SGKB Investment views: «Handelskrieg» ist ein grosses Wort

Thomas Stucki
Von Thomas Stucki, Chief Investment Officer bei der St.Galler Kantonalbank. (Foto: SGKB)

St. Gallen – Das Wort «Handelskrieg» geistert durch die Medien und erschreckt die Anleger. Die vom US-Präsidenten Trump angekündigten Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporten haben zu heftigen Reaktionen geführt, sowohl bei der EU und anderen Ländern als auch an den Börsen. Aber wie gefährlich sind solche Strafzölle wirklich für die Wirtschaft und die Aktienkurse?

Am offensichtlichsten ist natürlich, dass die Importe von Stahl und Aluminium in die USA teurer werden und dadurch in den USA die Nachfrage nach dem Stahl der US-Produzenten steigt. Das ist das politische Ziel dieser Aktionen. In der wirtschaftlichen Realität gleicht sich das Ganze wieder aus. Die US-Produzenten werden ihre Preise ebenfalls erhöhen, was zu einem generell höheren Stahlpreis in den USA führen wird.

Mehr Stahlverbraucher als Stahlproduzenten
Die Verbraucher von Stahl wie die Autoindustrie oder die Maschinenindustrie werden das zu spüren bekommen. In der Folge steigen die Preise beispielsweise der amerikanischen Autos, was für GM und Ford zu einem Wettbewerbsnachteil gegenüber den ausländischen Autoherstellern führt, ausser es werden auch auf ausländische Autos Strafzölle eingeführt. Insgesamt steigt in den USA die Inflation und die Wirtschaft wird geschwächt, da es mehr Stahlverbraucher als Stahlproduzenten gibt.

Anders sieht es in Europa oder in Asien aus. Die Stahlhersteller leiden. Die Exporte in die USA gehen zurück und die Chinesen werden versuchen, mehr Stahl nach Europa zu liefern. Durch das höhere Angebot an Stahl sinkt der Stahlpreis. Davon profitieren die europäischen Stahlverbraucher, beispielsweise wiederum die Autoindustrie.

Unbeliebte Unsicherheit an den Börsen
Dies widerspiegelt die Auswirkungen an der Börse. Die Aktien der US-Stahlhersteller profitieren von höheren Preisen und damit höheren Gewinnen. Die Autohersteller wiederum kommen unter Druck, weil es ihnen kaum gelingen wird, die gesamte Kostenerhöhung an die Konsumenten weiterzugeben. In Europa und Asien ist es genau umgekehrt. Die Stahlaktien kommen unter Druck und die Autobauer profitieren. Es ist klar, dass diese einfache Rechnung nur aufgeht, wenn sich die Zollwut nicht ausbreitet und immer mehr Sektoren und Produkte umfasst.

Für die Börse bedeutet dieser «Handelskrieg» zuerst einmal Unsicherheit – und Unsicherheit haben die Anleger nicht gern. Deshalb werden die Kursschwankungen in nächster Zeit weiterhin ein Thema sein. Tage mit Kursverlusten von mehr als 1% aber auch Tage mit Kursgewinnen von mehr als 1% werden häufiger, bis sich die Diskussion um Strafzöllen wieder gelegt hat. Dabei ist es gar nicht so wichtig, ob es effektiv solche Zölle gibt oder nicht. Solange sie die Wirtschaft als Ganzes nicht stark negativ beeinträchtigen, wird sich die Börse per Saldo jedoch gut halten. Sich von den Aktien im grossen Stil zu trennen, ist deshalb nicht notwendig. Im Gegenteil. Bei Aktien von Firmen mit einem stabilen operativen Geschäftsmodell werden sich nach schlechteren Tagen auch Einstiegsmöglichkeiten ergeben.

Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank. Herr Stucki hat einen Abschluss mit Doktorat in Volkswirtschaft von der Universität Bern und ist CFA Charterholder. Er führt bei der St.Galler Kantonalbank das Investment Center mit rund 35 Mitarbeitenden. Er ist verantwortlich für die Verwaltung von Kundenmandaten und Anlagefonds im Umfang von 7,5 Milliarden Franken. Zuvor war er als Leiter Asset Management der Schweizerischen Nationalbank verantwortlich für die Verwaltung der Devisenreserven.

St. Galler Kantonalbank AG
Die St.Galler Kantonalbank wurde 1868 gegründet und ist seit 2001 an der Börse SIX Swiss Exchange kotiert. Der Kanton St. Gallen hält als Mehrheitsaktionär 54.8% des Aktienkapitals. Als Universalbank bietet sie den Kunden in ihrem Heimmarkt die gesamte Palette von Finanzdienstleistungen an. In Zürich ist sie mit einer auf Vermögensverwaltung spezialisierten Niederlassung präsent. Mit ihrer umfassenden Dienstleistungspalette betreut sie Privatkunden in der Deutschschweiz in allen Fragen der privaten Vermögensplanung und Vermögensverwaltung. Am 31. Dezember 2017 beschäftigte die St.Galler Kantonalbank Gruppe insgesamt 1233 Mitarbeitende und verwaltete Kundenvermögen von CHF 42.4 Milliarden. Das Stammhaus besitzt Staatsgarantie und das Aa1-Rating von Moody’s. 

 

 

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