SGKB investment views: Tiefe Staatsschulden erschweren Anlage in Franken

Thomas Stucki

St. Gallen – Der Mythos des Schweizer Frankens als sicherer Hafen in stürmischen Zeiten ist ungebrochen. Das gilt insbesondere bei Problemen innerhalb der Eurozone. So hat der Franken während des Budgetstreits zwischen der EU-Kommission und der italienischen Regierung zum Euro deutlich an Wert zugelegt. Aus Sicherheitsüberlegungen macht es für Franken-Anleger deshalb Sinn, einen grossen Anteil des Portfolios in Franken zu halten. Wenn es an den Finanzmärkten ruhig ist, neigt der Franken aber zur Schwäche, da er für grosse institutionelle Investoren eine unattraktive Währung ist.

Es gibt im Franken keinen Markt für handelbare Geldmarktanlagen wie die Treasury Bills in den USA oder den deutschen Bubills im Euro. Wer kurzfristig Geld in Franken parkieren will, muss dies über Festgelder oder Treuhandanlagen bei den Banken tun. Dies ist aus zweierlei Gründen unattraktiv. Die Banken verlangen für grosse Beträge einen Negativzins. Zusätzlich müssen die Investoren das Kreditrisiko der Bank tragen.

Dünner Obligationenmarkt
Der Obligationenmarkt in Franken ist für grosse Investoren ebenfalls zu klein. Die Eidgenossenschaft hat noch Anleihen im Umfang von 70 Mrd. Franken ausstehend. In diesem Jahr dürfte durch den Budgetüberschuss des Staates das Volumen um weitere 3 Mrd. Franken zurückgehen. Mit einer Schuldenquote von 42% des BIP sind die Schulden der Schweiz aus Sicht des Obligationenmarktes zu gering. Ähnlich sieht die Situation bei den Kantonen und Städten als Emittenten aus.

Der Markt für Unternehmensanleihen konzentriert sich auf Anleihen von Banken und Versicherungen, welche gut ein Drittel des Volumens in diesem Segment ausmachen. Zudem verschwinden viele Obligationen nach der Emission in den Portfolios von institutionellen und privaten Kunden und tauchen erst bei ihrem Verfall wieder auf. Es ist deshalb fast nicht möglich, grössere Summen kreditrisikomässig diversifiziert in Franken-Obligationen zu investieren. Hinzu kommt, dass die Ertragsmöglichkeiten aufgrund der tiefen Zinsen bescheiden sind.

Nischenprodukt „Schweizer Franken“
Einzig der Schweizer Aktienmarkt genügt den Anforderungen grosser Investoren. Zwar machen die drei Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche gut 50% des Swiss Performance Index aus, weshalb indexorientierte Investoren ein Klumpenrisiko in Kauf nehmen müssen. Wer sich jedoch nicht an die Indexgewichtungen hält, findet eine Reihe guter Unternehmen aus verschiedenen Branchen mit einem soliden Geschäftsmodel und Qualitätsprodukten, deren Aktien einigermassen liquide gehandelt werden.

Der Franken ist im Vergleich zum Dollar und zum Euro ein Nischenprodukt und für die grossen internationalen Portfolios zu klein. Aus dem gleichen Grund spielt er als Reservewährung bei den Zentralbanken eine untergeordnete Rolle. Das spielt für die Privatkunden jedoch keine Rolle. Diese profitieren bei wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen von der Sicherheit der Schweiz, die sich auch im «sicheren Hafen» Franken äussert. (SGKB/mc)

Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank. Herr Stucki hat einen Abschluss mit Doktorat in Volkswirtschaft von der Universität Bern und ist CFA Charterholder. Er führt bei der St.Galler Kantonalbank das Investment Center mit rund 35 Mitarbeitenden. Er ist verantwortlich für die Verwaltung von Kundenmandaten und Anlagefonds im Umfang von 7,5 Milliarden Franken. Zuvor war er als Leiter Asset Management der Schweizerischen Nationalbank verantwortlich für die Verwaltung der Devisenreserven.

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