SGKB Investment Views: Die Fed im Dilemma

Thomas Stucki

Von Dr. Thomas Stucki, CIO St.Galler Kantonalbank (Foto: SGKB)

St. Gallen – Die Psyche der Anleger bleibt labil. Sie sind auf der Suche nach einer Neuorientierung und entsprechend unsicher. Der Fokus hat sich etwas von China abgewendet. Im Zentrum stehen die USA und die Frage, ob die Fed die Zinsen in diesem Jahr noch anhebt oder nicht. Zudem stehen die Gewinnausweise der Unternehmen für das dritte Quartal vor der Tür. Ruhiger wird es erst, wenn der erste Zinsschritt in den USA vollzogen ist und/oder aus China wieder positiv überraschende Wirtschaftsmeldungen kommen.

Nach dem schwachen Arbeitsmarktbericht am letzten Freitag erwarten die Finanzmärkte nun, dass die Fed die Zinsen in diesem Jahr nicht mehr anheben wird. Dies widerspricht Aussagen von Janet Yellen und Bill Dudley, den beiden wichtigsten Exponenten im geldpolitischen Entscheidungsgremium der Fed. Sie gehen davon aus, dass der erste Zins-schritt nach oben noch in diesem Jahr stattfinden wird.

Lässt sich die Fed die Geldpolitik von den Märkten aufzwingen?  
Dieser Widerspruch zwischen der Kommunikation der Fed und den Erwartungen der Märkte ist nicht ungefährlich. Die Fed will vermeiden, die Märkte mit einer überraschen-den Zinserhöhung zu erschrecken. Auf der anderen Seite darf Janet Yellen nicht den Eindruck erwecken, dass sie sich ihre Geldpolitik von den Finanzmärkten aufzwingen lässt. Zudem verunsichert eine zögerliche und unentschlossene Haltung der Fed die Anleger. In den letzten Jahren war die zuverlässige und klare Geldpolitik und deren Kommunikation eine der Stärken der USA im Vergleich zu den chaotischen Verhältnissen in der Eurozone.

Die nächste Sitzung der Fed findet am 28. Oktober statt. Mit einer Zinserhöhung ist dann nicht zu rechnen, da anschliessend an die Sitzung keine Pressekonferenz geplant ist. Dies hört sich banal an. Es wäre aber nur schwer zu begründen, warum für die erste Zinserhöhung der Fed seit fast zehn Jahren kurzfristig eine ausserordentliche Pressekonferenz angesetzt und dem Schritt damit ein zu starkes Gewicht gegeben werden soll. Dafür ist der Druck von der Inflationsseite eindeutig zu gering.

Hoffen auf Ende der Spekulationen
Die letzte Sitzung in diesem Jahr findet am 16. Dezember statt. Es ist völlig offen, ob die Fed dann den Knopf für eine restriktivere Geldpolitik drückt. Für die Finanzmärkte wäre dies ein positiver Schritt, damit die leidige Spekulation um den ersten Zinsschritt endlich vom Tisch wäre. Zudem wird die Fed den Zinserhöhungszyklus langsam angehen lassen und der Wirtschaft genügend Zeit geben, sich an die neuen Rahmenbedingungen anzupassen.

Für die Finanzierungsbedingungen der meisten Firmen ist es sowieso wichtiger, dass die Kreditspreads im Vergleich zu den Staatsanleihen, welche sich in den letzten Wochen sprunghaft ausgeweitet haben, nicht weiter ansteigen. Eine Zinserhöhung der Fed und dadurch eine Beruhigung der Anleger könnte für sie sogar zu tieferen Zinsen führen. (SGKB/mc/ps)

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