SGKB investment views: Trump verunsichert die Börse

Thomas Stucki
Von Thomas Stucki, Chief Investment Officer bei der St.Galler Kantonalbank. (Foto: SGKB)

St. Gallen – Die Ankündigung von Strafzöllen auf dem Import von chinesischen Produkten hat an den Börsen neue Schockwellen ausgelöst. Die vorgebtrachten Argumente wie die Subventionierung der eigenen Industrie durch China oder den erzwungenen Technologietransfer, wenn US-Unternehmen ihre Produkte in China verkaufen wollen, sind nicht so falsch. Hingegen ist das Vorgehen der Regierung Trump kontraproduktiv.

Die Behauptung des Weissen Hauses, dass durch die Zölle nur die Chinesen geschädigt werden und die amerikanischen Konsumenten nicht mehr bezahlen müssen, ist zudem entweder naiv oder schlichtweg irreführend. Die Defizite im Aussenhandel mit China werden durch die Zölle auch nicht verschwinden oder kleiner werden, solange die Amerikaner mehr konsumieren als die Chinesen. Ob die Amerikaner auf die billigen Kleider oder die liebgewonnene Unterhaltungselektronik aus Asien verzichten wollen, ist jedoch zu bezweifeln. Deshalb wird man abwarten müssen, welche Güter in welchem Ausmass am Ende überhaupt mit Zöllen belastet werden.

Die Erfahrung mit den gross angekündigten Strafzöllen auf Stahl und Aluminium hat gezeigt, dass so viele Ausnahmen beschlossen werden, dass die effektive Wirkung bescheiden ist. Nicht vergessen sollten die Amerikaner auch, dass sie für die Finanzierung ihrer Schulden auf das Ausland und dabei insbesondere auch auf China angewiesen sind. Die aus dem Handelsüberschuss resultierenden Dollars werden von den Chinesen unter anderem in US-Staatsanleihen investiert. Mit 1’168 Mrd. Dollar ist China hinter der Fed der zweitgrösste Gläubiger des amerikanischen Finanzministers.

Säbelrasseln in Washington verunsichert die Anleger
Die steigende Unsicherheit zeigt sich an den Finanzmärkten in der üblichen Weise. Die Aktienkurse sinken und die Preise von sicheren Staatsanleihen steigen. Sichere Häfen wie der Franken und der Yen profitieren genauso wie das Gold. Das Thema wird nicht so schnell wieder verschwinden. Zu dankbar ist es für Präsident Trump, um gegenüber seinen Wählern Handlungsfähigkeit zu demonstrieren und von anderen Themen wie die immer enger werdende Untersuchung des Sonderermittlers Mueller, dem personellen Chaos im Weissen Haus und den verschiedenen Veröffentlichungen früherer Liebschaften abzulenken. Die starken Kursschwankungen bei den Aktien werden anhalten, sowohl gegen unten als auch gegen oben. Ob man diese aussitzen soll oder sich von seinen Risikopositionen, insbesondere bei den Aktien, verabschiedet, hängt von der Einschätzung der langfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen des Handelsstreites ab.

Es ist momentan schwierig abzuschätzen, wie stark die internationale Wirtschaft effektiv beeinträchtigt wird. Solange sich die Strafzölle auf den Aussenhandel zwischen China und den USA beschränken, sind die Auswirkungen nicht so gross. In beiden Ländern ist die Binnenwirtschaft für das BIP wichtiger als der Aussenbeitrag. Anders sieht es für die exportorientierten europäischen Länder wie Deutschland oder auch die Schweiz aus, welche bisher aber nur am Rand betroffen sind. Sollte der Streit eskalieren, kann dies über die Stimmungsindikatoren aber auch negative Auswirkungen auf die binnenorientierten Sektoren haben, da weniger konsumiert und investiert wird.

Ruhe bewahren
Erste Auswirkungen sind in den Unternehmensumfragen bereits zu sehen. So sind die Einkaufsmanagerindizes, welche die Befindlichkeit der Firmen messen, im März sowohl in der Eurozone als auch in den USA auf hohem Niveau tiefer ausgefallen als erwartet. Daraus eine Abschwächung der Weltwirtschaft abzuleiten, ist jedoch verfrüht. Man sollte also nicht überhastet reagieren. Ohne deutliche Abschwächung der Wirtschaft werden sich die Aktienkurse mit der Zeit wieder erholen. Den üblichen Vorsichtsmassnahmen wie der Sicherstellung der nötigen Diversifikation im Portfolio, der Bevorzugung von Unternehmen mit einem stabilen Geschäftsmodell und der Beachtung der nötigen Handelsliquidität in den gehaltenen Aktien ist im aktuellen Umfeld aber noch stärker als üblich Rechnung zu tragen. (SGKB/mc/pg)

SGKB

Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank. Herr Stucki hat einen Abschluss mit Doktorat in Volkswirtschaft von der Universität Bern und ist CFA Charterholder. Er führt bei der St.Galler Kantonalbank das Investment Center mit rund 35 Mitarbeitenden. Er ist verantwortlich für die Verwaltung von Kundenmandaten und Anlagefonds im Umfang von 7,5 Milliarden Franken. Zuvor war er als Leiter Asset Management der Schweizerischen Nationalbank verantwortlich für die Verwaltung der Devisenreserven.

St. Galler Kantonalbank AG
Die St.Galler Kantonalbank wurde 1868 gegründet und ist seit 2001 an der Börse SIX Swiss Exchange kotiert. Der Kanton St. Gallen hält als Mehrheitsaktionär 54.8% des Aktienkapitals. Als Universalbank bietet sie den Kunden in ihrem Heimmarkt die gesamte Palette von Finanzdienstleistungen an. In Zürich ist sie mit einer auf Vermögensverwaltung spezialisierten Niederlassung präsent. Mit ihrer umfassenden Dienstleistungspalette betreut sie Privatkunden in der Deutschschweiz in allen Fragen der privaten Vermögensplanung und Vermögensverwaltung. Am 31. Dezember 2017 beschäftigte die St.Galler Kantonalbank Gruppe insgesamt 1233 Mitarbeitende und verwaltete Kundenvermögen von CHF 42.4 Milliarden. Das Stammhaus besitzt Staatsgarantie und das Aa1-Rating von Moody’s.

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