenjahr 2018.

Die ersten sechs Monate des Jahres waren geprägt durch ein stetiges Auf und Ab. Das ist für Aktienmärkte nicht ungewöhnlich. Nach der Einbahnstrasse nach oben im letzten Jahr müssen sich die Anleger aber zuerst wieder an die neue Realität gewöhnen. Das ist nötig, weil dieses Muster auch im zweiten Halbjahr das Börsengeschehen prägen wird.

Politik vs. Wirtschaft
Aktuell stehen sich zwei entgegengesetzte Kräfte gegenüber, die um die Gunst der Aufmerksamkeit bei den Anlegern buhlen. Auf der einen Seite sind es die politischen Turbulenzen, welche in regelmässigen Abständen Unsicherheit schüren. Auf der anderen Seite ist es die sehr gute Entwicklung der Wirtschaft, insbesondere in den USA, welche sich bisher vom politischen Gerangel unbeeindruckt zeigt.

Viele politische Brennpunkte haben einen lokalen Charakter und damit auf den Gang der Weltwirtschaft nur einen geringen Einfluss. Dazu gehören die Probleme in einzelnen Schwellenländern wie Argentinien oder der Türkei, aber auch die populistischen Provokationen in Italien. Potenziell gefährlich ist der Handelsstreit zwischen den USA und dem Rest der Welt. Effektiv negativ beeinflusst werden aber bisher nur einzelne Sektoren und Firmen, nicht die Wirtschaft in der Breite. Negative Geschichten wie diejenige von Harley-Davidson sind von anekdotischer Natur. Der für die Wirtschaft immer wichtiger werdende Dienstleistungsbereich ist dagegen von den Zöllen auf den Handelsgütern kaum betroffen.

Starke Wirtschaft dominiert – im Moment
Die Folgen des Handelsstreites werden erst mit der Zeit sichtbar werden. Viele der angedrohten Zölle treten erst in den nächsten Tagen überhaupt in Kraft. Zudem dauern wirtschaftliche Prozesse lange, bis sie Wirkung entfalten und in den Daten zum Vor-schein kommen. Es ist auch möglich, dass sich das Ganze wieder beruhigt, je nachdem ob sich Präsident Trump vom Handelskrieg für die Midterm-Wahlen im November einen Vorteil verspricht oder ob er zu einer Belastung für die Republikaner wird. In der Zwischenzeit werden die Börsen aber immer wieder mit Kursverlusten auf die lauten Drohungen reagieren.

Trump kann sich dieses Vorgehen leisten, da der Konjunkturmotor weiter brummt und über den Sommer sogar noch an Dynamik zulegen kann. Das zumindest deuten die vorlaufenden Wirtschaftsindikatoren an, die nach einer Delle im Frühjahr wieder stärker werden. Die gute Wirtschaft gibt den Börsen den nötigen Halt, um die zwischenzeitlichen Kursrückschläge wieder zu korrigieren. Davon profitieren vor allem die US-Aktien, aber auch die Dividendentitel in Europa und der Schweiz. Gefährlich für die Aktienmärkte wird es erst, wenn sich die Anzeichen mehren, dass der Konjunkturzyklus seinen Zenit überschreiten wird. Davon sieht man aber noch nichts. Deshalb wird es in den nächsten Monaten an den Börsen bei dem Auf und Ab in einem breiten Band bleiben. (SGKB/mc/ps)

St. Galler Kantonalbank

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