SGKB Investment views: Die SNB verkauft nicht

Thomas Stucki
Von Thomas Stucki, Chief Investment Officer bei der St.Galler Kantonalbank. (Foto: SGKB)

St. Gallen – Die Nationalbank hat in den letzten Jahren durch Interventionen am Devisenmarkt Devisenreserven im Wert von über 700 Milliarden Franken angehäuft. In den letzten Wochen ist der Franken vor allem gegenüber dem stark beachteten Euro deutlich schwächer geworden. Die Wende in der Geldpolitik der EZB in Richtung weniger Geld und höherer Zinsen ist absehbar, was dem Euro zusätzlich Phantasie verleiht. An den Finanzmärkten werden Analysen herumgeboten, die eine weitere merkliche Abschwächung des Frankens prognostizieren und den Euro über dem ehemaligen Mindestkurs von 1.20 sehen. Da könnte die SNB doch ihre Devisenreserven wieder abbauen, würde man meinen.

Dem ist nicht so, und zu Recht nicht. Die SNB ist sicher erleichtert darüber, dass der Franken sich abgeschwächt hat und sie nicht mehr zu Lasten des Frankens eingreifen muss. Aus ihrer Sicht ist der Franken aber immer noch überbewertet. Wenn man den Durchschnitt der letzten 20 Jahre des realen Franken-Kurses als «fairen» Wert für den Franken annimmt, ist er heute je nach Berechnungsmethode 10 bis 15% zu teuer.

Franken verkaufen gar nicht so einfach für die SNB
Die SNB wird in ihrer Kommunikation deshalb weiterhin den zu starken Franken betonen. Da sind substantielle Verkäufe von Fremdwährungen schwierig zu erklären. Die Reaktion des Frankens auf die Eskalation der Spannungen um Nordkorea hat zudem gezeigt, dass der Franken allen negativen Prognosen zum Trotz immer noch als sicherer Hafen betrachtet wird. Der Wind kann also sehr schnell wieder drehen und der Franken erneut unter Aufwertungsdruck geraten.

Daneben gibt es auch Umsetzungsprobleme. Es ist für die SNB nicht möglich, Franken im grossen Stil zurückzukaufen, ohne eine neuerliche Aufwertungswelle zu initiieren. Die SNB ist zwar häufig durch kommerzielle Franken-Geschäfte mit grösseren Beträgen im Markt aktiv, ohne dass es zu aussergewöhnlichen Kursbewegungen kommt. Damit es bei den Devisenreserven jedoch zu einer merklichen Entlastung kommt, braucht es Rückkäufe von deutlich mehr als 10 Milliarden Franken.

Gefahr unerwünschter Signale zu gross
Die Spekulation auf einen starken Franken käme wieder auf. Hedge Funds und andere Investoren würden auf den Zug aufspringen und ebenfalls Franken kaufen. Die daraus folgende Aufwertung des Frankens würde die SNB erneut zu Interventionen gegen den starken Franken zwingen. Am Ende dürfte der Devisenbestand der SNB sogar deutlich höher sein als beim Start der Rückkaufaktion.

Die SNB könnte versuchen, nicht direkt als Gegenpartei am Markt aufzutreten und so ihre Absichten verschleiern, beispielsweise indem sie die Geschäfte über andere Zentralbanken abschliesst. Spätestens bei der monatlichen Publikation ihrer Bilanz würde der Schleier jedoch fallen und der Markt auf die SNB-Käufe aufmerksam. Die SNB tut also gut daran, sich still zu halten und froh zu sein, dass ihre Devisenreserven nur kursbedingt ansteigen. (SGKB/mc/ps)

 

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