Nationalbank weitet Gewinn dank Devisenerfolg aus

Thomas Jordan

SNB-Präsident Thomas Jordan. (Bild: Monika Flückiger / swiss-image.ch)

Zürich – Die Schweizerische Nationalbank (SNB) weist für die ersten neun Monate 2014 einen Rekordüberschuss von 28,5 Mrd CHF aus. Allein aus den in früheren Jahren massiv ausgeweiteten Fremdwährungspositionen floss ein Gewinn von 25,2 Mrd. Auf dem mengenmässig unveränderten Goldbestand resultierte ein Bewertungsgewinn von 3,3 Mrd CHF, wie die SNB am Freitag mitteilte. 2013 hatte der Absturz des Goldpreises bei der Schweizer Notenbank unter dem Strich noch für einen Jahresverlust von 9,1 Mrd gesorgt.

Die Devisenanlagen, welche sich seit Anfang 2014 von 443,2 Mrd CHF auf 471,4 Mrd ausweiteten, steuerten auf verschiedene Weise zum nun erzielten Rekordergebnis bei: Die wechselkursbedingten Gewinne beliefen sich auf insgesamt 9,7 Mrd. Kursverluste auf dem Euro wurden durch die Gewinne auf den anderen Anlagewährungen, insbesondere dem US-Dollar und dem britischen Pfund, mehr als kompensiert, wie die SNB erklärte.

Weitere 5,7 Mrd CHF Gewinn stammen aus Zinserträgen und 1,4 Mrd aus Dividendenerträgen. Das allgemein tiefere Zinsniveau führte zu Kursgewinnen von 6,2 Mrd auf den Zinspapieren und -instrumenten. Die Beteiligungspapiere und -instrumente profitierten vom günstigen Börsenumfeld und trugen mit 2,3 Mrd zum Erfolg bei.

Ausschüttung hängt vom Jahresergebnis ab
Der Gewinn der SNB ist gross wie noch nie, die Bilanzsumme mit 522 Mrd CHF (Ende 2013: 490 Mrd) und damit die Schwankungsanfälligkeit allerdings ebenso. Schliesslich sind starke Schwankungen an den Gold-, Devisen- und Kapitalmärkten die Regel und Rückschlüsse von Quartalsergebnissen auf das Jahresresultat nur bedingt möglich, wie die SNB in ihren Zwischenberichten stets betont.

Es ist damit trotz des grossen Überschusses nach neun Monaten nicht garantiert, dass die SNB nach dem letztjährigen Ausfall für 2014 wieder Gewinne an Bund und Kantone ausschütten kann. Nötig wäre dazu ein Jahresüberschuss von über 10 Mrd CHF. Denn nach dem Jahresverlust von 2013 liegt die Ausschüttungsreserve mit 6,8 Mrd im Minus. Dieser Topf müsste zuerst wieder gefüllt werden. Zudem tätigt die SNB jeweils Rückstellungen für Währungsreserven, letztes Jahr waren es 3,0 Mrd.

Kleiner Quartalsverlust beim Gold
Die Schwankungsanfälligkeit zeigte sich auch im dritten Quartal: nach einem guten Halbjahr resultierte auf dem Goldbestand wieder ein Bewertungsverlust von 217 Mio CHF. Die Fremdwährungspositionen warfen dagegen 12,6 Mrd ab. Unter dem Strich konnte die SNB ein Quartalsgewinn von fast 12,4 Mrd verbuchen. Am stärksten wirken sich Schwankungen beim Euro-Wechselkurs aus, seit die SNB im Kampf gegen eine Überbewertung der Gemeinschaftswährung massiv Euro gegen Franken gekauft hat. Seit September 2012 sind nach bisherigen Angaben keine Interventionen mehr nötig gewesen, damit die SNB ihren Euro-Mindestkurs von 1,20 CHF garantieren konnte.

Den damaligen Höchststand von Euro-Anlagen im Volumen von rund 179 Mrd EUR hat die SNB Ende September mit 174,3 Mrd aber noch nicht weit unterschritten. Umgerechnet waren dies 210,3 Mrd CHF oder 44,6% der Devisenanlagen. Ende 2013 waren es 49,2% gewesen. Der Dollar-Anteil stieg dagegen von 25,9 auf 28,9%.

Gegen Goldinitiative
Um nicht an geldpolitischer Flexibilität einzubüssen, kämpft die Nationalbank gegen die Goldinitiative, über die am 30. November abgestimmt wird. Laut dem Volksbegehren müsste die SNB 20% ihres Vermögens in Gold anlegen, und einmal erworbenes Gold dürfte nicht mehr verkauft werden.

Per Ende September verfügt die SNB über Goldbestände von 38,89 Mrd CHF. Dies entspricht knapp 7,5% der Aktiven. Um die Initiative zu erfüllen, müsste die SNB Gold kaufen oder die Bilanz verkürzen, indem Devisen verkauft werden, was den Euro-Mindestkurs gefährden könnte. (awp/mc/pg)

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