SGKB Investment views: Voller Terminplan bringt Nervenkitzel zum Jahresende

SGKB Investment views: Voller Terminplan bringt Nervenkitzel zum Jahresende
Von Caroline Hilb Paraskevopoulos, Leiterin Anlagestrategie und Analyse der St.Galler Kantonalbank. (Foto: SGKB)

St. Gallen – Diese Woche kommen alle grossen Themen 2019 nochmals auf den Tisch, die Karten werden neu gemischt. Am Mittwoch wird die US-Notenbank Fed ihren geldpolitischen Entscheid bekannt geben. Am Donnerstag sind die SNB und die EZB an der Reihe. Ebenfalls diesen Donnerstag finden in Grossbritannien Neuwahlen statt. Und am 15. Dezember läuft eine Deadline für die Einführung von weiteren US-Strafzöllen auf chinesische Importe ab.

Der Handelsstreit zwischen den USA und China hat die Weltwirtschaft 2019 einem Stresstest ausgesetzt. Die Zahlen des Industriesektors sind denn auch eingetrübt. In den letzten Wochen dominierte die Meinung, dass sich die USA und China auf ein sogenanntes Phase-1-Abkommen einigen könnten. Seither sind die Aktienmärkte gestiegen und haben neue Höchststände erreicht. Noch ist nichts unterschrieben und eine wichtige Deadline steht am kommenden Sonntag an. Falls die USA am 15. Dezember weitere Zölle auf chinesische Importe im Gegenwert von 160 Mrd. US-Dollar erheben sollten, wäre ein Abkommen wieder ausser Reichweite. Die Wahrscheinlichkeit für ein vorläufiges Happy End in Form eines Mini-Abkommens stufe ich aber als realistisch ein, weil beide Parteien aufgrund der fragilen Konjunkturlage ein Interesse an einer Einigung haben. China hat in der letzten Novemberwoche ein neues Gesetz zum Schutz Geistigen Eigentums erlassen und damit den USA ein starkes Entgegenkommen signalisiert. US-Präsident Donald Trump braucht angesichts des hohen innenpolitischen Drucks positive Meldungen, insbesondere für die US-Farmer und die US-Industrie, die zu seinen Wählern gehören. Beide hängen stark vom Handelsstreit ab, den der US-Präsident massgeblich entspannen könnte.

Steht Boris Johnson vor der Wiederwahl?
Ebenfalls in dieser Woche werden die Britinnen und Briten ein neues Unterhaus wählen. Gemäss Umfragen wird Boris Johnson diese Wahlen für sich und die Tories entscheiden. Was bedeutet das für den Brexit? Wenn Boris Johnson eine Mehrheitsregierung bilden kann, die hinter seinem Brexit-Abkommen steht und die «sein» Abkommen innert nützlicher Frist in Gesetze «giessen kann», wird es keinen «Hard Brexit» geben. Diesem Szenario gebe ich die höchste Wahrscheinlichkeit. Es kann aber auch sein, dass Boris Johnson gemeinsam mit «harten» Brexit-Befürwortern eine Regierung bilden muss. Dann könnte es auch ohne
Abkommen mit der EU zu einem Austritt kommen. Dieser Fall hat eine kleinere Wahrscheinlichkeit, lässt sich aber nicht komplett ausschliessen. So oder so bleibt der Brexit vorerst ein britisches Thema ohne direkte Auswirkungen auf die Konjunktur ausserhalb Grossbritanniens oder die Finanzmärkte.

Können die Notenbanken überraschen?
Das kleinste Überraschungspotenzial diese Woche bieten die Notenbanken. Es ist klar, dass die Geldpolitik expansiv bleiben wird. Ich erwarte weder bei der Fed, noch bei der SNB oder der EZB eine Zinssenkung. Insbesondere tiefere Leitzinsen in der Schweiz wären nicht ohne grössere Unruhen möglich. Aktuell liegt der SNB-Leitzins bei -0.75%. Bei einer weiteren Zinssenkung auf -1.00% würde die Belastung von Sparern durch Negativzinsen zunehmen und das könnte die SNB im öffentlichen Diskurs Goodwill kosten. Ebenfalls würde sie ihren geldpolitischen Spielraum ohne grosse Not verkleinern, was angesichts der konjunkturellen Lage, trotz Abschwächung, nicht angemessen wäre.

Was rate ich Anlegern? – Geduld bringt Rosen
Wenn in einer Woche viele wichtige Daten anstehen, rate ich von Aktivismus ab. Denn häufig machen die Finanzmärkte in einer ersten spontanen Reaktion nicht das, was man erwartet. Hinzu kommt, dass insbesondere den politischen Ereignissen ein hohes Überraschungspotenzial und eine grosse Unberechenbarkeit innewohnt. An der Seitenlinie stehen, mögliche Preiskapriolen ausharren und etwas abwarten, kann sich in diesem Umfeld lohnen. (SGKB/mc/ps)

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