SNB erwirbt Fremdwährungen für 48,2 Mrd Franken

Thomas Jordan
SNB-Direktionspräsident Thomas Jordan. (Bild: SNB)

Zürich – Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat auch im vergangenen Jahr an den Devisenmärkten interveniert. Allerdings hat der Interventionsbetrag im Vergleich zu den Jahren davor deutlich abgenommen. Grund dafür ist der vor allem im zweiten Halbjahr schwächer gewordende Franken.

Insgesamt hat sie 2017 Fremdwährungen im Gegenwert von 48,2 Mrd CHF erworben, wie dem am Donnerstag veröffentlichten SNB-Geschäftsbericht 2017 zu entnehmen ist. Interveniert haben dürfte die SNB vor allem in der ersten Jahreshälfte, als der Franken weiter unter Aufwertungsdruck stand. Ab Juli büsste die hiesige Währung gegenüber dem Euro dann deutlich an Wert ein, so dass sich die hiesigen Währungshüter vermutlich zu keinen grösseren Interventionen mehr gezwungen sahen. Derzeit kostet ein Euro 1,17 CHF – das sind rund 7 Rappen mehr als noch Mitte 2017 bzw. 10 Rappen mehr als noch Mitte April.

Gemäss den SNB-Angaben sank der handelsgewichtete nominale Aussenwert des Franken im zweiten Halbjahr 2017 um rund 5%, wobei der reale Aussenwert sogar noch etwas stärker abnahm. Im Dezember sei er wieder ungefähr auf dem gleichen Stand wie vor der Aufhebung des Mindestkurses gegenüber dem Euro im Januar 2015 gelegen, so die SNB. Grund dafür: Die Teuerung in der Schweiz war geringer als im Ausland.

Sichtguthaben vor allem im 1. Halbjahr angestiegen
Dass die Interventionen vor allem in den ersten Monaten 2017 stattgefunden haben dürften, zeigt auch die Entwicklung der Giroguthaben der Banken bzw. der Sichtguthaben bei der SNB, welche allein von Januar bis Mitte Mai um rund 45 Mrd CHF zunahmen. Die Entwicklung der Sichtguthaben gilt bekanntlich als Indiz dafür, ob die SNB am Devisenmarkt interveniert. Die Zentralbank kauft Fremdwährungen und schreibt den Banken den entsprechenden Franken-Betrag auf deren SNB-Konten gut.

Insgesamt fielen die Interventionen der SNB 2017 aber geringer aus in den Jahren davor. 2016 hatte die SNB 67,1 Mrd CHF an Devisenkäufen getätigt, 2015 waren es gar 86,1 Mrd gewesen. 2015 war dabei der „weitaus grösste“ Teil auf den Januar gefallen, als die SNB den Franken-Mindestkurs zum Euro aufgehoben hatte. Deutlich höher noch waren die Interventionsvolumen in den Jahren davor. 2012 etwa hatte die SNB zur Sicherstellung des damals geltenden Mindestkurses Fremdwährungen im Gegenwert von 188 Mrd CHF erworben.

Freibeträge bei Negativzinsen vollständig ausgeschöpft
Weitere Details gab die SNB am Donnerstag auch zu den Negativzinsen bekannt, die seit Ende 2014 in Kraft sind (seit Januar 2015 bei -0,75%). Die gesamten Sichtguthaben, die Banken und andere Finanzmarktteilnehmer bei der SNB haben, lagen mit 573 Mrd CHF Ende 2017 deutlich über der Summe der maximal ausschöpfbaren Freibeträge in der Höhe von 291 Mrd CHF.

Dem Negativzins unterlagen Ende Guthaben in der Höhe von 271 Mrd CHF, der Ertrag aus der Erhebung des Negativzinses lag 2017 – wie bereits bekannt – bei 2,0 Mrd CHF. Der Ausgleich der Sichtguthaben zwischen Kontoinhabern über den Geldmarkt habe dazu geführt, dass die Freibeträge seit einiger Zeit fast vollständig ausgeschöpft würden, schreibt die SNB weiter im Geschäftsbericht.

Jordan erhält knapp 1 Million Franken
Bekannt geworden sind mit dem Geschäftsbericht auch die Entschädigungen des SNB-Direktoriums. Präsident Thomas Jordan hat im letzten Jahr 0,98 Mio CHF verdient (1,23 Mio inkl. Sozialbeiträge der Arbeitgeber). Im Vergleich zu 2016 fiel die Erhöhung um rund 73’000 CHF höher aus.

Die Aktionäre der Nationalbank sind bekanntlich mehrheitlich die Kantone und Kantonalbanken. Ende 2017 hielten diese rund 51% der Aktien, die übrigen Aktien befinden sich hauptsächlich im Besitz natürlicher Personen. Grösste Aktionäre waren gemäss dem Geschäftsbericht der Kanton Bern mit 6,63% (6630 Aktien), der deutsche Theo Siegert mit 6,07% (6070 Aktien), der Kanton Zürich mit 5,20% (5200 Aktien), der Kanton Waadt mit 3,40% (3401 Aktien) und der Kanton St. Gallen mit 3,00% (3002 Aktien). (awp/mc/pg)

SNB

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