SGKB Investment views: Argentinien ist ein Lehrbuchbeispiel für Anleger in Emerging Markets

Thomas Stucki
Von Thomas Stucki, Chief Investment Officer bei der St.Galler Kantonalbank. (Foto: SGKB)

St. Gallen – Der Argentinische Peso hat seit Ende April 50% seines Werts verloren. Die Türkische Lira stürzte innert Tagen um 30% ab. Das sind extreme Bewegungen, die sofort die Währungen anderer Schwellenländer wie Südafrika oder Indonesien in Mitleidenschaft ziehen. Meistens ist das nicht gerechtfertigt, da die politischen und wirtschaftlichen Probleme Argentiniens und der Türkei nicht mit den anderen Schwellenländern vergleichbar sind. Es erinnert aber daran, dass die höheren Renditen bei Anlagen in Schwellenländern mit Risiken verbunden sind, welche schwierig einzuschätzen sind.

Schwellenländer werden von den Anlegern und Analysten hoch gelobt. Wer mitreden will, investiert in Aktien oder noch besser in Obligationen der Emerging Markets. Die im Vergleich zu den entwickelten Industrieländern hohen Renditen locken. Am besten investiert man in den dortigen Lokalwährungen, denn da ist das grosse Geld zu verdienen. Dass die höheren Renditen die Entschädigung für ein höheres Risiko sind, wird oft als Bagatelle abgetan. Schliesslich floriert die Wirtschaft. Wie dünn das Eis in vielen Schwellenländern jedoch ist, zeigt einmal mehr das Beispiel Argentiniens.

Die Geschichte wiederholt sich – leider
Der letzte Staatsbankrott Argentiniens liegt erst sechzehn Jahre zurück. Auslöser war eine Währungskrise im Nachbarland Brasilien, welche den argentinischen Aussenhandel negativ belastete. Gerüchte über eine bevorstehende Abwertung des Argentinischen Peso führten zu einer massiven Kapitalflucht. Nachdem der IWF 2001 dem Land einen Kredit verwehrte, war der Kurs von einem Peso für einen Dollar nicht mehr zu halten. Innert kurzer Zeit stieg der Wert des Dollars bis auf 3.85 Peso. Die hohen Dollar-Auslandschulden der Argentinier konnten danach nicht mehr beglichen werden. Die Gläubiger mussten 2005 im Rahmen eines Umschuldungsabkommen auf 50% ihrer Forderungen verzichten.

Die Anleger vergessen schnell. Als Mauricio Macri neuer Präsident Argentiniens wurde, wurden er und seine Pläne zur Reformierung der Wirtschaft von den Finanzmärkten gefeiert. Dass der Peso nach seiner Freigabe sofort einen Drittel seines Werts verlor, wurde in der Euphorie verharmlost. In der Folge flossen wieder Kredite in das Land. Das Volumen der Auslandverschuldung, mehrheitlich in Dollar, stieg seither von 160 Mrd. auf 230 Mrd. Dollar an. Als Argentinien im letzten Jahr eine Anleihe mit einer Laufzeit von 100 – ein Hundert – Jahren herausgab, standen die Investoren Schlange. Nach dem neuerlichen Schwächeanfall des Pesos lasten diese Dollar-Schulden aber so schwer, dass Präsident Macri den IWF um einen neuerlichen Hilfskredit bitten musste.

Wenn Schwellenländeranlagen, dann Aktien
Klassisch ist, dass sich die Argentinier wieder in Dollar verschuldet hatten. Für die Banken und Unternehmen aus den Schwellenländern ist es billiger und einfacher, Kredite in Dollar aufzunehmen als in Lokalwährung. Die Zinsen sind tiefer und die internationalen Kapitalmärkte liquider als der Lokalmarkt. Das geht gut, solange das Vertrauen der Anleger in das Land gegeben ist. Dieses kann aber rasch verloren gehen, wenn es zu politischen oder wirtschaftlichen Problemen kommt. Das Kapital fliesst ab und die Lokalwährung gerät unter starken Abwertungsdruck. Die Schulden in Dollar werden dann zu einer existenzbedrohenden Belastung, was innert Kürze einen wirtschaftlichen Zusammenbruch zur Folge hat.

Das heisst nicht, dass man nicht in den Emerging Markets investieren soll. Vom überdurchschnittlichen Wachstum dieser Regionen profitiert man jedoch vor allem über Aktien und nicht durch die Obligationen. Zudem ist der Diversifikation über Länder und Regionen die nötige Beachtung zu schenken. (SGKB/mc/ps)

St. Galler Kantonalbank

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